Hornshof - Vom Horninges Houe zu Hornshof

1. Wo der Ort liegt

Das kleine Dorf Hornshof liegt ungefähr 8 Kilometer nordöstlich der Stadt Celle an der Bundesstraße 191. Es ist im Wirtschaftsbereich des uralten Dorfes Garßen entstanden und gehört auch noch zu dieser Gemeinde.

Ehe man in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Straße baute, lagen hier in der weiten Heide nur 3 Höfe, ein Vollhof, eine Kötner- und eine Abbauerstelle.

Die alten Vekehrswege berührten den Ort nicht.

Die alte Poststraße, die nach Lüneburg führte, zog im Westen an den Höfen vorüber, am Kothofe 150 m, am Vollhof und der Abbauerstelle rund 300 m.

Der alte Karrenweg, plattdeutsch Koar´nwech genannt, führte 500 m westlich des Dörfchens über Rebberlah nach Norden und der alte Dietweg, der schon 1060 urkundlich erwähnt wird, rund 750 m im Osten der Höfe in nordöstlicher Richtung über Eschede weiter.

Diese alte Verkehrsstraße verband den Süden unseres deutschen Vaterlandes mit den Handelsplätzen des Nordens. Zuerst ist hier Bardowick zu nennen, dann, nachdem Heinrich der Löwe dieses zerstört hatte, folgten Lüneburg, Hamburg, Lübeck und die Handelsplätze in den nordischen Ländern. Der Hamborger Wech nordöstlich Garßen, die Napojonstroate östlich Hornshof und der Hamborger Damm am Westufer des Haberlandsbaches zeigen noch, wie er verlief.

Abgesehen von den Eichen auf den Höfen und in der näheren Umgebung, den Tannen im Dannenmauer und den Birken im Barkhop, sah man, soweit das Auge reichte, braune Heide. Nur einzelne Wacholderbüsche unterbrachen das Blickfeld. Doch das war nicht immer so. Die Namen der Fluren Gasseln Loh, Dockloh, Arloh, Büsloh, Windloh und andere verraten es. Mit Namen mit der Endsilbe -loh bezeichnete man in alter Zeit einen lichten Urwald, in dem, je nach der Bodenbeschaffenheit, Birken, Buchen, Eichen, Tannen und andere Bäume wuchsen.

Um das Jahr 1000 gehörte Garßen einschließlich des Horninges Hofes zum Kirchspiel Beedenbostel und politisch zum Gaue Gretings. Beide Orte gehörten damals zum Bistum Hildesheim und zur Stammenslandschaft Ostfalen. 1248 aber waren Garßen und Hornshof nach Groß Hehlen umgepfarrt. Groß Hehlen hatte also damals nachweislich eine Pfarrkirche, wahrscheinlich aber schon im 11. Jahrhundert.

2. Was Ortsnamen und Flurnamen erzählen

Was hier berichtet werden soll, trug sich schon zu einer Zeit zu, in der es nach den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen nachgeborenen Söhnen nicht mehr möglich war, in ihrem Heimatdorf zu siedeln. Tausend Jahre mögen seitdem vergangen sein.

Man hatte in Garßen einem jungen Paare, das heiraten wollte, gestattet, sich am Rande der wirtschaftlichen Belange des Heimatortes anzubauen. Einen Platz, der sich zum Siedeln eignete, hatte man an einer Quelle im Quellgebiet des östlichen Quellbächleins des Valasath, den wir heute Vorwerker Bach nennen, gefunden.

An einem sonnigen Wintertage erschienen hier dann der zukünftige junge Ehemann und die Söhne seiner Nachbarn mit Spaten und Äxten. Sie begannen im nahen Urwald Bäume und Büsche zu fällen oder zu roden, vor allem Eichen und Tannen, die man zum Bauen eines Hauses brauchte. Das Holz wurde schon behauen und zurechtgeschnitten.

Im kommenden Frühling erschienen hier die jungen Männer wieder. Sie bauten nach alt bewährtem Muster ein großes Einraumhaus. Sie umzäunten den angelegten Hofraum mit einem Zaun aus einem Geflecht aus Eichenzweigen, legten einen kleinen Hausgarten an und schufen am östlichen Quellbächlein des Valasath das erste Ackerland. Die Flur am Bächlein im Süden des Hofes, die später als Viehweide benutzt wurde, heißt nach dem Bach noch heute Falensot, was wahrscheinlich Fälischer Bach bedeutet (Bach in Falen).

Als das Haus fertig war, zog das junge Siedlungspaar ein. Alles, was sie aus den väterlichen Höfen als Mitgift erhalten hatten, brachten sie mit. Es war dies der Hausrat der jungen Frau, Kisten und Kistenpfand, Betten und Bettgewand, Kühe, Rinder, Heidschnucken und Schweine, ferner Bienen, Honig und Korn.

Das junge Paar lebte mit seinem Vieh unter einem Dache. Nur das Heck - das war ein Holzraum mit einer Pforte in der Mitte - trennte den Wohnraum, Flet genannt, vom Stallraum. Mitten im Flet hatte man den niedrigen Herd aufgemauert. Darüber hing unter dem Rahmen der Kesselhaken. An der südlichen Hauswand - auch hinter dem Herd - hatte man die Schlafstellen, Butzen genannt, aufgestellt.

Beim Herd hatte die Frau des Hauses ihren Sitz. Von hier aus konnte sie den ganzen wirtschaftlichen Betrieb im Hause überwachen. Der Herd bildete die einzige Licht- und Wärmequelle des Hauses. Am Herd empfing die Hausfrau den Besuch. Auch wurden hier alle häuslichen Arbeiten verrichtet. Abends versammelten sich hier alle Hausbewohner.

Der Herdrauch bahnte sich, je nach der Windrichtung, seinen Weg über die beiden Halbetüren ins Freie, oder er verließ das Haus durch die geöffnete halbe Missentür, die von der großen Lehmdiele nach draußen führte. Schornsteine gab es damals noch nicht. In den Bauernhäusern errichtete man sie erst im vorigen Jahrhundert.

Das Flet war nicht allein Wohnraum, sondern auch Aufbewahrungsort für die Räucherwaren. Besondere Wohnzimmer gab es in jener Zeit noch nicht. Man zimmerte sie erst Jahrhunderte später an die Südwestseite des Flets.

3. Der Name der Siedlung und des Bauern

Als das junge Paar in das neue Haus einzog, besaß es noch keinen Familiennamen. Man unterscheidet die Bewohner nur durch den Personen- oder Rufnamen. Man kam in der Lüneburger Heide noch mehrere Jahrhunderte später ohne Familienname aus. Wenn es zur Unterscheidung nötig war, pflegte man dem Rufnamen den Namen des Wohnortes hinzuzufügen. Doch der neue Wohnort hier hatte noch keinen Namen.

Als die Holzfäller den Wald schlugen, ließen sie in der Nähe des Hofes eine ecke Wald stehen. Man nannte ihn Hoaren oder Hoar´n (sprich: Hoarn). Hochdeutsch sagt man Horn. Der Hoarenkamp, der ursprünglich ein eingehegtes Fels am Hoaren, also am Waldrande war, und der Hoarnsbarch - das ist der Hügel 63,9, den das Meßtischblatt 103 Celle bringt - erinnern noch an die Waldecke, Hoarn genannt. Beide Fluren liegen im Südwesten des heutigen Vollhofes. Dem Bauern, der bei dem Hoarn wohnte, nannte man danach Hoarn. Seine Nachkommen waren die Hoarninge, ihr Hof der Hoarninges Hof.

1337 schrieb man to deme hornynges houe, 1378/79 van deme Hornynges houe und 1679/80 Horninges Hoff. Das Geldregister der Burgvogtei Celle von 1681/82 bezeichnet den Bauern des Hofes Heinrich Knopf der Horningshöfer, weil es zu derselben Zeit auch in Garßen auf dem späteren Hofe Nr. 1 einen Heinrich Knopf oder Knoph gab. Auf diese Weise entstand der Hofname Horningshöfer, später Hornshöver. Heute spricht man von dem Groten und Lütjen Hornshöwer. Der Name Horningshof für das Heutige Hornshof erscheint noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in amtlichen Büchern und Registern.

Soweit ich bisher feststellen konnte, kam Horen oder Horn in altniedersächsischer Zeit noch nicht als Personennamen vor, auch Horning nicht. Als Name für eine Person erscheint Horn erst im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 unter Scharnhorst. Nach einem Horn oder Horne ist offenbar jener Gerard de Horne benannt, der 1258 in einer Urkunde des Bischofs Wiedekind von Minden als Zeuge erwähnt wird. 1302 kommt im Wölper Lehnsregister ein Bernat van Horne und 1330 - 1352 im Lüneburger Lehnsregister ein hildebrand van horenberge vor, der u.a. mit 1 ½ huue Land to horenbege belehnt wurde. In all diesen Fällen ist horn, horne oder horen Flur- oder Ortsname.

4. Der Horniges Hof im Lüneburger Erbfolgekrieg

Als Herzog Wilhelm, der letzte Fürst aus dem alten Hause Lüneburg, am 23. November 1369 auf der Burg auf dem Kalkberge bei Lüneburg gestorben war, stritten sich die Herzöge von Sachsen-Wittenberg mit den Braunschweiger Herzögen um die Erbfolge im Lüneburger Land.

Viel Unheil und schaden richteten die Hilfstruppen des Herzogs Otto von Braunschweig, die auf dem Schloß Gifhorn saßen, in der Umgebung von Celle an. Altenhagen, Garßen und Groß Hehlen brannten ab. Nicht einmal das kleine Hornshof vergaßen sie. Das Schadensregister, das der Herzog von Sachsen und Lüneburg in der Zeit vom 24. Oktober bis zum 6. Dezember 1377 aufstellen ließ, berichtet darüber:
"To deme ersten male hebben de van Gheffhorne nomen binne vrede ... to deme hornynges houe der perde sees grote ryndere vnde vyff swyn de men achtete yppe XXXV mark penninge"

Der Raub von drei Pferden, sechs großen Rindern und fünf Schweinen im Werte von 35 Mark in Silberpfennigen stellte einen großen Verlust dar, den der Hof nicht leicht überwinden konnte. Doch war wohl noch Glück dabei gewesen, spricht doch das Schadensregister nicht vom Verlust von Heidschnucken, Kälbern und Milchkühen, die es doch sicher auf dem Hofe gab. Vermutlich hatte man diese rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

1378/79 - es war noch im Lüneburger Erbfolgekrieg, der bis 1388 dauerte - wird der Hof wieder erwähnt. Lampe van Hornynges houe zahlte damals, wie ein Einnahmeverzeichnis auf dem Schlosse Celle berichtet, 18 Schilling Hofzins an den Herzog. Ob Lampe der Rufname des Bauern war oder schon sein Familienname, ist nicht festzustellen. Doch wird hier Lampe nach dem Horningshofe bestimmt. Lampe, das heute nur als Familienname vorkommt, ist aus dem Rufnamen Lambert oder Lamprecht gekürzt worden. Rund 60 Jahre später wird im Schatzregister von 1438 unter Garßen ein Lampe genannt, der ½ Gulden Schatz an den Herzog zahlte. Es könnte auf dem Horningshofe gesessen haben, der zur Gemeinde Garßen gehörte. Da es in dieser Gemeinde nur einen Lampe gab, waren weitere Angaben nicht nötig. Der Horningshof ist im Schatzregister von 1438 an anderer Stelle nicht aufgeführt.

5. Das Viehschatzregister von 1589

Eine weitere Nachricht vom Horningshofe bringt das Viehschatzregister von 1589. Die Hornshöwer stehen auch hier unter Garßen:
Carsten Knop zum Horningshove 4 Fl. 19 Schilling 10 Pfennig
Heinrich Hemme " - 20 Schilling -
Hanss Braunss daselbst 1 Fl. 3 Schilling 6 Pfennig

Die hinter dem Namen vermerkten Geldbeträge geben den Viehschatz an, den der Herzog erhielt. Carsten Knop, der den höchsten Viehschatz bezahlte, saß auf dem Vollhof. Heinrich Hemme, der den geringsten Viehschatz entrichtete, war vermutlich Hirte. Hanss Braunss schließlich wird auf dem kleineren Hofe, der Kötnerstelle, gesessen haben. Wann diese entstanden ist, kann man nur vermuten.

Vor ungefähr 30 Jahren erzählte ein alter Mann, dessen Vorfahren vermutlich aus Hornshof stammten, der Herzog hätte einmal zu den Bauern in Hornshof gesagt: "Dien Hof is veel tau grot, giv dienen Brauder wat aff" Diese oder ähnliche Worte soll der Herzog auch zu dem Bauern in Vorwerk gesagt haben.

Wenn sich dieses in Wirklichkeit so zugetragen hatte, müßte das kurz vor der Teilung des Hofes in Vorwerk gewesen sein, also ungefähr um das Jahr 1457. Jeder diese beiden Halbhöfe zahlte jährlich 1 ½ Taler Hofzins. Auch der Vollhof in Hornshof zahlte, wie wir sehen werden, 1 ½ Taler Hofzins, die Kötnerstelle aber nur 16 Schilling. Der Herzog pflegte nämlich den Hofzins nur zu ändern und zu erhöhen, wenn sich der Bestand des Hofes geändert hatte. Da der Vollhof in Hornshof den gleichen Hofzins gab wie die Höfe in Vorwerk, darf man wohl vermuten, daß der Kothof in Hornshof ungefähr zu derselben Zeit entstanden ist wie die Halbhöfe in Vorwerk, also im 15. Jahrhundert.

Leider ist im Viehschatzregister von 1589 für die Höfe in der Burgvogtei die Anzahl der einzelnen Viehbestände nicht vermerkt, wie das in den Amtsvogteien geschehen ist. Doch läßt sich nach den Angaben über Viehbestände der Höfe im Nachbarort Ohe, der zur Amtsvogtei Beedenbostel gehörte und wo ungefähr die gleichen wirtschaftlichen Verhältnisse herrschten wie in Hornshof, wenigstens ungefähr feststellen, wieviel Vieh man hier hatte. Der Meiersche Vollhof in Ohe - heute ist er aufgeteilt - zahlte 1589 für 2 Pferde, 25 Rinder, 8 Schweine, 180 Schafe, 19 Bienenstöcke (Immen) fast ebensoviel Viehschatz wie der Vollhof in Hornshof. Hier mögen es drei Pferde gewesen sein, vielleicht etwas mehr Schafe und mehr Bienen als auf dem Meierschen Hofe waren. Der Kötnerhof in Ohe war aber größer als der in Hornshof, zahlte er doch rund 10 Schilling mehr als der in Hornshof.

Der Kothof in Hornshof brannte 1623 ab, also zu Beginn des Dreizigjährigen Krieges. Das geht aus einer Eintragung in der Kirchenrechnung zu Groß Hehlen hervor, nach der "Hans Brauns zum Horningshofe wegen seines erlittenen Schadens des Brandes" zwei Taler aus der Kirchenkasse zu Groß Hehlen erhielt.

6. Die Horningshöfe im Jahre 1664

Der Vollhof des Heinrich Knoph zum Horningshofe war, wie erwähnt, der größte im Kirchspiel Groß Hehlen. Da er mitten in der Heide lag, legten seine Besitzer viel Wert auf Heidschnuckenzucht und Imkerei.

Fünf Immenstellen gehörten nach dem Hausbuch der Burgvogtei Celle von 1664 zum Hofe. Zwei von ihnen lagen im Bruch, eine Immenstelle war auf dem Hofe, eine stand am Felde und eine am Holze. - Auch die Ackerwirtschaft war bedeutend. Auf dem Feldlande des Hofes konnte man 180 Himten Roggen aussäen. Doch 1664 betrug die Aussaat nur 72 Himten. Das übrige Land war mit Buchweizen und Rauhenhafer bebaut oder es lag brach. Auf den Wiesen, die zum Hof gehörten, erntete man 16 Fuder Heu. Auf dem Gartenlande konnte man drei Himten Leinsamen aussäen.

Auf dem Kothof in Ohe waren 1589 2 Pferde, 14 Rinder, 5 Schweine, 114 Schafe, 2 Immen (Bienenvölker) vorhanden. Für 1 Pferd gab man 2 Schilling, für ein Rind einen, für 1 Schwein 6 und für 1 Schaf und 1 Imme je 4 Schilling.

Der Kötner Hanss Braunss vom Nachbardorf hatte nur Land, auf das man 48 Himten Roggen aussähen konnte. 1664 hatte er nur 18 Himten ausgesät. Für das Land, das übrigblieb, galt das gleiche wie beim Vollhof. Auf seinen Wiesen erntete der Lütje Hornshöwer nur 4 Fuder Heu. Sein Gartenland reichte nur zur Aussaat von 1 Himten Lein.

Der Celler Herzog bekam von beiden Höfen den Hofzins, vom Vollhof 1 ½ Taler und von der Kötnerstelle 16 Schilling zu neun Pfennig. Von den beiden Höfen erhielt er auch den Zehnten. Jeder Bauer war verpflichtet, den Zehnten in die Zehntscheune des Herzogs zu fahren. Die üblichen Hand- und Spanndienste von den beiden Höfen mußten dagegen dem Burgvogt geleistet werden. Doch beide Bauern zahlten Geld dafür, der Vollhöfner jährlich 10 Taler und der Kötner 3. Auch mußten beide Höfe, wenn ein neuer Bauer oder ein neuer Grundherr kam, beweinkauft werden. Wie hoch das Weinkaufsgeld war, ließ sich leider noch nicht ermitteln.

Der Pastor und der Küster zu Groß Hehlen erhielten von den Hornshöwer wie von den anderen Bauern des Kirchspiels die Michaelisgefälle. Der Pastor erhielt einen Schinken, ein Brot, das sogenannte Kaspelbrot, das 12 Pfund wiegen mußte, ferner für jeden, der am Heiligen Abendmahl teilnahm, also konfirmiert war, einen Groschen (8 Pf) Opfergeld und einen Himten Roggen. Der Küster dagegen bekam nur ein Schulterstück, ein Brot und einen Himten Roggen. Kirchliche Abgaben vom Lütjen Hornshöwer Verzeichnet das Hausbuch von 1664 nicht. Vielleicht brauchte dieser damals noch keine entrichten.

Der Pastor von Groß Hehlen war verpflichtet, 12 mal im Jahre nachmittags in der Kapelle zu Garßen Gottesdienst abzuhalten. Dafür erhielt er jährlich von der Gemeinde Garßen, genauer von den Bauern daselbst, einen Scheffel Roggen und einen Scheffel "Rauhen Habern". Auch die beiden Hornshöwer mußten ihren Teil dazu beitragen.

7. Die Hornshöwer nach dem Siebenjährigen Krieg

Der Siebenjährige Krieg, der 1776 begonnen hatte, ging am 15.2.1763 mit dem Frieden zu Hubertusburg zu Ende. Die Schäden aber, die durch den Krieg entstanden waren, spürte das Land noch lange Zeit danach.

Von dem Schaden, den die Franzosen nach dem Rückzug des kleinen Heeres des Herzogs Ferdinand von Braunschweig den Bauern in den Orten nördlich der Aller zugefügt hatten, ist nur wenig bekannt geworden. Es ist nur bekannt, daß die Bauern viel Vieh verloren hatten.

Das gilt auch für Hornshof. Vergleichen wir den Viehbestand der beiden Höfe von 1770 mit dem von 1786, so ergeben sich erhebliche Unterschiede. Nach der Tabellarischen Beschreibung der Burgvogtei Celle von 1770 befanden sich auf den beiden Höfen zusammen 34 Kopf Rindvieh, während dort nach dem Contributionsregister von 1786 schon 51 waren, also 17 Kopf mehr. Bei den Schafen ist der Unterschied noch viel größer. 1770 hielt man auf den Höfen 315 Heidschnucken, 1786 aber 685. Ihre Zahl hatte sich also mehr als verdoppelt. Die Zahl der Bienenvölker schließlich war von 18 auf 28 gestiegen.

Das Contributionsregister von 1786 bringt auch eine wirtschaftliche Beschreibung von Hornshof. Darin heißt es: "Der Grund und Boden ist sandig oder Moorgrund und der Ertrag mittelmäßig. Feld und Flur liegen ostwärts der Höfe und sind in 8 Felder geteilt. Davon liegen 66 Morgen brach. Sie werden alle 4 Jahre gedüngt. Bestellt werden sie mit Ochsen.
Das Getreide, das aus Roggen, Buchweizen und Rauhhafer besteht, trägt das 3 ½ fache der Einsaat. Jährlich werden 38 Malter Getreide ausgesät. Geerntet werden 134. Man gewinnt also 96 Malter, die alle verbraucht werden. Den Zehnten erhält die Herrschaft. Man erntet jährlich 22 ½ Fuder Heu, die verfüttert werden. Die Wiesen beider Höfe werden bis Maitag mit Vieh betrieben und nur einmal gemäht. Jährlich werden 5 Kälber, 50 Lämmer, 20 Ferkel aufgezogen. Abgesetzt werden jährlich drei Kopf Hornvieh, fünf Kälber, 10 Schweine. Den Fleischzehnten bekommt die Herrschaft. Die Hude und Weide ist die gleiche wie in Garßen. Bülte oder Plaggen - das sind Torfschollen - hauen die Hornshöwer im Störzmoor."

Diese Störzmoor, plattdeutsch Stölpenmauer, nennt man amtlich fälschlich Staatsmoor.

Als Abgabe der beiden Höfe gibt das Register 142 Taler an. Hinzu kommen noch für die Reiter, die im Sommer dort einquartiert wurden, 135 Speisetage, 135 Heubunde, 675 Pfund Häcksel und fünf Himten Korngefälle.

8. Die Gründung der Anbauerstelle

Carl Heinrich Lege aus Bierbergen, der nach Rebberlah verschlagen war, hatte nach dem Trauregister zu Groß Hehlen Anna Ilse Knoop von Horningshof, wie man Hornshof damals noch zuweilen nannte, geheiratet und wollte sich in Hornshof anbauen. Seine Frau war eine Tochter des Groten Hornshöwer.

Am 20. März 1820 erhielt Lege von der Königl. Regierung in Hannover die Genehmigung, am Tannenmoore bei Hornshof ein Haus zu bauen. Die jungen Eheleute erhielten hier einen Hausplatz von einem Morgen und außerdem zwei Morgen Ödland zu Ackerland bei dem sogenannten neuen Lande südlich der Büsloh.

Auf Antrag der Eingesessenen wurde Lege die Befolgung folgender Bedingungen zur Pflicht gemacht:

  1. sollte er den ihm zum Bau eines Hauses und Anlegen eines Gartens angewiesenen Platz gehörig einfrieden,
  2. sollte ihm gestattet werden, zwei Kühe auf die Gemeindeweide zu treiben. Wegen des Weidegeldes sollte er sich mit den Eingesessenen abfinden.


Lege verpflichtete sich, jährlich folgende gutsherrliche Gefälle zu entrichten:

  1. zwei Gutegroschen 4 Pfennig Conv. Münze Haus- und Hofzins
  2. sechs Gutegroschen 8 Pfennig Conv. Münze Getreidezins
  3. ein Rauchhuhn in natura zu geben oder dafür zwei Gutegroschen 3 Pf Conv. Münze
  4. zwei Taler fünf Gutegroschen 4 Pf Conv. Münze Dienstgeld
  5. Ein Taler Weinkaufsgeld und einen Taler Thedingsgeld bei Veränderung des Gutsherrn oder des Hauswirtes


Für diese ausgewiesenen Ländereien hatte Lege einen Rottzins von 2 Gutegroschen 3 Pfennig Conv. Münze sowie ein Zehntgeld von sechs Gutegroschen 8 Pf Conv. Münze für den Morgen, mithin 13 Gutegroschen 4 Pfennig Conv. Münze für die ausgewiesenen zwei Morgen zu entrichten.

Auf Antrag erhielt Lege sechs Freijahre.

9. Der Krug "Zum grünen Walde"

Nach den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 folgte eine lange Friedenszeit. Der Güterverkehr auf den alten Straßen nahm von Jahr zu Jahr zu.

Um ihn zu erleichtern, entschloß sich die Hannoversche Regierung, zwischen Hannover und Hamburg eine befestigte Straße zu bauen. Sie wurde um 1830fertig. Es ist die heutige Bundesstraße 191.

Sie erhielt damals nur eine 3 Meter breite Kiesbahn. An ihrer Ostseite führte ein unbefestigter Feldweg entlang, den man Sommerweg zu nennen pflegte. Daneben zog sich zwischen zwei Birkenreihen ein Fußweg entlang.

Diese Chaussee, wie man die neue Straße nannte, führte im Westen am Dorfe Garßen vorüber, während die Garßener Krüge, der Alte Krughof und Gellermanns Krug, im Osten des Dorfes am alten Dietweg lagen. Sie waren viel zu weit von der neuen Straße entfernt, um auf die Kärrner als Übernachtungsgäste rechen zu können: Gellermanns Krug 150 m und der Alte Krughof über 500 m.

Der Vollhöfner und Krugwirt Carsten Heinrich Gellermann wußte sich zu helfen. Er ließ das Holzgerüst seines erst 1812 neu gebauten Krughauses auf "Rollen" setzen und es westwärts an die Chaussee rollen. Ein tüchtiger Zimmermann besorgte es.

Der Wirt vom Alten Krughof - es war Jürgen Heinrich Leifer - war dazu nach der Lage und dem Alter seines Krughauses nicht imstande. Die Kärrner kehrten jetzt bei ihm nicht mehr ein. Sein Krug ging nach und nach ein.

Gellermanns Krug allein aber war dem steigenden Verkehr auf der Landstraße nicht gewachsen. Die Karren der Kärrner, die hier übernachten wollten, bildeten oft eine kilometerlange Reihe auf der Landstraße. Carsten Heinrich Gellermann sah sich daher gezwungen, bei seinem Außenschafstalle am Karrenweg vor Hornshof einen neuen Krug zu bauen. Zimmermeister Chr. H. Weber in Eschede erhielt den Bauauftrag dazu. Das bezeugte die Inschrift über der ersten großen Seitentür des Krughauses:
"Carsten Heinrich Gellermann Anna Cath. Hemme
Im grünen Wald Anno 1833 Chr. H. Weber"

Papens Karte, die um 1840 entstanden ist, nennt den Krug "Zum grünen Wald". Ob das Kiefernwäldchen, das sich in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts dem gegenüber im Osten der Landstraße ausbreitete, bei dieser Namensgebung Pate gestanden hatte, weiß niemand mehr. Doch außer diesem Wäldchen gab es hier keinen Wald. Dafür sorgten schon die Heidschnucken, die in den nahen Garßener Außenschafställen übernachteten.

Den neuen Krug übernahm Carsten Hinrich Gellermanns zweiter Sohn Friedrich. Er erhielt außer einer Heidefläche eine vier Morgen große Wiese an der Fuhse in der Nähe der Herrenwiese. Für den Anfang war das eine gute Grundlage, zumal der Verkehr auf der Landstraße noch zunahm.

Die Fuhsewiese aber brachte Friedrich Gellermann Unglück. Als er am 12. Juni 1839 - also in der Heuernte - nach des Tages Last und Hitze in der Fuhse badete, ertrank er.

Seine Witwe heiratete jetzt einen Hasselmann aus Rebberlah, der den Krug weiterführte. Friedrich Gellermanns Sohn bekam der Krug nicht, er wurde Pastor.

Als auch die neue Chaussee den Verkehr nicht mehr bewältigen konnte, erschien als Retter in der Not die Eisenbahn. 1845 wurde die Bahn Celle - Lüneburg eröffnet.

Der Verkehr auf der Landstraße nahm jetzt nach und nach ab. So sehr sich die Kärrner auch dagegen wehrten, sie erhielten schließlich keine Aufträge mehr. Die Eisenbahn riß nach und nach den ganzen Güterverkehr an sich. Die Landstraße wurde leer. Nur die Ackerwagen der Bauern fuhren hier noch.

Für die Krüge kamen jetzt magere Zeiten. Gellermanns in Garßen konnten den Einnahmeverlust aus der Krugwirtschaft verschmerzen. Sie hatten ihren Vollhof im Rücken. Aber dem Krug "Zum grünen Walde" ging es schlecht. Seine Bewohner mußten Heide umpflügen und Landwirtschaft betreiben.

In der alten Häuserliste der Gemeinde Garßen mit Hornshof usw. heißt es: Grünewald Nr. 4. Anbauer Conrad Hasselmann - August Backhaus und W. Buchholz. Die Gebäudesteuerrolle des Gemeindebezirks Nr. 4 Hornshof Grünewald: Hasselmann, Conrad, Anbauer und Gastwirt: Hofraum und Garten 21,31 a, Wohnhaus, 26,7 ha benutzbare Grundfläche Nutzungswert und 5,40 M. Steuern zu 4 %.

Eigentümer und Pächter wechselten oft. Nach dem zweiten Weltkrieg kaufte Schridde aus Garßen den Krug und ließ ihn instand setzen. Der Autoverkehr auf der Landstraße stieg wieder und der Gästeverkehr im Krug "Zum grünen Wald" nahm zu.

ufte Schridde aus Garßen den Krug und ließ ihn instand setzen. Der Autoverkehr auf der Landstraße stieg wieder und der Gästeverkehr im Krug "Zum grünen Wald" nahm zu.