Die Wirtschaft

1. Die älteste Zeit

Der älteste Zweig der Landwirtschaft war ohne Zweifel die Viehwirtschaft. Das kam daher, weil der Mensch von jeher Fleischnahrung zu sich nahm. Als das Wild seltener und die Jagd mühsamer wurden, ging der Mensch dazu über, geeignete Tiere in Herden zusammenzuschießen und unter seiner Obhut zu weiden. So konnte er die Tiere, die er zu seiner Nahrung nötig hatte, leichter auswählen. Auch hatte er es in der Hand, sie erst dann zu schlachte, wenn er sie brauchte. Auf diese Weise ließ sich viel besser für die Zukunft sorgen als bisher. Wenn es ihm beliebte, konnte er auch noch auf Jagd gehen. Da das Weidevieh sich von selbst vermehrte, brauchte er nur gute Weiden aufzusuchen. So zog er mit seiner Herde von Weide zu Weide, von Ort zu Ort. Feste Wohnsitze besaß er noch nicht.

Doch schon zu dieser Zeit lebte der Mensch nicht mehr vom Fleisch allein, sondern er sammelte als Zubrot Beeren und Nüsse und was sonst an Früchten in der Natur wild wuchs. Mit der Zeit lernte er auch Getreidearten kennen und für sich zu verwerten. Es gelang ihm auch, Getreide selbst anzubauen. Dies war freilich nur möglich, wenn er länger als einen Sommer in derselben Gegend blieb. Er war daher gezwungen, sich seßhaft zu machen.

Allmählich wurde aus dem Jäger der Ackerbauer und Viehzüchter. Hatte er bisher in Zelten gelebt, so baute er sich nun ein festes Haus, das ihn auch besser gegen Wind und Wetter schützte, besonders im Winter.


2. Das Vieh

Das Vieh, das der Bauer ständig brauchte, nahm er zu sich in sein Haus. Seine ersten Haustiere mögen Hund und Ziege gewesen sein. Der Hund diente ihm als Wächter und Hüter seiner Herde. Die Ziege spendete ihm Milch. Erst später, als es ihm gelungen war, das Haus mit Kübbungen zu erweitern, nahm er auch das Rind unter sein Dach.

Die älteste Urkunde, die uns vom Vieh unseres Heimatdorfes berichtet, ist das schon erwähnte Schadenregister von 1377, das uns von den Schäden berichtet, welche Herzog Otto von Braunschweig mit seinen Leuten und Helfern in unserer Heimat angerichtet hat. Viel Vieh raubten sie: Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen. Doch Ziegen wurden damals aus Garßen nicht weggetrieben, wohl aber aus den Nachbardörfern Eschede und Scharnhorst. Den einzelnen Bauern bis zu 15 Stück. Deshalb ist anzunehmen, daß 1377 auch in Garßen Ziegen gehalten wurden.

Wie ich schon ausführte, wurden nach dem ersten Schadenregister 80 Kühe aus Garßen fortgetrieben, nach dem zweiten sogar 120. Bei 10 Höfen macht das 8 oder 12 Kühe für den Hof. Außerdem wird eine entsprechende Anzahl Jungtiere vorhanden gewesen sein. Ferner wurden 140 Schafe im Dorfe vorhanden gewesen sein. Auch ein Pferd verlor Lüdeken Hof. Wir können daher annehmen, daß damals auf jedem Hofe ein Pferd oder mehrere Pferde gewesen sind, wurden doch von dem damaligen Einzelhofe Hornshof drei Pferde geraubt.

In den nächsten 200 Jahren ist in den Urkunden - soviel ist weiß - nicht vom lieben Vieh die Rede, desto mehr aber von Viehweiden. Erst das Viehschatzregister von 1589 bringt wieder nähere Angaben. Leider ist für Garßen nur der Viehschatz angegeben und nicht die Stückzahl des Viehes im einzelnen. Aber für den Nachbarort Ohe ist die Zahl der einzelnen Vieharten vermerkt. Da in Garßen dreimal soviel Viehschatz aufkam als in Ohe, muß Garßen auch dreimal soviel Vieh gehabt haben als Ohe. Da in beiden Orten ungefähr die gleichen wirtschaftlichen Verhältnisse bestanden, wird Garßen 1589 18 Pferde, 200 Rinde, rund 1300 Schafe, 63 Schweine und 81 Bienenkörbe besessen haben. Kleine Unterschiede bei den einzelnen Vieharten müssen bei dieser Berechnung in Kauf genommen werden.

Sehr genaue Angaben über den Viehbestand enthält die tabellarische Beschreibung der Burgvogtei Celle von 1770. Hiernach waren damals in Garßen 29 Pferde, 163 Rinder, 461 Schafe, 107 Schweine und 77 Immen (Bienenkörbe) vorhanden. Mit Ausnahme der Pferde wurde also 1770 in Garßen weniger Vieh gehalten als 1589. Dieser Rückgang wird auf den Siebenjährigen Krieg (von 1756 - 1763) zurückzuführen sein. Die Zahl der Pferde war wahrscheinlich gestiegen, weil die Bauern infolge des regen Frachtverkehrs mehr Pferde für Lohnfuhren brauchten als früher. Diese Lohnfuhren waren eine gute Einnahmequelle für die Bauern.

Wie die tabellarische Beschreibung berichtet, züchtete man in Garßen, wie auch in Altenhagen, Bostel und Lachtehausen, halbrheinische Schafe, während man in Hornshof Heidschnucken hielt. Das war wahrscheinlich nur ein Versuch; denn 1817 hatte man in Garßen wieder Heidschnucken. Das Hornvieh, das die Garßener Bauern hielten, wird als "klein Vieh" bezeichnet. Es war eine Rindviehrasse, die erheblich kleiner war als die heutige. Auch über die Aufzucht des Viehes enthält die Tabelle Angaben. Es wurden 1770 20 Kälber, 50 Lämmer und 70 Ferkel, aber keine Pferde, aufgezogen. Pferdezucht betrieben also die Garßener Bauern nicht. Verkauf wurden 8 Stück Hornvieh, 30 Kälber und 30 Schweine, Schafe dagegen nicht. Die Schafzucht war vermutlich im Siebenjährigen Krieg vernichtet worden, so daß man alle Jungtiere aufziehen mußte. Abgängige Schafe wird man für den eigenen Haushalt geschlachtet haben.

Die nächste Viehstatistik, die ich kenne, enthält das Contributionsregister von 1786. Der Viehbestand hatte sich inzwischen ganz bedeutend vermehrt. Es wurden 41 Pferde, 247 Rinder, 783 Schafe, 136 Schweine und 7 Bienenstöcke gezählt. Die Bienenzucht war also ganz erheblich zurückgegangen.

Diesem Aufstieg in der Viehwirtschaft folgte in der Franzosenzeit und den darauffolgenden Befreiungskriegen wieder ein Niedergang. Das zeigen noch die Angaben über den Pferde- und Rinderbestand, die in dem Contributionsregister von 1820 enthalten sind, aber aus dem Jahre 1817 stammen. Angegeben sind 158 Kopf Rindvieh - davon 115 Kühe und 43 Rinder -, 14 Pferde und 1170 Schafe. Wie schon erwähnt, züchtete man statt der halbrheinischen Schafe wieder Heidschnucken. Ihre Zahl kommt der errechneten von 1589 ziemlich nahe. Im Vergleich zu den halbrheinischen Schafen hatte sich ihr Bestand ganz erheblich vermehrt. Der Grund wird sein, daß Heidschnucken mit Heidenahrung zufrieden sind, rheinische Schafe aber nicht.
Auch in den nächsten fünf Jahrzehnten nahm die Heidschnuckenzucht noch erheblich zu. Sie nahm erst ab, als Deutschland billige australische Wolle einführte.
Mit den Heidschnucken verschwanden auch die Bienen von den Höfen. So schafften Gellermanns in Garßen 1893 sowohl ihre Heidschnucken als auch ihre Bienen ab.
Erst seit ungefähr zwei Jahrzehnten gibt es wieder eine Schafherde in Garßen. Ihr Besitzer ist der Bauer Buchholz auf Leis Hofe (c) - Es ist freilich heute nicht so leicht, große Schafherden auf Bauernhöfen zu halten; denn die Heide ist größtenteils aufgeforstet worden und die alten Außenschafställe der Garßener Bauern, die bei Hornshof und in den Huten standen, sind nicht mehr.

Der Viehbestand schwankte also in den letzten 500 Jahren sehr. Nicht der Bauer war schuld daran, sondern nur die Einwirkungen und Einflüsse, die von außen kamen.


3. Die Ackerwirtschaft

Solange Garßen besteht, werden seine Bewohner auch den Boden bebaut haben. Mit den Werkzeugen, die ihnen dabei zur Verfügung standen - ich denke da an den Hakenpflug aus Eichenholz, den man in Ostfriesland gefunden hat -, konnte der Acker nur mangelhaft aufgelockert werden. Die Erträge können deshalb auch nur gering gewesen sein. Auch verstanden die Bauern noch nicht, den Boden zu düngen. Damit dieser einigermaßen ertragfähig blieb, bebauten sie nur eine Hälfte, während sie die andere brach liegenließen. Dieses Verfahren nannte man Zweifelderwirtschaft. Eine bessere Ausnutzung des Bodens brachte später die Dreifelderwirtschaft. Dabei besäte man ein Drittel des Ackers mit Winterkorn, ein Drittel mit Sommerkorn und ein Drittel lag brach.
Erst allmählich lernte die Bauern ihre Felder zu düngen. - Aber schon als Hans Uhle zu Garßen seine Braut Margrete Horenbostel heiraten wollte versprach er im Ehevertrage vom 31. Oktober 1654 seiner Mutter, die den Hof (g) "in der geferlichen Krieges Zeit zum besten im guten Stande erhalten" hatte, auf gutem Lande, das er   d ü n g e n  und pflügen mußte, ein "Viehfass" Leinsamen zu säen. Aber trotzdem, daß der Acker hin und wieder gedüngt wurde, bließ der Ernteertrag noch gering. - 1770 erntete man in Garßen nur das Dreifache des ausgesäten Kornes. Erst die Anwendung des Kunstdüngers im 19. Jahrhundert brachte bessere Erträge.
In der ältesten Zeit hatten alle Bauern die gleichen Anrechte am Acker. Deshalb bewirtschafteten sie ihn gemeinsam und verteilten nur die Ernte unter sich. Späte teilten sie den Acker nach der Zahl der Höfe in gleiche Teile und verlosten diese unter die berechtigten Bauern. Dann aber wechselten sie ihr Feld nicht mehr. Das soll in der fränkischen Zeit geschehen sein, also um 800.

Der fleißige und tüchtige Bauer, der sein Land pflegte, erntete nun gut und viel, der andere natürlich weniger. Wer viel erntete, wurde wohlhabend und konnte gelegentlich von seinem Nachbarn, der vielleicht weniger erntete, Land erwerben. So mag der Unterschied in der Größe der Höfe entstanden sein.

Wieviel Ackerland zu den einzelnen Höfen gehörte, berichtet zuerst das erwähnte Hausbuch der Burgvogtei Celle von 1664. Die Größe der Äcker wird darin nach der Zahl der Himten Korn bestimmt, die höchstens ausgesät werden konnten. Die größten Höfe in Garßen konnten 120 Himten Roggen aussäen.
Das waren Gellermanns Hof (a), Leis Hof (c) und Drögemüllers Hof (e). Dann folgten Brauls Hof (b) mit 114 Himten, Ohms Hof (h), Westphals Hof (g), Drallen Hof (d) und Hornbos Hof (n) mit je 108 und Beckmanns Hof (f) mit 100 Himten. Für Sohnemanns Halbhof (i) und Uhlen Halbhof (l) sind je 54 Himten und für den Alten Krughof (k) 80 angegeben. Schließlich konnten Uetzmanns Hof (m) 84, Heinen Hof (o) 32 und Valentins Hof (p) 8 Himten Roggen aussäen. Die Brinksitzerstelle Bahrs Hof (q) und Heuers Hof (r) besaßen damals noch kein eigenes Land, sie mußten es pachten. Im ganzen war 1664 so viel Ackerland vorhanden, daß man 1318 Himten Roggen aussäen konnte. Besät war jedoch nur Land für 602 Himten. Das war nicht einmal die Hälfte. Die andere Hälfte des Landes lag brach oder trug Sommerkorn, meist Buchweizen, aber auch Hafer und Gerste.

Die Größe des Ackers bezeichnete man in der Zeit, die nun folgte nicht immer mit demselben Maß. In den Jahren 1770, 1826 und 1840 gab man die Größe des Ackers in Morgen an, während man sie nach 1664, 1786 und 1820 nach der Zahl der Himten Roggen bezeichnete, welche man auf dem betreffenden Lande aussäen konnte. Dabei fällt auf, daß die Morgenzahl von 1770 anscheinend nur halb so groß ist wie die von 1826 und 1840. Auch stimmt die Himtenzahl von 1786 genau mit der Morgenzahl von 1826 und 1840 überein. Man nannte also das Land, auf dem man einen Himten Roggen aussäen konnte, einen Morgen Land. Die Größenangaben von 1664 und von 1820, die in Himten ausgedrückt sind, weichen davon ab.
Der Zuwachs an Land könnte allerdings durch Urbarmachen von Ödland erklärt werden. Doch läßt sich das in diesem Maße nicht nachweisen. Viel wahrscheinlicher ist, daß der Himten von 1664 viel größer war als der von 1820 bzw. 1817.

Dieses Land, das 1664 für 1318 Himten Einsaat reichte, war zehntpflichtig Die Bauern besaßen jedoch auch Land, das zehnt-Höfe besaß bis zu drei Morgen in diesen Gärten. Neben den Gartenfrüchten baute man Lein und Gerste darin.
Obstbäume gab es nur wenig im Garten. 1770 waren nur 81 Stück im Dorf vorhanden.

Die Ländereien eines Hofes setzten sich aus zahlreichen Stücken und Streifen zusammen, die räumlich meist weit voneinander entfernt lagen. Das beschwerte die Wirtschaft natürlich sehr. Größere Äcker gab es nur in den zuletzt urbar gemachten Gewannen, auf dem Gasseln Loh, in den Hutten und einigen anderen Fluren. Erst die Verkoppelung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schaffte hier Wandel. Hier ist noch zu erwähnen, daß man den Acker mit Ochsen bestellte. Mit den Pferden pflegte man Lohnfahrten auszuführen. Auch für die Dienste, soweit sie nicht durch Geld abgegolten wurden, benötigte man Pferde.


Flurnamen im Gemeindegebiet

Arloh
wird in der Schnedeurkunde von 990 Exila erwähnt.
Im Jahre 1664 wuchsen dort noch so viele Eichen und Buchen, daß die Hustedter Bauern ihre Schweine zur Mast hineintreiben konnten - jetzt nur Kiefern.
Arloh = Wald, wo der Adler vorkam.
Windloh
ebenfalls schon 990 genannt. Kiefernwald, - liegt in der Staatsforst. Dort gibt es auch einen Windlohsberg und Windlohsweg.
Schrodensloh
im Osten des Windlohs in der Staatsfort - Kiefernbestand
Volkensloh
östlich von Schrodensloh. - Celle, Altenhagen, Lachtehausen, Bostel, Garßen u. Hornshof durften zur Mastzeit die Schweine in diesen Wald treiben; also Eichen- und Buchenwald -.
Büsloh
südöstlich vom Arloh - Büslohsweg
Dockloh
Birken- und Kiefernwald
1764 - 86 auf der Karte "Docken-Mohr"
Loh oder Gasselnloh
Garßener Wald - vor 150 Jahren Feld
Lohkamp
südlich von Garßen am Bosteler Kirchweg
Lohkamp = Feld im Walde
Quelloh
deutet auf Quelle im Walde
Missohle
auch Missloh - nordöstlich von Garßen -
Hundehop
1826/27 Hundehopsfeld - im Osten des Ortes -
Rodehorst
zwischen Bussloh und Schrodensloh
Tannhorst
kleines Tannengehölz; das Gebäude wurde als Tannhorst = Forsthaus bezeichnet
Nach dem Hausbuch der Burgvogtei Celle gehörte das Dannhorst nebst den kleinen Fischteichen dem Fürsten.
Tannen wuchsen auch nördlich von Hornshof im "Dannenmoor". Aus dem Moor ist Ackerland und Weide geworden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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