Garßen, das alte Gersnethe

1. Up'n Grauenbarge

Zwischen Vorwerk und Garßen, "up'n Grauenbarge", breitet sich ein vorgeschichtlicher Begräbnisplatz aus, der einen Raum von 40 bis 50 Morgen einnimmt. Vor 50 Jahren ragte hier noch eine stattliche Anzahl alter Hünengräber aus der braunen Heide hervor. Heute hat der Pflug die meisten eingeebnet oder zerstört. Einige, die noch deutlich aus dem Acker hervortraten, wurden im Herbst 1940 unter der Leitung des Vorgeschichtlers und Heimatforschers Dr. Piesker ausgegraben. Reiche Funde aus der Bronzezeit wurden gemacht. Aber auch auf Urnen aus der Eisenzeit stieß man.

Mancher, der damals den Ausgrabungen zuschaute, fragte wohl:"Wer waren die Toten, die man hier zu Grabe trug, und woher stammten sie?" Wandernde Jäger und Hirten können es nicht gewesen sein. Das sagt uns die Weite des Gräberfeldes. Es waren also seßhafte Bauern, die hier in der Nähe wohnten. Das sich ringsherum keinerlei Spuren oder Kunde von untergegangenen Siedlungen erhalten haben, ist anzunehmen, daß es Garßener waren, die man hier zur letzten Ruhe bettete. Ist doch Garßen das älteste Dorf weit und breit und vor allem älter als Altenhagen, Bostel, Lachtehausen und Vorwerk.


2. Gersnethe

"Gersnethe" schrieb es der Schreiber des Herzogs Otto das Kind in der Urkunde von 1248, in welcher der Herzog die Güter des Klosters Wienhausen bestätigte, für Garßen. Es ist die älteste uns bekannte Schreibweise dieses Namens. Im ältesten Geld-, Zehnt- und Fruchtregister des Klosters Wienhausen um 1300 steht dafür "Ghersnehde" und im Wölper Lehnregister aus der gleichen Zeit "gersnede". In den Registern des 14. Jahrhunderts heißt es "ghersene", "ghersne", "gherssen" und "gerssen". Dagegen wird das Dorf im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 zum ersten Male "Garsen" genannt. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Schreibweise noch zwischen "Gersen" und "Garsen". Aber allmählich ist - wie so oft - aus dem e ein a geworden. Heute sagen wir Garßen und sagen plattdeutsch Gasten.

"Ger" bedeutet Speer und "snethe" ist unser plattdeutsches Wort Snede oder Snee (vgl. Sneestein gleich Grenzstein), das hochdeutsch Schnede oder Grenze heißt. "Ger" kommt aber in alter Zeit auch als Personenname vor. Es handelt sich vermutlich um eine Abkürzung von Gerhard. Eine Verkleinerungsform ist Gereke. Diese Namensform war noch im 14. Jahrhundert in der Umgegend von Garßen als Vorname sehr gebräuchlich. So werden z. B. in den Schatzregistern der Burgvogtei Celle im Jahre 1378 "Ghereke knop van deme borstele" (=Bostel) und 1382 "ghereke houenan van deme borstele" erwähnt. Mithin könnte "Gersnethe" als Grenze eines Ger, Gerd oder Gerhard gedeutet werden. Garßen müßte daher ein Grenzort gewesen sein.


3. Das Grenzdorf

Grenzen gab es in alter Zeit in unserer Heimat zwischen Gauen und zwischen Völkerschaften oder Provinzen. Schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet, daß Deutschland in Gaue eingeteilt wurde. Eine Anzahl Gaue bildete eine Völkerschaft.

Nun stießen in der Nähe von Tannhorst, südwestlich Garßen, drei Gaue zusammen, Loingau, Gretingau und FLottwedel, das wir plattdeutsch Flaudewell nennen. Der Loingau lag in Engern,und Gretingau und Flottwedel gehörten zu Ostfalen. Die Grenzen zwischen Gretingau und Flottwedel einerseits und dem Loingau andererseits schieden auch Ostfalen und Engern.

Garßen lag, wie aus dem ältesten Geld-, Zehnt- und Fruchtregister des Klosters Wienhausen hervorgeht, im Gretingau und der Nachbarort Bostel nach dem Einnahmeregister auf dem Schlosse Celle vom Jahre 1378/79 in "Vlutwede", dem heutigen Flottwedel. Beide Dörfer gehörten also zu Ostfalen.

Die Schnede zwischen Ostfalen und Engern zog sich ungefähr einen Kilometer westlich Garßen vom Vorwerker Bache hin. Das geht aus einer alten Urkunde aus der Zeit um 990 hervor. Wenn auch der Name Garßen oder Gersnethe darin nicht genannt wird, so stehen doch Ortsbezeichnungen darin, die noch heute - nach fast 1000 Jahren - als unsere alten Flurnamen Falensot, Beckspringe, Arloh und Windloh wiederzuerkennen sind. Der alteingesessene Bauer kennt sie noch. Die Grenze zwischen Gretingau und Flottwedel führte im Süden am Dorfe vorüber. Die alte Feldmarkgrenze zwischen Bostel und Garßen, wie sie vor der Verkoppelung war, muß auch die Gaugrenze gewesen sein. Sie führte vermutlich durch Weddausried und Südal zur alten Wittinger Straße.

Das alte Gersnethe war also der Grenzort, den der Name andeutet.


4. Die Quelle

Jeder Siedler braucht für Mensch und Vieh gutes Trinkwasser. Das galt in alter Zeit und gilt noch heute. Ehe der Mensch gelernt hatte, Brunnen und Wasserleitungen zu bauen, war er gezwungen, an Quellen, Bächen und Flüssen zu siedeln. An diesen liegen daher auch die ältesten Siedlungen, einerlei ob Städte, Dörfer oder Einzelhöfe. Auch Garßen ist an einer natürlichen Wasserstelle erbaut worden.

Als ich mir Garßen zum ersten Male näher ansah, suchte ich zunächst vergebens nach einer Quelle. Da zeigte der alte Hornbos-Bauer eine Stelle in der Weide hinter seinem Hofe, die sich durch ihren besonderen Graswuchs von der Umgebung abzeichnete. "Hier", sagte er, "war ein großes Wasserloch,das auch in trockenen Sommern nie versiegte. Wir haben 200 Fuder Sand herbeifahren müssen, um es auszufüllen." Dieses Wasserloch wird eine Quelle gewesen sein. Quellen entspringen bekanntlich am Fuße eines Berges oder Hügels, und hier ist gewissermaßen der Fuß des "Osterbarges", der höchsten Erhebung weit und breit. Der Geländeunterschied zwischen dem Wasserloch und der Hügelkuppe beträgt ungefähr 20 m. Das alles spricht dafür, daß hier die Quelle war, aus der die ersten Siedler ihr Trinkwasser schöpften.


5. Der Bach

Hier entsprang der Bach, der sich in südwestlicher Richtung durch die Niederung schlängelte, die wir heute Weddau (-Waldau) oder Weddausried nennen. Der Bach mündete bei Vorwerk in den Vorwerker Bach. Sein Oberlauf und sein Mittellauf sind heute vermoort. Die Richtung des alten Baches deutet nur ein schmaler Graben an. Auch der unterlauf besteht heute nur aus einem Graben. Obwohl dieser ungefähr 1 1/2 m breit ist und zu jeder Jahreszeit Wasser führt, hält man ihn gewöhnlich nicht für einen Bach. Sein Name scheint sich in dem Namen des Bachtales Weddausried erhalten zu haben. Auf "ried" endigen auch die Bäche Sotrieth und im nahen Schweinebruch die Fleitenried.


6. Die Weide

An den Ufern des Baches breitete sich der Dorfanger oder die Dorfweide aus. Freilich, eine Weide im heutigen Sinne dürfen wir uns darunter nicht vorstellen. Die Grasfläche wird vielmehr mit Gestrüpp und Buschwerk durchsetzt gewesen sein. Doch fand hier das Vieh der ersten Siedler Futter und Wasser. Als sich später mit den Bewohnern auch der Viehbestand mehrte, suchten sich die Garßener Bauern im nahen Schweinebruche, in den Hutten und im Stölpenmoore (Karte von der Feldmark Garßen 1896/97) neue Weiden.


7. Das Feld

Die ersten Bewohner in Garßen betrieben Ackerbau. Das darf man wohl als sicher annehmen. Der Acker breitete sich im Westen, Norden und Osten des Dorfes aus. Das erste Feld lag vermutlich in Nordosten. Hier besaßen vor der Verkoppelung nur die Höfner und die beiden Kötner (m und n) Land, nicht aber die Brinkbesitzer. Die späteren Siedler und die Baueren, die nicht Land genug hatten, mußten sich am Rande der Feldflur Heide urbar machen oder sie mußten Wald roden. So entstanden die Äcker im Gasselnloh, im Schnabelskamp und in den Hutten. Aber auch im Westen und Südosten entstanden auf minderwertigem Boden dicht beim Dorfe neue Felder. Im Gassselnloh besaß der jüngste Kötner, der im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 als Nygeman bezeichnet wird, Land in großen Blöcken.


8. Wald und Bruch und Moor und Heide

Wo heute das Feld aufhört, beginnt in der Regel der Wald, im Südosten jedoch das Bruch und im Nordosten das Moor. Die Heide, die noch vor 50 Jahren die Äcker im Westen und Norden abgrenzte und hier große Flächen bedeckte, ist bis auf geringe Reste verschwunden. Ausgedehnte Kiefernwaldungen nehmen hier ihren Raum ein. Nur hin und wieder, besonders an Wegen, beleben weiße Birkenstämme und Büsche und kleine Heideflächen mit Wocholdergruppen diese im Grunde öde Waldlandschaft. Der lichte Eichen-Birkenwald und auf feuchtem lehmigen Boden der Eichen-Hainbuchenwald von ehemals sind verschwunden. Wo diese Wälder waren, verkünden uns die alten Flurnamen Volkensloh (Vollmastwald), Rodehorst, Windloh (Grenzwald), Windlohsweg, Windlohsbarch, Büsloh, Büslohswech, Arloh (Adlerwald), Dockloh, Gasselnloh (Garßener Wald), Dannrämen, Dannhost, Dannhostkamp, up'n Branne (erinnert an abgebrannten Wald), Weddau (widu-aue oder Waldaue?) Dannenmoor, Barkloh, Birkwische, Lohkamp (Waldfeld), Beukenbusch, Seelbeuken, Quelloh und andere.

Bruch und Moor haben vielfach ihr Gesicht verändert. Der Mensch hat mit wenigen Ausnahmen Wiesen, Weiden und auch Fischteiche aus ihnen gemacht. Aus dem Schweinebruche und dem Rohrbruche wurden meist Weiden und Wiesen. An ihren Rändern und an den Wegen wächst die Erle. Aus dem großen Henneckenmoore sind die Celler Fischteiche geworden. Im Stölpenmoore - in alten Akten und auf alten Karten heißt es Störzmoor und sogar Staatsmoor -, im Dannenmoore, im alten "Wendhorst Moor", das Duplats Karte verzeichnet, in Weddau und bei der Tunstee (Immenzaunstätte) sind ebenfalls Wiesen und Weiden entstanden. Im Falenmoore wächst die Fuhre, Torf wird fast nur noch im Breiten Moore gebacken.

Vor 1000 Jahren umschloß der Wald das Dorf im großen und ganzen enger als heute.


9. Das älteste Dorfbild

Zwischen Weide und Feld, am Talhange, liegt das Dorf. Große und kleine Höfe, Arbeiter- und Geschäftshäuser sind - so scheint es - bunt durcheinandergewürfelt. Die ursprüngliche Dorfanlage ist nicht mehr zu erkennen. Es ist deshalb nicht so leicht zu ergründen, wie die erste Dorfanlage ausgesehen hat. Selbst wenn man alle erreichbaren Urkunden und alten Karten heranzieht, so wird man von dem Bilde, das man erhält, nur sagen können: "Ja, so könnte es gewesen sein." Nicht mehr.

Die "Karte von der Feldmark Garßen" von 1856/57, die kurz vor der Verkoppelung aufgenommen worden ist, und die Karte der topographischen Landesaufnahme des Kurfürstentums Hannover aus dem Jahre 1779 zeigen schon ein einfacheres Dorfbild. Aber auch nach diesen Karten lagen die Höfe noch scheinbar regellos durcheinander. War Garßen von Anfang an ein Haufendorf?

Pastor Heinrich Oldekop, der von 1769 bis 1782 in Groß Hehlen im Amte war, schrieb als Vorwort in das älteste Sterberegister des Kirchspiels Groß Hehlen: "Im Jahre 1742" (muß richtig 1747 heißen) "ist Garßen abgebrannt und sind damals die Häuser nahe aneinander gebaut gewesen, also daß sie mit ihrer jetzigen Lage gar keine Vergleichung Haben" ...
Vor 1747 lagen also die Häuser und Höfe viel dichter beieinander als später. Die Hofstellen waren demnach vor 1747 kleiner als heute. Auf beiden Karten sind die meisten Höfe nördlich der Kapelle eingezeichnet. Es sind die Gellermanns Vollhof (a), Brauls Vollhof (b), Leis Vollhof (c), Drögemüllers Vollhof (e), Beckmanns Vollhof (f), Westphals Vollhof (g), Ohms Vollhof (h), der alte Krughof (k - Halbhof), Sohnemanns Halbhof (i), Hornbos' Kothof (n) und Heinen Kothof, später Brinkkote (o). Im Süden und Südwesten der Kapelle zeigt die Flurkarte von 1856/57 nur Drallen Vollhof (d), Uhlen Halbhof (l), Uetzmanns Kothof (m), Heuers Brinksitzerstelle (r) Wietfelds Anbauerstelle (s), Rickmanns Anbauerstelle (t) und Marquards Anbauerstelle (u). Zwischen beiden Dorfteilen, gewissermaßen als Gürtel, finden wir die Kapelle und westlich davon Valentins Brinksitzerstelle (q), Bahrs Brinksitzerstelle (p) und die Ziegelkote (v). Da die Kapelle und die letzten drei Hofstellen, Brinksitzerstellen genannt, wie ich noch ausführen werde, viele Jahrhunderte, ja vielleicht Jahrtausende, nach der Dorfgründung entstanden sind, müßte das Dorf aus zwei Teilen entstanden sein. Das ist aber nicht wahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher aber ist, daß der Südteil des Dorfes erst nach dem Brande von 1747 erbaut worden ist, zumal Pastor Oldekops Angaben nicht bezweifelt werden können.

Ehe die Bauern Brunnen auf ihren Höfen gruben, wird jeder von ihnen Wert darauf gelegt haben, ebenso nahe bei der Wasserstelle zu wohnen wie sein Nachbar. Deshalb werden sie alle ihre Häuser ungefähr gleich weit von der Quelle errichtet haben. Das hatte möglichst kleine Hofstellen zur Folge. Das war möglich, weil die Bauernhäuser damals viel kleiner waren als vor etwa 300 Jahren und weil keine oder nur wenige Nebengebäude auf den Höfen standen.

Soweit das heute noch zu ermitteln ist, müssen in Garßen anfangs sieben Höfe gelegen haben. Sie reihten sich vermutlich im flachen, nach Südwesten zu offenen Bogen um die Quelle. Die Kapelle setzte später diese Siedlungsreihe nach Südosten fort. Als Vorbild mag das Kirchdorf Groß Hehlen gedient haben. Auch dort schloß die Kirche früher die Höfereihe ab, doch nach Südwesten. Quelle und Weide lagen im Südosten des Dorfes. Auch in den Nachbardörfern Bostel und Scheuen siedelten sich die Bauern rund um die Quelle an. In Bostel zeigt der "Bormpaul" die alte Wasserstelle an und in Scheuen die "Lakewische".


10. Bauernhaus und Hofstelle

Wie Bauernhaus und Hofstelle nach und nach größer wurden, will ich zeigen. Ausgrabungen an verschiedenen Orten, auch in Altencelle und Burg, haben ergeben, daß das erste feste Haus unserer Vorfahren ein Einraumhaus war. Es diente dem Bauern, seiner Familie und seinen Haustieren als Wohnung. Gleichzeitig benutzte man es auch als Wirtschaftsraum.

Die Zahl der Haustiere wird freilich anfangs nur gering gewesen sein. Mit der Zeit mehrte sich ihr Bestand. Als schließlich auch Kühe und Rinder in das Haus genommen werden sollten, mußte dieses erweitert werden. Man verlängerte zunächst das Hausdach schräg nach unten und stützte es durch Pfosten ab. Später verband man die Pfosten durch schwache Wände und schuf so die seitlichen Anbauten, die Kübbungen. Erst einseitige, dann später nach Bedarf doppelseitige. Die Ständerreihe, auf der das Dach ruhte, blieb auch jetzt noch Träger des Daches, selbst dann noch, als man das Flechtwerk der alten Seitenwände herausnahm und auf diese Weise die neugeschaffenen Seitenwände mit dem Innenraum, der großen Lehmdiele, zu einem Raume vereinigte.
In diesen Seitenräumen brachte der Bauer sein Rindvieh unter. Er band die Kühe so an die eingebauten Staken, daß sie von der Diele aus gefüttert werden konnten. So wurde die Beaufsichtigung und Pflege des Viehes einfacher.
Durch das große Tor in der Vorderwand des Hauses, der Missentür, fuhr man Heu und Korn auf die Diele und reichte es durch die große Luke zur Lagerung auf den Boden. Wenn sich in den Ställen der Mist angehäuft hatte, konnte er von der Diele aus abgefahren werden. In der langen Winterzeit wurde auf der Diele Korn ausgeschlagen, gedroschen und gereinigt. Kurz gesagt, es spielte sich auf der Diele ein großer Teil des bäuerlichen Wirtschaftslebens ab.
Die Kübbungen zu beiden Seiten vor der Missentür dienten als Pferde- und Schweineställe. Der freie Platz zwischen diesen Ställen blieb anfangs unbedacht. Als aber später die beiden Kübbungswände vor der Vorderseite des Bauernhauses zur Giebelwand umgebaut wurden, ließ man die Missentür an der alten Stelle. So entstand eine Vorhalle, die man Vorschauer, plattdeutsch Vorschuer, nannte. Erst gegen 1900 setzte man die Missentür in die Giebelwand Damit wurde das Vorschauer zu einem Teil der Diele.

In dem Raum zwischen den Viehställen und der Hinterwand des Hauses wohnten die Menschen. In der Mitte des Raumes brannte auf einem niedrigen Herde das Herdfeuer. Dies war ursprünglich die einzige Wärme- und Lichtquelle des Hauses, um die sich vor allem an den Winterabenden, die Hausbewohner zu versammeln pflegten. Zur Verbesserung der Beleuchtung diente später eine Kienlampe. Man nannte sie Keinlüchte.

An der Hinterwand waren die Schlafstellen, die Butzen, aufgestellt. Jedoch waren auch einige Butzen, besonders die für das Gesinde, über den ersten Viehställen eingebaut.
Aus diesem Wohnraum, den man Flett nannte, führten zwei Seitentüren nach außen. Da jede Tür aus zwei Hälften, einer unteren und einer oberen, bestand nannte man sie Halbetüren. Die obere Hälfte der Türen war zum Ablassen des Rauches meist geöffnet. Nach den Halbetüren bezeichnete man vermutlich die Längsseiten des Hauses "an der Halwe". Man sagt auch "vorr de Halwedöör". In den größeren Häusern trennte man später die Diele, die zwischen den Ställen lag, durch das Heck vom Flett ab. Das Heck bestand aus einem Lattenzaun mit einer Pforte in der Mitte. Der Rauch des Herdfeuers zog, je nach der Windrichtung, durch die geöffnete obere Missentür oder, wie gesagt, durch die geöffneten oberen Halbetüren ab. Einen Schonstein gab es noch nicht. Dieser wurde in der Regel erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eingebaut. Unter der Decke des Fletts hängte der Bauer seinen Speck und Schinken und seine Würste zum Räuchern und Aufbewahren auf.

Dieses Einraumhaus besaß den unschätzbaren Wert, daß die Hausfrau vom Herdfeuer aus den ganzen Wirtschaftsbetrieb mit einem Blick übersehen konnte. Am Herdfeuer empfing sie auch den Gast.

Die Acker- und Viehwirtschaft dehnte sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr aus, auf dem einen Hof die Ackerwirtschaft, auf dem anderen die Viehwirtschaft. Hier hatte man nicht Raum genug, das Vieh unterzubringen, dort konnte man die Ernte nicht bergen. Nicht in allen Fällen war es möglich oder zweckmäßig, das Bauernhaus zu vergrößern. Deshalb errichtete man nach Bedarf Speicher, Scheunen, Schaf- und Schweineställe. Besondere Backhäuser hatte es der Feuergefahr wegen wohl schon immer gegeben. Sie standen in der Regel hinten im Grashofe.

In dem Maße, wie die Wirtschaft sich hob, wuchs auch der Wohlstand des Bauern. Seine Ansprüche wurden größer. Das zeigte sich vor allem im Wohnbedürfnis. Beim Einkaufen in der Stadt sah der Bauer, wie der Städter wohnte. Er wollte es nun auch so haben. Der Zimmermann mußte besondere Wohnräume an die Hinterwand des Hauses zimmern: die Zimmer. Nicht mehr das Flett mit dem Herdfeuer diente der Familie, sondern der größte Raum der angebauten Zimmer. Die Dönze, so sagt man dazu, erhielt als Wärmespender einen Kamin, später einen Ofen. Die Lage der Butzen blieb vorläufig unverändert. Sie erhielten aber einen zweiten Zugang zu den Zimmern. Der alte Zugang zum Flett fiel jedoch später fort.
Wann die Wohnräume zuerst angebaut wurden, ist nicht genau bekannt. Man nimmt das 15. Jahrhundert als den Beginn dieser Anbauten an. Für die Gegend von Osnabrück bezeugt der Staatsmann Justus Möser in seiner Schrift "Patriotische Phantasien", daß dort das Einraumhaus um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch weit verbreitet war. Das gleiche berichtet der Engländer Thomas Nugent für Zeven vom Jahre 1782.

Da das Kübbungshaus in der Hauptsache auf zwei Ständern ruht, nennt man es auch Zweiständerhaus. In Garßen sind, soviel ich weiß, noch sechs dieser Häuser erhalten geblieben. Sie wurden 1747 erbaut. Man verlängerte die Querbalken, welche die Sparren trugen, zu den erhöhten Seitenständern und setzte die Sparren auf die Enden der Querbalken. Das Dach ruhte nun auf vier Ständerreihen. Auf diese Weise gewann man mehr Raum zum Aufbewahren der Vorräte. Es gibt eine ganze Reihe dieser Vierständerhäuser in Garßen. Sie stammen alle aus dem 19. Jahrhundert.

Alle ältere Häuser in Garßen sind Fachwerkbauten mit einem Krüppelwalmdach. Als Bauholz ist für die Außenwände Eichenholz und im Innern das Hauses Tannen- oder Kiefernholz verwendet worden. Als Giebelzier dienen noch vielfach Pferdeköpfe, die aus Eichenbrettern geschnitzt sind. Die Köpfe sind nach außen gerichtet. Einige Häuser tragen am Querbalken über der Vorderwand eine Inschrift mit der Jahreszahl. Die Häuser, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurden, waren mit Stroh gedeckt. Das Strohdach hielt im Sommer die Hitze fern und im Winter die Kälte. Aber es war sehr feuergefährlich. Deshalb mußte es trotz seiner Vorzüge dem Ziegeldach weichen. Die Fächer zwischen den Ständern und Balken der Außenwände füllte man früher durch das sogenannte Wellerwerk aus. Es bestand aus Holzstäben, die mit Stroh umwickelt und mit Lehm beworfen waren. Den Lehmputz glättete man und weißte ihn mit Kalk. Später verwendete man statt des Wellerwerkes an der Luft getrocknete Lehmsteine. Ziegelsteine scheinen sich zum Ausfüllen der Fächer erst im 19. Jahrhundert eingebürgert zu haben. Wo Lehmsteine sich nicht als haltbar erwiesen, wie z. B. hinter den Viehställen, brachte man dafür Eichenbohlen an. Massive Häuser wurden erst in den letzten 70 Jahren errichtet. Schließlich möchte ich noch erwähnen, daß auf keinem der alten Höfe die Eichen fehlten.


11. Geschichtliche Ereignisse formen das Dorf

Nichts beeinflußt ein Dorf und das Wohl und Wehe seiner Einwohner mehr, als die geschichtlichen Ereignisse, die es berühren, mögen es nun Brände im Eigenen Orte, Kriege oder sonstige Geschehnisse sein. Was im Laufe der Zeit geschah und auf Garßen einwirkte, will ich aufzuzählen versuchen.

Da ist zunächst die Einführung des Christentums. Äußerlich gesehen, zeigte sich sein Einfluß erst mehrere Jahrhunderte später, als im Südosten des Dorfes die Kapelle erbaut und ein Friedhof angelegt wurde. Näheres darüber später.

Dann ist der Lüneburger Erbfolgekrieg zu nennen, der von 1369 bis 1388 unsere Heimat beunruhigte und verwüstete. Für Garßen brachte er wohl die schwerste Zeit, die wir kennen. - Als Herzog Wilhelm, der letzte Sproß des alten Hauses Lüneburg, am 23. November 1369 auf der Burg auf dem Kalkberge bei Lüneburg die Augen für immer geschlossen hatte, stritten sich die welfischen Herzöge von Braunschweig mit den Herzögen von Sachsen-Wittenberg um die Erbfolge im Lüneburger Lande.

Im Verlaufe des Krieges hatten die Dörfer in der Umgegend von Celle, also auch Garßen, viel zu leiden. Während des Waffenstillstandes vom 9. August 1376 bis zum 24. Juni 1377 drangen die Mannen des Herzogs Otto von Braunschweig bis zu den Toren von Celle vor, das in der Hand des Herzogs Albrecht von Sachsen-Wittenberg war. Sie raubten und brandschatzten und trieben den Bauern das Vieh aus den Ställen und von den Weiden. Garßen büßte dabei den größten Teil seines Viehbestandes ein. Einzelheiten darüber enthalten die drei Schadenregister, die Herzog Albrecht aufstellen ließ und die uns ein glückliches Geschick erhalten hat.

Nach dem ersten Register wurden in Garßen 90 Schafe (vefte halue stige scap) und 15 große Rinder (vefteyn ryndere grotes vees) im Werte von 29 Mark 6 Schilling, ferner "Reynynges vrouwen" 11 Kopf großes Vieh im Werte von 11 Mark, "Ludeken to gertzen" 8 Rinder, 50 Schafe und 1 Pferd, die man auf 29 Mark 4 Schilling schätzte, und "Luttzemanne to gertzen" schließlich 8 große Rinder im Werte von ungefähr 8 Mark geraubt. Dazu kamen in Garßen im Sommer (13767) noch 80 Kühe (veer styge Koye), die wohl 120 Mark wert sein mochten.

Im zweiten Register wird der Schaden, den Garßen erlitt, mit 120 Kühen angegeben. Aber nicht genug damit.
Nach dem dritten Register ließ Hinrich von Veltheim (hinrik van velten), der auf dem Schlosse Gifhorn saß und zur feindlichen Partei gehörte, drei Dörfer niederbrennen: Altenhagen, Garßen und Groß Hehlen. Ob auch Menschen bei diesen Bränden umgekommen sind, wissen wir nicht. Es ist aber wohl anzunehmen. Wir wissen auch nicht, in welcher Zeit sich Garßen von diesem Schlage wieder erholte. Sicher werden Jahrzehnte darüber vergangen sein. Vielleicht haben nicht einmal alle Bauern ihre Höfe wieder aufgebaut. Eine Eintragung im Stadtbuche Nr. 1 der Stadt Celle läßt daraus schließen.
Auf Seite 48 befindet sich darin ein Verzeichnis des Zinses, den in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadtkirche zu Celle zu fordern hatte. Es wird darin ein Hustedters Hof in Garßen genannt, der in späteren Verzeichnissen nicht wieder vorkommt. Vermutlich brannte dieser Hof 1377 ab (im Lüneburger Erbfolgekrieg) und wurde nicht wieder aufgebaut. Dafür sprechen zahlreiche Eintragungen in den Groß Hehlener Kirchenrechnungen aus der Zeit von 1599 bis 1704. Nach diesen besaß die Kirche zu Groß Hehlen fünf Block Feldland in Garßen "vffr Hustedter al. Hustedter Hoffe". Dieses Grundstücke scheinen zu dem erwähnten Hustedter Hofe gehörte zu haben. Leider ist die Feldflur nicht mehr bekannt. In der Kirchenrechnung heißt es nur, die Äcker lägen so hart an den Höfen, daß Schweine und Hühner die Erste verdürben und die Kirche daher keine Pacht (Zins) bekäme. Nach allem vermute ich, daß die fünf Block Feldland in der Nähe der heutigen Ziegelkote lagen, die auf dem Grund und Boden der Groß Hehlener Kirche errichtet worden ist. Mußte doch der Ratsziegeleimeister, der darin wohnte, der Kirche zu Groß Hehlen Zins entrichten und der Rat der Stadt Celle die Kote der Kirche beweinkaufen. Vielleicht ist die Ziegelkote gar als Nachfolgerin des Hustedter Hofes anzusehen.

Wahrscheinlich verließ 1377 noch mehr Bauern ihre abgebrannten Höfe, so daß der Grundherr - meist war es der Herzog - gezwungen war, diese neu zu besetzen. Es lag nun für den Grundherrn nahe, die Ländereien so zu verteilen, daß die Zahl der Höfe größer wurde. Winkten ihm doch so größere Einnahmen. Nun werden im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 fünf Garßener Bauern erwähnt, von denen jeder den verhältnismäßig niedrigen Schatz von einem halben Gulden bezahlen mußte. Da sie auf Höfen saßen, die später als Vollhöfe galten, ist der niedrige Schatz nur zu erklären, wenn die Höfe 1438 erst kurze Zeit bestanden hatten, zumal die anderen Vollhöfe einen Schatz von ein bis drei Gulden gaben.
Vier der genannten fünf Höfe entrichteten später vollkommen gleiche Abgaben an den Herzog, nämlich je sechs Himten Zinsroggen, ein Hofschwein und ein Hofrind, während die Abgaben der übrigen Höfe verschieden waren. Das läßt vermuten, daß diese grundherrlichen Abgaben gleichzeitig aus der gleichen Veranlassung festgesetzt wurden. Wahrscheinlich wurden damals die Höfe vermehrt.
Für die neuen Höfe - wahrscheinlich waren es zwei - brauchte man natürlich Hofplätze. Man fand sie im Westen der Hofreihe auf dem Dorfanger. Um die Nebengebäude besser unterbringen zu können als bisher, mußte man die Hofstellen etwas größer wählen als die alten. Auf dem Gelände zwischen den beiden Hofreihen entstand später die Dorfstraße.
Um das Dorf nach dem Brande wieder aufbauen zu können, brauchten die Bauern viel Bauholz, besonders Eichenholz. Die Hofreihen werden da nicht ausgereicht haben. Daher mußte man auf die alten Eichen in den nahen Wäldern zurückgreifen. Das mag die Zeit gewesen sein, in der Gasseln Loh aufhörte, ein Wald zu sein und nach und nach in Ackerland verwandelt wurde.

Die nächsten Jahrhunderte - so scheint es - gingen spurlos an Garßen vorüber. Während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 ?) durchzogen keine feindlichen Truppen das Dorf.

Selbst der Dreißigjährige Krieg, der Deutschland von 1618 bis 1648 verwüstete, ging an Garßen vorüber, ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen, wenn auch, wie es in der Groß Hehlener Kirchenrechnung heißt, daß "betrübte Kriegeswesen und auch die einfallenden bösen Krankheiten" in den Jahren 1625 bis 1628 sicher auch Garßen nicht verschont haben werden.
Kurz nach dem Kriege - es war 1654 wird in einer Ehestiftungsurkunde von Uhlen Mutter aus Westfals Hofe (g) berichtet, daß sie ihren Hof in der "gefehrlichen Krieges zeit" ihren Kindern zum Besten in gutem Zustande erhalten habe. Das ist alles, was ich in alten Schriften über Garßen vom großen Kriege erfahren habe. Nur "Hans Brauns zum Horningshofe" - heute Lüllau Hornshof - hatte "wegen seines erlittenen schadens des brandes" zwei Taler von der Kirche zu Groß Hehlen erhalten. Das war 1623. Und dabei ist es nicht einmal sicher, ob der Brand eine Folge des Krieges war.

Eine große Feuersbrunst entstand drei Jahrzehnte später in Garßen. Wie aus dem Geldregister der Burgvogtei Celle von 1679/80 hervorgeht, erhielten die Abgebrannten von Garßen fünf Eichen zu drei Taler, 29 Eichen zu 1 1/2 Taler und 28 Fuhren zu einem Taler aus dem herzoglichen Forste. Wer abgebrannt war, sagt dasselbe Register auf Seite 77. Hier ist in dem Verzeichnis der Höfe, die keine Spanndienste geleistet hatten, bei den Namen der Vollhöfner Heinrich Knoph (a) und Carsten Leifers (f) vermerkt: "abgebrandt" und bei Hans Uhlen Erben: "wüste (g). Die Erben des Hans Uhle bewirtschafteten also nicht einmal mehr ihren Hof. Und dabei handelte es sich um denselben Hof, den "Uhlen Mutter" so gut durch den Dreißigjährigen Krieg gebracht hatte. Vielleicht waren ihre Kinder, Hans Uhle und Margarete Horenbostel, die 1654 geheiratet hatten, im Brande umgekommen. Der Hof, der den großen Krieg überstanden hatte, lag nun jahrzehntelang wüste. Noch am 20. Oktober 1708 lieh Hans Uhle, der Sohn des genannten Ehepaares, von der Kapelle zu Garßen 20 Taler, die er zur "Vollenführung seines Hoef Baues" verwandt hatte.

Die Höfe des Hans Uhle (später Westfals Hof) und des Carsten Leifers (Beckmanns Hof) scheinen auf der alten Hofstelle wieder aufgebaut worden zu sein, nicht aber der alte Knopsche Hof (heute Fr. Gellermann). Heinrich Knoph oder Knop gab seine alte Hofstelle auf und siedelte sich weiter nördlich am Rande des Dorfes an. Hier war er der Enge des Dorfes entrückt und hatte Raum, sich auszudehnen. Die Feuersgefahr hatte ihn wahrscheinlich zur Umsiedlung gezwungen. Der alte Hofplatz ist noch auf der Garßener Verkoppelungskarte von 1856/57 zu erkennen. Ein weißer Fleck mit dem Buchstaben "a" kennzeichnet ihn.

Rund 70 Jahre später - man schrieb das Jahr 1747 - brannte es wieder in Garßen. Fast das ganze Dorf, einschließlich de Kapelle (K) und der Schule (S), wurde ein Raub der Flammen. Nach mündlicher Überlieferung blieben nur Gellermanns Hof (a), Brauls Hof (b) und Leis Hof (c) verschont. Zwei Inschriften scheinen das zu bestätigen: Der alte Innenspeicher auf Gellermanns Hofe (a) über einer Tür die Jahreszahl 1733 und im Türbalken des Speichers auf Leis Hofe (heute Buchholz) ist als Jahreszahl "693" (=1693) eingestemmt. Beide Speicher sind demnach vor dem Brande erbaut worden.
Nach den Angaben über das Alter der Gebäude in der "Reduction der Bauholz-Berechtigung auf den Jetztwert der Dorfschaft Garssen", die ungefähr aus dem Jahre 1846 stammt, ist nur von folgenden Gebäuden nachzuweisen, daß sie um das Jahr 1747 erbaut worden sind: das Wohnhaus auf Ohms Hofe (h), das Wohnhaus auf Westfals Hofe (g), ferner Wohnhaus, Schafstall, Backhaus und Scheune auf Hornbos Hofe (Hamboß) (n), Wohnhaus und vielleicht auch Schafstall und Speicher auf Sohnemanns Hofe (i), Wohnhaus und Backhaus auf dem Alten Krughofe (k), das Wohnhaus auf Valentins Hofe (p), das Hirtenhaus, das Wohnhaus auf Uhlen Halbhofe (l) und das Wohnhaus auf Uetzmanns Hofe (n). Nachweislich ist schließlich noch die Schule abgebrannt und die Kapelle ausgebrannt. Das Feuer muß sich sehr schnell ausgebreitet haben, fand doch eine Frau den Tod in den Flammen. Das Groß Hehlener Sterberegister berichtet darüber kurz: "Sölters Frau ist im Brande umgekommen". Da dieser Vermerk offensichtlich erst später nachträglich eingetragen wurde und auch der Sterbetag nicht angegeben ist, vermute ich, daß man die Leiche erst bei den Aufräumungsarbeiten gefunden hatte. Es handelte sich wahrscheinlich um die Wirtin vom Alten Krughofe (k). Sollte der Brand im Alten Krughofe entstanden sein? Möglich wäre das schon; denn im Winter - es war im Januar 1747 - weht oft Ostwind. Der Brand müßte sich dann nach Westen zu ausgebreitet haben. Nach Lage der abgebrannten Höfe war das möglich.
Daß der größte Teil des Dorfes vernichtet werden konnte, ist sicher nur auf die enge Bauweise und auf die Strohbedachung zurückzuführen. Allerdings war es damals so gut wie unmöglich, das Feuer wirksam zu bekämpfen. Gab es doch damals weder Feuerwehr noch Feuerspritze. Ja, 1770 waren nicht einmal Feuerlöscheimer und Feuerhaken vorhanden. Sollte ein ähnliches Brandunglück in Zukunft vermieden werden, so mußten die Bauern ihre Häuser und Höfe weiter auseinander bauen. Wie Pastor Oldekop ausführt, geschah das auch.
So wird das Süddorf erst nach dem Brande entstanden sein. Das nötige Bauholz wies die Regierung den Garßenern im Garßener Holz an. Die besten und stärksten Eichen waren als Bauholz gerade gut genug. Als 1751 auch Bostel abbrannte und auch sein Bauholz aus dem Garßener Holze erhielt, war der Wald "sehr mitgenommen", wie es in der "Tabellarischen Beschreibung der Burgvogtei Zelle von 1770" heißt.
Die damals im Süden angelegten Höfe, Lilien Vollhof (d), Uhlen Halbhof (l) und Heuers Brinksitzerstelle (r), zeichnen sich durch die Größe ihrer Hofstellen aus. Sie konnten diese hier genau so ausdehnen, wie es Gellermann (a) und Leis Hof (c) im Norden konnten. Hier möchte ich noch erwähnen, daß das alte Leis'sche (Leifertsche) Wohnhaus (c) früher weiter östlich lag als das heutige. Vor dem Abbrennen des alten Knopschen oder heutigen Gellermannschen Hofes (a) war der Leis'sche, später Garnersche Hof (c) der nördlichste des Dorfes. Daran erinnert noch die Flur "hinner Garners Howwe", die heute nördlich des Gellermannschen Hofes (a) liegt.

Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 brachte wieder eine schwere Zeit für unsere Heimat. Garßen hatte besonders im Winter 1757/58 zu leiden. Bei Celle standen sich damals zwei Gegner gegenüber, die Franzosen unter Richelieu, der seinen Standort in Celle hatte, und die Hannoveraner unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig, der von Norden her über Garßen herangekommen war und in Altenhagen auf dem Thieleschen Hofe Quartier genommen hatte. Es kam zu einem Gefecht im Rolande zwischen Altenhagen und Celle. Die Franzosen zogen den kürzeren und flohen nach Celle hinter die schützenden Wälle.
Leider hatte das Gefecht für die Stadt Celle schlimme Folgen. Um sich besser verteidigen zu können, zerstörten die Franzosen die Allerbrücke, steckten oder schossen die Häuser an der Fritzenwiese, die Garnisonkirche, das Waisenhaus, das Hospital St. Annen und viele andere Gebäude in Brand. Was die Stadt sonst noch zu leiden hatte, will ich hier nicht erzählen. Der Herzog von Braunschweig mußte sich jedoch bald vor der Übermacht der Franzosen zurückziehen. Damit war für Celle zwar die Gefahr vorüber, doch für die Dorfbewohner begann nun erst die Leidenszeit.
Die Franzosen plünderten die Dörfer, nahmen Vieh, Getreide, Heu und Stroh weg und mißhandelte die Bewohner. Auch Garßen wird diese Drangsale erduldet haben. Ich weiß jedoch nur eine kleine Einzelheit zu berichten. Wie im Groß Hehlener Sterberegister verzeichnet steht, wollte Anne Ilse Bornemanns, die Altmutter vom Alten Krughofe, dem Kriegstrubel aus dem Wege gehen und zog zu ihrer Tochter nach Hohnhorst. Aber hier ereilte sie Anfang Januar 1758 der Tod, dem sie doch gerade entfliehen wollte.

Auch in der sogenannten Franzosenzeit von 1805 bis 1813 und in den nachfolgenden Befreiungskriegen von 1813/14 hatten die Leute auf dem Lande sehr zu leiden. Erst wurden sie von den Franzosen und später von den Russen, die doch als Befreier kamen, mit Einquartierungen belastet und gequält.
Von Garßen wird oft folgende kleine Geschichte erzählt: In Gellermanns Gastwirtschaft kehrten eines Tages einige französische Reiter ein. Sie verlangten von dem damaligen Geschwornen Casten Hinrich Gellermann eine hohe Summe Geld. Gellermann gelang es nicht, daß Geld zusammenzubringen. Mit dem Gelde, das er ihnen auf den Tisch gezählt hatte, waren die Franzosen nicht zufrieden und nahmen schließlich eine drohende Haltung an. Als der Geschworne nicht mehr aus noch ein wußte, erschien plötzlich - doch von Frau Gellermann gerufen - der alte Effinghausen in der Tür mit einer Wagenrunge in den starken Fäusten. Mit den Worten "Wer will noch Geld!" schlug er mit der Runge auf den Tisch, daß die Taler hochflogen. Als nun auch noch seine erwachsenen Söhne mit ähnlichen Waffen im Türrahmen erschienen, hielten es die Franzosen für geraten, aus dem Fenster zu springen. Das Geld ließen sie in der Eile liegen. So bewahrte Effinghausen die Gemeinde vor Unglück und Schaden.
Casten Hinrich Gellermann baute 1812 ein neues Wohnhaus. Ob das alte, um 1680 errichtete Haus schon so baufällig war oder ob es abbrannte, konnte nicht ermittelt werden. Es wurde aber nicht am alten Platze, sondern weiter östlich an der alten Heerstraße wieder aufgebaut. Da inzwischen eine Krugwirtschaft und eine Brennerei mit dem Hofe (a) verbunden war, hatte die Errichtung des Wohnhauses an der alten Heerstraße für die Zuführung der Gäste eine große Bedeutung. Waren es doch in erster Linie die Kärrner, die in den Krügen einkehrten.

In der Zeit nach den Befreiungskriegen sind vor allem drei Ereignisse zu nennen, die auf das Dorfbild einwirkten: die Erbauung der Landstraße Celle - Lüneburg um 1830, der Bau der Eisenbahn Hannover - Hamburg 1845 und die Aufhebung der Grundherrschaft.
An der alten Heerstraße, dem Dietwege von 1060, entstand in Garßen der erste Krug, der Alte Krughof. Das Aufblühen des Frachtverkehrs auf der Landstraße führte dazu, daß auch Gellermanns in Garßen einen Krug aufmachten. Das neue Wohnhaus, das sie 1812 bauten, erhielt deshalb seinen Platz an der alten Heerstraße, die aber - das zeigte sich immer mehr - dem Verkehre nicht mehr gewachsen war. Um Abhilfe zu schaffen, baute die Hannoversche Regierung die Landstraße Hannover - Lüneburg - Hamburg. Doch diese führte im Westen am Dorf vorbei. Gellermanns paßten sich den veränderten Verhältnissen an, setzten ihr Wohnhaus, das sie erst 1812 erbaut hatten, auf Rollen und rollten es an die neue Straße. Hier steht es heute noch. - Die Leistung des damaligen Zimmermanns, ein Bauernhaus auf Rollen über 200 m weit zu befördern, kann nicht hoch genug bewertet werden. Sie würde unseren heutigen Baumeistern alle Ehre machen. - Der Alter Krughof ließ sich nicht verlegen, er ging nach nach ein. Zwei Kilometer nördlich seines Hofes erbaute Casten Hinrich Gellermann 1833 für seinen Sohn an der Landstraße eine weitere Gastwirtschaft, "Zum grünen Wald" nannte er sie. Aber die Tage des Frachtverkehrs auf der Landstraße waren gezählt. Die Eisenbahn kam und zog nach und nach den Güterverkehr an sich. Doch heute bewirkt der Autoverkehr, daß die Landstraßen das Verlorene zurückgewinnen.
Die Aufhebung der Grundherrschaft, über die ich noch berichten werde, verschaffte den Bauern freies Verfügungsrecht über ihre Höfe. Das sollte sich in der Folgezeit in Garßen durch den Verkauf einer Reihe Höfe zeigen. Die spätere Aufteilung dieser Höfe trug wesentlich dazu bei, das Dorfbild vollständig umzugestalten.

1864 ist wieder ein Brand zu erwähnen, der das Aussehen des Dorfes beeinflußte. Im Januar dieses Jahres brannte Sohnemanns Hof ab (i). Der damalige Besitzer, Hans Heinrich Gärner, baute den Hof nicht am alten Platze westlich der alten Heerstraße wieder auf, sondern im Osten derselben. Aus der alten Hofstelle wurde ein Garten.
Als im Jahre 1873 der Westphalsche Hof (g), der wiederholt seinen Besitzer gewechselt hatte, aufgeteilt wurde, kaufte Christian Baars, der Besitzer vom Hornbos-Hofe (n), der gerade ein neues Wohnhaus bauen wollte, die Hofstelle. Sein Bauholz, das schon behauen dalag, verkaufte er nach Sülze und bezog das noch gut erhaltene Westphalsche Haus. Seine alte Hofstelle, die im Nordwesten des Westphalschen Hofes (g) lag, nahm er teils zum Hofe und teils zur Weide.
Weiter veränderte sich das Dorfbild infolge der Aufteilung des Braulschen Hofes (b). Catharine Marie Dorothee Knoop, die einzige Erbin dieses Hofes, heiratete 1867 nach Gockenholz in den Schumeierschen Hof. Die Grundstücke wurden verkauft, und die Hofstelle erwarb 1869 der Brinksitzer Fritz Lammers von Baars Hofe (q). Das alte baufällige Baarsche Wohnhaus wurde abgerissen. Heute erinnert nichts mehr an den Hof. In einem neuen Hause an der Dorfstraße betreibt heute der Bäcker sein Geschäft.

Auch die Gebäude des alten Krughofes, der auch aufgeteilt worden war, verschwanden in den letzten vier Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts nach und nach. Aus den Hofstellen wurden größtenteils Gärten. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand dann, der Kapelle gegenüber, auf dem Grundstücke des Alten Krughofes, die Schäfersche Abbaustelle.
Im Jahre 1912 schlug der Blitz in das alte Wohnhaus des Valentinschen Hofes (p) und äscherte es ein. Die Erbin des Hofes, Alwine Marie Anna Knoop, die 1895 in den Reineckeschen Hof zu. Klein-Hehlen geheiratet hatte, verkaufte die Hofstelle an die Gemeinde Garßen. Diese benutzte sie als Schulplatz und errichtete hier ein neues Schulhaus und nach der Machtübernahme ein Hitler-Jugendheim und eine Badeanstalt.


12. Die Höfe

Früher gab es Voll- und Halbhöfe, Kötner-, Brinksitzer-, Anbauer und Abbauerstellen. Diese Bezeichnungen sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden; sie sind also bodenständig. Man ließ sie daher auch nicht fallen, wenn sie den tatsächlichen Verhältnissen nicht mehr entsprachen. Es konnte z.B. schon vor 100 Jahren vorkommen, daß ein Vollhof, von dem der größte Teil des Grund und Bodens verkauft war, kleiner war als eine Abbauerstelle, deren Besitzer viel Land erworben hatte.

Die ältesten Höfe nannte man Vollhöfe. Sie allein besaßen ursprünglich Anteile an der gemeinen Mark, gleiche Hude-, Weide-, Holz- und Torfberechtigungen.
Durch Teilung von Vollhöfen entstanden nach 1400 in Garßen Halbhöfe. Auch sie nahmen an den Berechtigungen teil.
Die Kötnerstellen werden ungefähr in der Zeit von 1000 bis 1300 errichtet worden sein, manche vielleicht früher. Wie der Name schon andeutet, besaßen die Kötner ursprünglich nur ihre Koten. An den Berechtigungen hatten sie zunächst keinen oder nur beschränkten Anteil. Ihr Feldland mußten sie sich erst schaffen, indem sie Heide oder alten Waldboden umpflügten. Da in der Nähe des Dorfes der Grund und Boden in der Regel längst verteilt war, stand ihnen dieser meist nur am Rande der Feldmark zur Verfügung. Deshalb lagen ihre Felder auch meist weit vom Dorfe entfernt und nur bei den ältesten Kothöfen zwischen den Ländereien der Höfner. Bei den letzten Neusiedlungen wird es sich um Hofteilungen gehandelt haben. Vermutlich siedelten hier nachgeborene Söhne, die von den väterlichen Höfen Land erhielten.
Die Entstehung der Brinksitzerstellen ist von 1300 bis 1700 anzusetzen. Sie erhielten ihren Namen, weil die Gründer ihre Koten meist auf dem Brink vor dem Dorfe errichteten. Selbstverständlich mußten auch sie sich erst Land und Wiesen urbar machen. Ihre Inhaber betrieben vielfach ein Handwerk und die Landwirtschaft nur nebenbei. So war der Brinksitzer Bruno Heine, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Garßen lebte, ein Zimmermann.
Den Brinksitzerstellen folgten von 1700 bis 1820 die Anbauerstellen. Ihre Inhaber, die Anbauern, bauten sich irgendwo an freien Stellen im Orte an, in Garßen im Südal. Da der Grund und Boden meist verteilt war, konnten sie nur in ganz geringem Maße Land urbar machen. Auch sie waren meist Handwerker oder arbeiteten als Taglöhner bei den Bauern. So war der Anbauer Johann Heinrich Rickmann in Garßen um 1800 Grützemüller. All diesen Siedlern gelang es nach und nach, Anteil an den Weideberechtigungen und auch Land und Wiesen zu erwerben.

Den späteren Siedlern war das nicht mehr möglich. Sie fanden kein Oedland mehr vor, das verteilt werden konnte; sie mußten das Land, das sie bebauen wollten, und auch den Hausplatz von den Bauern kaufen. Da sie meist nur weitab vom Dorfe Siedlungsland erwerben konnten, nannte man sie Abbauern. Diese kleinen Siedlungen konnten meist erst nach Aufhebung der Grundherrschaft im Jahre 1840 gegründet werden. War doch auf dem Lande erst nach dieser Zeit Land frei zu kaufen. Als später in Garßen mehrere größere Höfe aufgeteilt wurden, konnten manche dieser Abbauern ihren Grundbesitz erheblich vermehren. Auch Wiesen konnten sie noch kaufen.
Sehr rege wurde die Bautätigkeit in Garßen nach 1900. Jedoch wurden jetzt nur Wohnhäuser f+r Arbeiter und Gewerbetreibende errichtet.


13. Die Höfe im 14. Jahrhundert

Die ältesten Urkunden und Verzeichnisse, die Namen Garßener Bauern und Höfe enthalten, stammen aus dem 14, Jahrhundert. Zuerst ist das schon erwähnte Schadenregister von 1377 zu nennen, in dem drei Bauern aus Garßen aufgeführt sind:

          "Reynynges Vrouwen to gertzen",
          "Lüdeken to gertzen" und
          "Luttzemanne to gertzen".

Ferner stehen in dem "Verzeichnis der Einnahmen auf dem Schlosse Celle unter dem Vogte Segeband Voss vom 12. November 1381" folgende Garßener Steuerzahler mit ihren Abgaben verzeichnet: 

          "ghersen kort I mark" ...,
          "Van gersen de dobeler III s" und
          "busschehorn II s". ...

Drittens enthält das "Verzeichnis der zum Schlosse Celle gehörenden Hebungen aus den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts" unter "De sluterie" die Angabe

          "Gherssen Rendich I pund".

Schließlich werden auch in dem Verzeichnisse der Höfe, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Abgaben an die Stadtkirche zu Celle gaben (Celler Stadtbuch Nr. 1, Seite 48) zwei Höfe in Garßen mit ihren Abgaben an die Kirche erwähnt:

          Auer van husteders houe to ghersene 4 luneborgher scillinghe,
          Auer van bekelighes houe to ghersene 2 1/2 scillingk" ...

In diesen vier Verzeichnissen werden also 9 Garßener Bauern oder Höfenamen genannt. Leider ist es nicht sicher, ob es sich in allen Fällen um verschiedene Höfe handelt. Die Namen Reyning und Rendich bezeichnen vermutlich dieselbe Person, wenn auch die Schreibweise nicht genau übereinstimmt. Hiernach müßten im 14. Jahrhundert in Garßen mindestens acht Höfe gestanden haben. Das es unwahrscheinlich ist, daß alle Garßener Höfe in den Verzeichnissen vorkommen, wird man wohl einige hinzurechnen müssen. Nehmen wir also an, es wären damals 10 Höfe vorhanden gewesen. Da unter diesen Höfen drei Kothöfe gewesen sein müssen, wird das ursprüngliche Dorf sieben Höfe gehabt haben. Diese Zahl läßt sich auch nach dem Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 errechnen.


14. Die Höfe von 1438

Das "Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438", das Staatsarchivrat Dr. Rudolf Grieser herausgegeben hat, verzeichnet die Namen und Abgaben von 13 Bauern "To Garsen":

"dedit Heyne Luman 1/2 g. - dedit Olde-Luman 1/2 g. - dedit Lange-Alberd 1/2 g. - dedit Lutzekeman 2 g. - Hinrik Leyferdes 1/2 g. - Nygeman 4 s. pauper. - Henneke Zoneman 3 g.: Soltowens meyger. - dedit Kersten Hukesholl 4 s. - dedit Knop 1 g. - dedit Salge 1 m. - dedit Luder Zoneman 1 1/2 g. - dedit Sandman 1/2 g. - dedit Lampe 1 g. -"

Dreizehn Namen hat der Schreiber des Burgvogtes zu Celle eingetragen und dahinter sorgfältig den zu erhebenden Schatz vermerkt. Der Vermerk "dedit" (bezahlte) zeigt an, daß der Schatz wirklich entrichtet wurde und der Vermerk pauper (arm) bei Nygeman, daß dieser nicht gab, weil er arm war. Die Angabe "Soltowens meyger" schließlich verrät uns den Grundherrn des Henneke Zonemanschen Hofes. Die Eintragung über Lampe - es ist die letzte unter Garßen - wird sich auf das benachbarte Hornshof beziehen, das wahrscheinlich schon damals zu Garßen gehörte. Ein "Lampe van deme Hornynges houe" wird übrigens auch schon in dem erwähnten Einnahmeregister von 1378/79 erwähnt. Daß der Bauer Lampe von 1438 zu Hornshof gehörte, läßt sich ferner auch daraus schließen, daß im Viehschatzregister von 1589 die Bauern von Hornshof unter Garßen aufgeführt sind.
Garßen muß also 1438 zwölf Bauern gehabt haben. Auf welchen Höfen sie saßen, ist leider nach den Angaben nicht einwandfrei festzustellen. Aber gerade deshalb will ich zu ermitteln versuchen, welche Höfe sie besaßen. Ich will die Höfe nach ihrem Hofnamen bezeichnen, wenn sich diese erhalten haben, und die Buchstaben hinzufügen, mit denen sie früher auf der Flurkarte von 1856/57 gekennzeichnet sind.

Ich beginne mit " K n o p ". Abgesehen von "Lampe" ist er der einzige, der einen Gulden Schatz gab. Dieser Schatz - das möchte ich hier einflechten - wurde 1438, wie Dr. Grieser beschreibt, wahrscheinlich nach dem Grund und Boden des Hofes berechnet. Er gibt infolgedessen einen Maßstab für die Größe des Hofes. In dem "Zinsverzeichnis der Sluterie Celle", das auch Dr. Grieser veröffentlichte, und das auch aus den 1430er Jahren stammt, wird "de Knopesche Garsen" genannt, die "I punt" - das sind 20 Schilling - Hofzins entrichtete. Den gleichen Zins bezahlte nach dem Verzeichnis der zum Schlosse Celle gehörenden Hebungen aus den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts "Rendich Gherssen", 1664 Heinrich Knoph und 1799/1800 Casten Hinr. Gellermann. Da sonst niemand in Garßen 20 Schilling Hofzins entrichtete, folgt aus diesen Beispielen, daß die Knopesche von 1430 auf dem heutigen Gellermannschen Hofe (a) saß.

Jetzt folgt O l d e - L u m a n . Das ist einer der Namen der fünf Bauern in Garßen, die 1/2 Gulden Schatz geben mußten. Dieser saß wahrscheinlich auf demselben Hofe, den 1377 "ludeke to gertzen" hatte, der im Lüneburger Erbfolgekriege, wie das alte Schadenregister von 1377 berichtet, 8 Rinder, 50 Schafe und ein Pferd im Gesamtwerte von 29 Mark 4 Schilling verlor. In den Geldregistern der Burgvogtei Celle von 1631/32 und 1650/51 wird der Hof als Lücken und Lüdeken Hof bezeichnet. Später nannte man ihn nach dem Zwischenwirte Peter Braul, der ihn von 1640 bis 1665 verwaltete, B r a u l s  H o f  (b). - Wie ich schon ausführte, handelt es sich bei diesen und den folgenden Höfen um die Höfe, die wahrscheinlich nach dem Brande im Lüneburger Erbfolgekriege durch anderweitigen Aufteilung der vorhandenen Äcker neu entstanden sind. 1438 werden sie wahrscheinlich noch nicht lange bestanden haben, gaben sie doch nur den geringen Schatz von 1/2 Gulden (=12 Schilling), obwohl sie später als Vollhöfe galten.

L a n g e  -  A l b e r d , der auch 1/2 Gulden Schatz entrichtete, scheint auf D r a l l e n   H o f e  (d) gesessen zu haben. Der Name Dralle ist von 1600 bis 1747 auf dem Hofe nachweisbar. In diesem Jahre starb der letzte Dralle.

Der Name S a n d m a n   kam von 1438 bis 1742 auf D r ö g e  -  m ü l l e r s   H o f e (e) vor, wo er im Mannesstamme ausstarb, Der Hofname ist auf Johann Heinrich Drögemüller zurückgeblieben, der in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts den Hof besaß.

H i n r i k   L e y f e r d e s  ferner wird der Inhaber von B e c k m a n n s   H o f e (f) gewesen sein, der im 14. Jahrhundert "bekelighes haue" (= am Bach liegender Hof) genannt wird. Der Hofname Beckmann kommt schon im 17. Jahrhundert vor.

Im Hausbuche der Burgvogtei Celle von 1664 wird zum Beispiel der Hofinhaber Lüdeke Leiffers auch Lüdeke Beckman genannt. Die Familie Leiffers scheint nach den vorliegenden Nachrichten mindestens von 1438 bis 1875 auf Beckmanns Hofe gesessen zu haben.

H e y n e   L u m a n schließlich, der als letzter Bauer 1/2 Gulden Schatz entrichtete, muß auf W e s t p h a l s   H o f e (g) gesessen haben. Dieser Hofname ist auf einen gleichnamigen Besitzer aus dem 19. Jahrhundert zurückzuführen.

Die zweithöchste Abgabe zahlte 1438 L u t z e k e m a n, nämlich zwei Gulden. Lutzkemann war wahrscheinlich ein Nachkomme jenes "Luttzemannes to gertzen", der im erwähnten Schadenregister von 1377 vorkommt. Auch dieser saß nach dem Vieh, das er verlor, auf einem großen Hofe. Vielleicht ist der Name Lutzekemann irgendwie mit jenem Luczeke in Verbindung zu bringen, der damals Grundherr des Meierschen Hofes in Ohe war, sei es , daß es sich bei Luczeke und Lutzekemann um ein und dieselbe Person handel, oder sei es daß der erste der Grundherr des zweiten war. Diese letzte Möglichkeit halte ich für die wahrscheinlichste. Lutzekemann könnte hiernach der Bauer auf L e i s '   H o f e (c) (Kürzung von Leifer(t)) gewesen sein.
Das ist um so wahrscheinlicher, als dieser Hof ein sogenannter Junkerhof war. Ob die Herren v. Hodenberg, die die Grundherren vom Leis' Hofe (c) waren, die Rechtsnachfolger der Luczeke waren, konnte ich nicht ermitteln. Der Hofname Leis' ist eine Abkürzung aus Leiferts, welche Familie den Hof jahrhundertelang innehatte.

Der Bauer L u d e r   Z o n e m a n  gab 1 1/2 Gulden. Sein Hof muß also etwas kleiner gewesen sein als der Leis' Hof. Vermutlich war er der Inhaber des O h m s c h e n   H o f e s (h). Das wird der Hof gewesen sein, der in der erwähnten Urkunde des Herzogs Otto das Kind 1248 als Besitz des Klosters Wienhausen genannt wird, und der nach dem Geld-, Zehnt- und Fruchtregister dieses Klosters gegen Ende des 13. Jahrhunderts Abgaben an das Kloster entrichtete. Diese Abgaben erhielt später bis zur Ablösung die Amtsvogtei Eicklingen vom O h m s c h e n  V o l l h o f e   (h). Der Hofname erinnert an Heinrich Ohms, der den Hof in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besaß.

Den höchsten Schatz - drei Gulden - gab  H e n n e k e    Z o n e m a n .  Den Hof, auf dem er saß, nennt man S o h n e m a n n s   H o f  (i). Henneke Zoneman wird im Schatzregister als "Soltowens meyger" bezeichnet, obwohl die Familie Soltau damals keinen Hof mehr in Garßen besaß. Ein "Siuerd Soltowe" war aber in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wie uns das Lüneburger Lehnregister verrät, mit einem Hofe in Garßen belehnt. 1360 und 1368 wird das Lehn im Lüneburger Lehnregister nicht wieder erwähnt. Es scheint in die Hände der Herren v. Medingen gekommen zu sein; denn, wie ich später ausführen werde, verkauften 1407 die Herren Jordan und Wasmut von Medingen ihren Hof in Garßen an das Hospital "Zum Heiligen Geist vor Celle" (heute Str. Georg).

Der Bauer  K e r s t e n   H u k e s h o l l ,   der nur 4 Schilling Schatz entrichtete, muß Inhaber des späteren   U e t z m a n n s c h e n  H o f e s  (m) gewesen sein. Dieser Hof war sowohl der Kirche zu Groß Hehlen als auch dem Herzog von Celle pflichtet. Aus der Lage des Hofes zur Weide geht hervor, daß er zu den ältesten Kothöfen gehört. Auch aus der Lage seiner Äcker ist das zu schließen, die mit denen der Vollhöfner zusammen in den Gewannen lagen. Der geringe Schatz von 4 Schilling läßt sich dadurch erklären, daß der Hof früher kleiner war als heute. Das zeigen auch die großen Ackerbreiten, die der Hof "in den Hutten" besaß, einer Feldflur, die offensichtlich erst spät urbar gemacht worden ist. Sie lag am Rande der Feldmark, weitab vom Dorfe.

Der einzige Bauer, der eine Mark - das waren 16 Schilling - Schatz entrichtete, war   S a l g e .  Er zahlte also viel mehr als Hukesholl. Sein Hof muß daher auch größer gewesen sein. Ich vermute deshalb, daß es sich bei Salges Hof um   H o r n b o s s '    H o f   (n) handelt, dem größten Kothofe in Garßen. Dieser Hof trägt seinen Namen von der Familie Hornbostel, die ihn während mehrerer Jahrhunderte innehatte. 1438 wird zwar unter Garßen kein Hornbostel genannt, doch kommt dieser Name einige Jahre vor 1438 in dem Zinsregister der Sluterie Celle als Horneborstel vor. Salge war vermutlich nur ein Zwischenwirt. Horneborstel gab dem Herzog damals 1 Mark oder 16 Schilling Hofzins. Den gleichen Hofzins zahlten schon 1381 "Kort" und 1664 Kotsasse "Lüdeke Horenborstel". Da der Hofzins in der Regel nicht erhöht wurde und auch sonst ein solcher in Garßen in der gleichen Höhe nicht wieder vorkam. müssen alle drei Bauern auf demselben Hofe gesessen haben. Alle Äcker dieses Hofes lagen in den Gewannen der Höfner. Ich schließe daraus, daß er der älteste Kothof in Garßen war.

Nun bleibt noch   N y g e m a n übrig. Wie aus dem Namen hervorgeht, war er der jüngste Siedler in Garßen. Auch die Bezeichnung "pauper" (arm) spricht dafür und ebenso der geringe Schatz von 4 Schilling, den er geben sollte. Da 1664 der Kotsasse Bruno Heine - sein Hof wird später als Brinksitzerstelle bezeichnet - von allen Kötnern am wenigsten Land besaß, wird Nygeman auf   H e i n e n e n   H o f e  (o) gesessen haben. Fast sämtliche Äcker dieses Hofes lagen in zwei großen Blöcken im Gasseln Loh. Wie der Name andeutet, stand hier einmal ein Garßener Wald. Ich vermute, daß seine Eichen dazu dienten, Garßen nach dem Brande von 1377 wieder aufzubauen. Diese Flur, die ganz am Westrande der Garßener Feldmark liegt, beweist, daß Heinen Hof eine verhältnismäßig späte Siedlung ist.


15. Die Entstehung der Halbhöfe

In dem alten Hausbuche der Burgvogtei Celle von 1664 sind unter Garßen 18 Höfe aufgeführt: acht Vollhöfe, drei Halbhöfe, drei Kothöfe, darunter Heinen Hof (o), der später als Brinksitzerstelle bezeichnet wird, die Ziegelkote und drei Brinksitzerstellen, während das Schatzregister von 1438 - wie wir gesehen haben - nur die Namen von 12 Garßener Bauern enthält. In der Zeit von 1438 bis 1664 sind also sechs neue Höfe entstanden.

1664 war ein Vollhof weniger da als 1438, dafür aber drei Halbhöfe. Da darf man wohl vermuten, daß die Halbhöfe durch Teilung von Vollhöfen entstanden sind. Eine Urkunde vom 11. November 1407, die im Archiv der Stadt Celle aufbewahrt wird, bestätigt dies. Nach dieser verkauften die Herren Jordan und Wasmut v. Medingen - Vater und Sohn - ihren Hof in Garßen für 26 Mark Lüneburger Währung an das Hospital Zum Heiligen Geist vor Celle, das man später St. Georg nannte. Auf der genannten Urkunde befindet sich - vermutlich aus dem 17. Jahrhundert - folgender Vermerk: "Brieff vber die beiden Halbhöffe zu Garssen". Aus diesem Vermerk geht hervor, daß der Hof in zwei Halbhöfe geteilt worden war. Da seit 1569 in den Kalandsrechnung, die auch im Städtischen Archiv lagern, die beiden Halbhöfe Sohnemanns Hof (i) und Uhlen Hof (l) unter der Überschrift "Lehn Str. Georgii", d. h. Lehn von Str. Georg, aufgeführt sind, kann es sich nur um diese Höfe handeln. Daß Henneke Zonemans Hof 1438 als Soltowscher Meier und nicht als Medingscher Meier bezeichnet wird, spricht m. E. nicht dagegen. Bekanntlich pflegten die Schreiber früherer Jahrhunderte, wie auch die von heute, sehr oft die Namen, die sie in den alten Listen fanden, in die neuen zu übertragen. Wann der Hof geteilt wurde, ist nicht genau festzustellen. Die Teilung muß aber zwischen 1438 und 1569 geschehen sein. Die Ländereien der beiden Höfe lagen vor der Verkoppelung vielfach nebeneinander. Auch hieran ist die Teilung zu erkennen.

Auch L e i s '    V o l l h o f  (c) wird geteilt worden sein. Durch Urkunden ist es leider nicht zu beweisen. Doch lassen sich aus der Flurkarte von 1856/57 Schlüsse ziehen. Nach dieser lagen die Ackerstreifen des Hofes in vielen Gewannen neben den Ackerstreifen des Alten Krughofes (k) oder beide Höfe besaßen Teile dieser Ackerstreifen, die man durch Querteilung gewonnen hatte. Weiter spricht für die Abtrennung des Alten Krughofes (k) vom Leis' Hofe, daß beide Höfe unter der Grundherrschaft der Herren v. Hodenberg Hudemühlen standen. Der Alte Krughof (k) war 1664 um ein Drittel kleiner als der Leis' Hof (c), zahlte aber fast die gleichen Abgaben an den Grundherrn. Während der erste Hof "eines für alles" 9 Taler 7 Schilling gab, entrichtete der zweite auch "eines für alles" 9 Taler 19 Schilling. Urkundlich wird der Krug zuerst um 1638/39 in der Groß Hehlener Kirchenrechnung erwähnt. Hiernach mußte der Krüger Carsten Leiffers zu Garßen einen Taler zum Bau des Kirchturmes und zum Erweiterungsbau der Kirche zu Groß Hehlen geben. Aber auch 1589 war der Krug wahrscheinlich schon da. Nach dem Viehschatzregister dieses Jahres bezahlte ein "Carsten Leiffers, Hanses sohn", 19 Schilling Viehschatz. Dieser scheint ein Bruder des "Lüdeke Leiffers, Hans sone" zu sein, der in dem gleichen Register aufgeführt wird, und der 5 Gulden 4 Schilling 4 Pfennig Viehschatz gab. Da nun dieser Lüdeke Leiffers im Viehschatzregister als erster unter Garßen steht und auch den höchsten Viehschatz entrichtete, ist anzunehmen, daß er auf dem Hofe saß, der damals der nördlichste des Dorfes war. Und das war Leis' Hof (c). Das bestätigt auch der an zweiter Stelle verzeichnete Name "Carsten Knop Ludke sohne", der damalige Inhaber des Gellermannschen Hofes (a), der, wie man auch aus der Flurkarte von 1856/57 schließen kann, damals der zweitnördlichste Hof war.

Nach dem Gesagten ist wohl mehr als wahrscheinlich, daß "Carsten Leiffers Hanses sohn" von 1589 ein Vorfahr des Krügers Carsten Leiffers von 1638/39 war, und daß er auf dem Alten Krughofe (k) saß. Aus dem verhältnismäßig geringen Viehschatz von 1589 ist zu entnehmen, daß der Krughof erst kurz vor dieser Zeit gegründet worden ist. Aus zwei Vollhöfen waren also ein Vollhof und drei Halbhöfe hervorgegangen.


16. Die Entstehung der Ziegelkote

Noch früher als die ältesten beiden Halbhöfe entstand wahrscheinlich die Ziegelkote. Sie wird zuerst in dem Lehnsbriefe vom 30. März 1574 genannt, der im Archiv der Stadt Celle aufbewahrt wird. Die Kirche zu Groß Hehlen belehnt darin den Bürgermeister und den Rat der Stadt Celle mit der Kotstätte zu Garßen, in welcher der städtische Ziegelmeister wohnte, und mit "einer Wisch uff den Breiten Wegen". Für die Kote hatte der Ziegelmeister bisher jährlich einen Zins von fünf Mariengroschen gegeben. In Zukunft sollten Wiese und Ziegelkote ein Erbzinsgut werden und dafür ein halber Gulden lübisch zu Michaelis jeden Jahres entrichtet werden. Starb der Bürgermeister, so mußte der Rat der Stadt Celle Kote und Wiese mit einem Gulden lübisch der Kirche zu Groß Hehlen beweinkaufen. Der städtische Ziegelmeister scheint schon lange vor 1574 in der Ziegelkote gewohnt zu haben. In den Celler Kalandsrechnungen wird "de tegelmester to garsen" schon in der Zeit von 1501 bis 1513 erwähnt. Vielleicht ist die Ziegelkote erbaut worden, als die Stadt Celle für ihren Ziegelmeister auf der sogenannten Ratsziegelei eine Wohnung brauchte. Wann das war, wissen wir nicht, doch darf man vielleicht das Jahr 1450 als Gründungsjahr annehmen. Es lag nun nahe, die Kote in Garßen da zu bauen, wo früher Hustedters Hof gestanden hatte, zumal auch dieser auf kirchlichem Grund und Boden errichtet worden war. Als der Ziegelmeister später bei der Ziegelei eine Wohnung erhalten hatte, wohnten die Ziegelknechte in der Kote. Wie das Hausbuch der Burgvogtei Celle von 1664 berichet, war das schon 1664 der Fall.

17. Die Brinksitzerstellen

Ungefähr gleichzeitig mit dem Alten Krughofe (k) ist wahrscheinlich ein dritter v. Hodenberg'scher Hof gegründet worden: V a l e n t i n s   H o f (p). Mit diesem Hofe beginnt der Bau der Brinksitzerstellen in Garßen. Es folgen noch   B a a r s   H o f (q) und   H e u e r s   H o f (r). Sie nahmen den freien Raum zwischen der Kapelle (K) und der Ziegelkote (v) ein. Die Hauswirte dieser drei Höfe werden zuerst 1610 in der Groß Hehlener Kirchenrechnung erwähnt. Bei den Ausgaben für die Erneuerung der kleinen Kirchenglocke findet sich folgende Eintragung:

          "78 sind Hausswird ins Caspel zu Helen vber all.
          75 derer so zu ihrem hoffe vnd Koten haben wisch land vnd ander eigenthumb.
          3 alss Heinrich Valtein, Heinrich Barss vnd Heinrich Döleke, sämbtlich zu Garsen so nichts zu ihren Koten haben." ...

Alle drei Brinksitzer besaßen also 1610 weder Land noch Wiesen. Ein Heinrich Valtein ohne die Ortsangabe Garßen wird übrigens schon 1600 in der Kirchenrechnung als Hauswirt des Kirchspiels genannt. Es handelt sich hier offenbar um den Garßener Brinksitzer gleichen Namens. War er nun der erste Besitzer der Kote? Das Viehschatzregister von 1589 nennt einen Heinrich Vhle (=Uhle), der 9 Schilling 6 Pfennig Viehschatz gab. Vielleicht war dieser der erwähnte Heinrich Valtein. Ich nehme es an, weil 1638/39, wie die Kirchenrechnung berichtet, ein Wilhelm Vhle Inhaber der Kote war. Heinrich Vhle wäre dann 1600 und 1610 mit seinem Hofnamen Valtein bezeichnet worden. Das war damals in Garßen üblich. Wie hätte der Pastor sonst die vielen Uhle und Leiferts in Garßen unterscheiden können! Der Hofname Valtein (Valentin) scheint von einem Vornamen zurückgeblieben zu sein.
Die 1610 genannten Brinksitzer Barss und Döleke kommen im Viehschatzregister von 1589 nicht vor. Da aber dieses Register einschließlich der ledigen Personen 19 Namen in Garßen verzeichnet, ist es immerhin möglich, daß die Brinksitzerstellen Bahrs Hof (q) und Heuers Hof (r) damals schon vorhanden waren. Sicher ist jedoch nur, daß sie 1600 bestanden; denn in diesem Jahre gab es im Kirchspiele Groß Hehlen ebensoviele Hauswirte - nämlich 78 - wie im Jahre 1610.


18. Die Anbauerstellen

Bis wieder eine Siedlung in Garßen entstand, vergingen seit der Gründung der jüngsten Brinksitzerstelle fast 200 Jahre. Das mag hauptsächlich an dem Widerstande der Bauern gelegen haben, die sich jeder neuen Siedlung widersetzten, glaubten sie doch, daß ihre Ackernahrung dadurch verringert würde.
Erst nach dem großen Brande von 1747, als Garßen fast vollständig umgestaltet worden war, gelang es einem Garßener Einwohner namens Lüdeke Wietfeld, die Genehmigung zum Bau eines Hauses zu bekommen. Die Baustelle lag unmittelbar südlich der wieder aufgebauten Brinksitzerstelle des Hans Hinrich Knop (Heuers Hof) (r). Der Meisterbrief für Lüdeke Wietfeld wurde im Jahre 1766 ausgefertigt. Auch wurde diesem auf dem Gasseln Loh 2 1/2 Morgen Heide zur Urbarmachung angewiesen.
Dieser ersten Anbauerstelle (s) folgten bald zwei andere. In dem "Contributions Catastrum" der Burgvogtei Celle von 1786 wird schon die Kote des Johann Hinrich Hanson erwähnt, zu der aber weder ein Hofplatz noch ein Garten gehörte. Später - vermutlich 1791 - wurde Johann Heinrich Rieckmann Inhaber dieser Kote (Rickmanns Hof (t)), heute besitzt ihn die Familie Effinghausen.
Marquards Anbauerstelle (u) - also die dritte - wurde erst nach 1817 durch Johann Heinrich Marquard gegründet.
Die beiden Anbauerstellen reihten sich im Süden an Drallen Hof (d).

19. Die Abbauerstellen

Die Siedlungen, die jetzt noch folgten, bezeichnete man als Abbauerstellen. Die erste baute Peter Heinrich Knoop aus Brauls Hofe (b), der sich am 15.12.1843 mit Marie Dorothee Lilie verheiratet hatte. Sein Schwiegervater, der Vollhöfner Casten Heinrich Lilie, trat ihm 1844 von seiner großen Hofstelle an der Südostecke einen Bauplatz von 44 Ruten Länge und 33 Ruten Breite ab.
Der zweite Abbauer war, soviel ich weiß, der Hausschlachter Heinrich Christoph Knoop, der am 19.4.1844 Marie Dorothee Garner als Frau nahm und dessen Vater ebenfalls aus Brauls Hofe stammte. Er baute sich 1852 am Hamburger Wege, an der Nordostecke des Dorfes, an.
Ihm folgten in demselben Jahre Johann Heinrich Baars an der Landstraße Celle - Lüneburg und Christian Gärner an der alten Heerstraße. An der gleichen Straße, aber weiter südlich, baute sich Hans Hinrich Knoop - heute Stradtmann - ein Haus. Eine ganze Reihe kleinerer und größerer Landstellen, aber auch Arbeiter- und Geschäftshäuser folgten nach. Sie alle aufzuführen, führt zu weit.

20. Die Kapelle

Die Kapelle steht fast mitten im Dorfe. Wie ich gezeigt habe, war das nicht immer so. Vor dem letzten großen Brande im Jahre 1747 schloß sie das Dorf im Süden ab. Doch reihten sich seit dem 16. Jahrhundert im Südwesten schon die Brinksitzerstellen an.
Die Kapelle ist aus roten Ziegelsteinen erbaut, die viel größer sind als sie heute unsere Ziegeleien brennen. Sie haben das so genannte Klosterformat, das nur für kirchliche Bauten bestimmt war. Auch die alten gotischen Spitzbogenfenster und der doppelte Spitzbogen des alten, zugemauerten Eingangs im Norden des kleinen Gotteshauses lassen ein hohes Alter erkennen. In die Westgiebelwand sind ungefüge Findlinge eingemauert. Strebpfeiler stützen die Außenwände. Das rote Ziegeldach trägt einen schlanken Dachreiter, in dem die Glocke hängt.
Sachverständige nehmen an, daß die Kapelle aus dem 14. Jahrhundert stammt. Das kann nach den geschichtlichen Ereignissen richtig sein, brannte doch Garßen 1377 ab. - Es war im Lüneburger Erbfolgekrieg. - Diesem Brande könnte vielleicht auch die Vorgängerin der heutigen Kapelle, falls schon eine vorhanden war, zum Opfer gefallen sein.
Der Verfasser der "Geschichte der Stadt Celle". Mittelschullehrer Clemens Cassel, vermutet, daß die Familie v. Medingen, die nachweislich von 1369 bis 1407 einen Hof in Garßen besaß, die Kapelle gestiftet hätte. Das ist möglich, doch leider nicht zu beweisen.
Urkundlich wird die Kapelle erst 1610 erwähnt, als die "neue Schule" - ich berichte darüber später - an die Kapelle gebaut werden sollte. Auch im alten Hausbuche der Burgvogtei Celle von 1664 ist von der Kapelle die Rede.
Als im Januar 1747 wieder der größte Teil des Dorfes in Flammen aufging, brannte das Kirchlein vollständig aus. Nur die Grundmauern bis über den Fenstern blieben stehen. Auch die Glocke schmolz. Zwei Jahre lang lag die Kapelle in Schutt und Asche.
Dann beauftragte am 24. Juli 1749 das Königliche Konsistorium in Hannover den Zimmermeister Wunsch in Celle mit dem Wiederaufbau. Er vollendete den Bau 1750. Die Kosten werden in der Kapellenrechnung der Rechnungsjahre 1749/50 und 1750/51 mit zusammen 260 Taler 9 Mariengroschen 2 Pfennig angegeben. Die Glocke wurde erst 1755 gegossen. Sie läutet noch heute zum Gottesdienste und zum Begräbnis; sie kündete auch im Sommer den Arbeitern auf dem Felde die Mittagsstunde an. Diese Glocke trägt die Inschrift:

         "Soli Deo Gloria" (Gott allein die Ehre)
         "Nach dem 1747 entstandenen Brande und der daher erfolgten Verschmelzung ist
           diese Glocke aves neu gegossen worden von Johann Meyer in Celle. Anno MDCCLV". (1755)

Da die Kapelle schon lange zu klein war, entschloß sich die Kapellengemeinde 1930 zum Umbau. Emporen wurden eingebaut und an der Westgiebelwand ein neuer Eingang geschaffen. Den alten Eingang an der Nordseite mauerte man zu. Schöner freilich wurde die Kapelle durch diese Umbauten nicht.

Um diese Zeit fand man auf dem Kapellenboden ein wertvolles Kruzifix, das aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen soll. Da es in der Kapelle nicht recht zur Geltung kam, bekam es leihweise die Kirche zu Groß Hehlen. Hier schmückt es heute die Nordwand.

Um die alten schönen Formen besser zur Geltung zu bringen, wurde die Kapelle 1939 gründlich erneuert. Hanna Fuess schreibt darüber am 13. März 1939 in der Celleschen Zeitung:

"Nachdem die Kapelle durch die Entfernung einer alten, wenig  schönen Scheune, die sie fast ganz verdeckte, freigelegt war,  wurde unter Aufsicht von Prof. Kanold, Techn. Hochschule Hannover, und des Provinzial-Konservators Dr. Deckert, Hannover, der junge Architekt Adolf Freiling, Celle, mit der Instandsetzung der Kapelle beauftragt. Die eingebauten Emporen wurden wieder auf ihre ursprüngliche Größe zurückgeführt, der Altar wieder an die Ostwand der Apsis gerückt und neu aufgemauert. Um das alte, der Gemeinde liebgewordene Altarbild wurde in den Sinnbildern der vier Evangelisten ein sinnvoller Rahmen geschaffen.

Eine wertvolle Bereicherung hat die Kapelle durch die Orgel erfahren, die anstelle des alten Harmoniums auf der Südempore von Paul Ott, Göttingen, gebaut wurde. Sie wird an ihren Türen wertvolle Gemälde tragen. Ihr Ton ist von großem Wohllaut, voll Kraft, aber durchaus den Raumverhältnissen der Kapelle entsprechend. Da leider die alte Balkendecke nicht wieder freigelegt werden konnte, hat die Schaldecke durch Prof. Hellinggrat, Hannover, eine feinabgestimmte Malerei erhalten, in deren Ornamentik als Mittelpunkt der Glockenspruch "Ehre sei Gott in der Höhe" sich wiederholt und die Schicksalsjahre der Kapelle in einem Spruchbande eingefügt sind.

Die Ehrentafel für die Gefallenen des Weltkrieges - 21 Namen, eine erschütternd hohe Zahl für das kleine Dorf - ist an der Nordwand eingelassen, unter ihr steht der Spruch, der für die Einweihungsfeier am Heldengedenktage ein wahres Echo im Herzen aller wachrufen wird:"Niemand hat größere Liebe, als daß er sein Leben läßt für seine Freunde".

Durch die Freilegung der Kapelle ist zugleich ein größeres Ziel erreicht, nämlich die Wiederherstellung des alten Dorfplatzes, der jetzt von den beiden Schulgebäuden und dem Jugendheim eingerahmt wird, und mit dem Blick auf den alten Ziehbrunnen, er gehörte früher zum alten Barsschen Wohnhause, seinen Abschluß findet und so der Dorfgemeinschaft wieder dienen möge."

Der Pastor zu Groß Hehlen hält in der Kapelle 12 mal im Jahre Gottesdienst ab. Die alten Leute, für die der Weg zur Kirche Groß Hehlen zu weit ist, haben so die Möglichkeit, einen Gottesdienst im Heimatdorfe zu besuchen. Schon das Hausbuch von 1664 berichtet hierüber:

          "Ueber alles so von dem Dorffe gereichet vndt Richtig
          ausgegeben wirdt, Bekombt der Priester zu Grossenhelen
           vom Dorffe einen Scheffel Rocken, undt Einen Scheffell
           Rauhen Habern wegen der Capellen in welcher er
           jährlich 12 mal nachmittage des Gottesdienst verrichten muss.
           Zu diesem Rocken und Habern geben die 2 Höfe von
           Horningshofe auch Ihr Theill".

Dieser Brauch ist also alt. Mindestens wird er seit der Reformation im Jahre 1531 bestehen.

Die Kapelle besitzt heute noch viele Ländereien, deren Ertrag dazu dient, sie in gutem baulichen Zustande zu erhalten. Im Hausbuche der Burgvogtei von 1664 werden 18 Stücke Feldland genannt. Davon hatte Hans Kiemann in Bostel 12 Stücke für 16 Schilling und Christian Osterloh zu Altenhagen zwei Stücke für 18 Mariengroschen Auf diesen Äckern konnten 21 Himten Roggen ausgesät werden.

Auch Barvermögen besaß die Kapelle früher. Sie pflegte es zu 5 v. H. Zinsen an die Bauern zu verleihen. So erhielt der Halbhöfner Hans Sohnemann zu Garßen 1677 95 Taler, für die er eine Wiese beim Allerbecksförd im Schweinebruche gekauft hatte. Im gleichen Jahre lieh Schulmeister Kunstmann in Garßen 40 Taler und am 29. April 1789 Heinrich Christoph Knoop, der das Krullsche Haus hinter dem Ratsteiche zu Klein-Hehlen gekauft hatte, sogar 200 Taler.

Im Süden und Osten der Kapelle schließt sich der alte Friedhof an. Seit dem Jahre 1926 aber werden die Garßener Einwohner auf dem neuen Kirchhofe bestattet, der 500 m östlich der Kapelle an der Nordseite der Straße Garßen - Alvern liegt.


21. Die Schule

Die erste Nachricht von einer Schule in Garßen erhalten wir durch das sogenannte "Grüne Buch" im Archiv der Stadt Celle (S.16). Am 12. Oktober 1610 ist auf Seite 48 verzeichnet:

          Auff anhalten der Geschwaren zu Garssen und Bostel
          ist ihnen zu behuef der neuen Schule so sie an die
           Capellen zu Chersen setzen wollen, ein Tausend
           Tachsteine Verehret."

Diese 1000 Dachsteine waren auf der nahen Ratsziegelei hergestellt und vom Rat der Stadt Celle gespendet worden. Da das "Grüne Buch" von einer neuen Schule spricht, darf ich wohl annehmen, daß auch vor 1610 schon eine Schule in Garßen vorhanden war. Wenn das neue Schulgebäude wirklich ein Anbau der Kapelle war, wie es heißt, so kann es nur an die Westgiebelwand gebaut worden sein. Vermutlich ist es 1747 bei dem großen Brande abgebrannt. Der damalige Schulmeister Kunstmann wandte sich im Februar jenes Jahres an die Königl. Regierung in Hannover und bat um die Genehmigung, die zum Wiederaufbau der Schule erforderlichen Gelder durch eine Sammlung aufzubringen. Da derartige Sammlungen damals üblich waren, wird ihm diese Bitte sicher nicht abgeschlagen worden sein. Das neue Schulhaus wurde 1888/89 wieder abgebrochen und ein neues erbaut. Es ist das alte Schulhaus, das heute noch steht.

Da auch die Geschworenen von Bostel den Rat der Stadt Celle 1610 um Dachsteine baten, ist anzunehmen, daß auch die Kinder aus Bostel die Schule zu Garßen besuchten. Das ist umso wahrscheinlicher, als die "Tabellarische Beschreibung der Burgvogtei Celle von 1770" bestätigt, daß die Einwohner von Hornshof, Bostel und der Ratsziegelei Ihre Kinder in die Garßener Schule schickten.

Die Garßener Schulmeister wurden in früheren Jahrhunderten schlecht besoldet. Das läßt ein Ausgabeposten in der Groß Hehlener Kirchenrechnung erkennen, in der es heißt:

          "Dem Schulmeister in Garßen, weil er sehr nohtürftig, geben 9 Mariengroschen".

Im Jahre 1770 erhielt der Schulmeister Polmann zu Garßen bei 36 Schulkindern 28 Taler 32 Groschen. Das war auch für die damalige Zeit nicht sehr viel. Im Nebenberuf betätigte sich Polmann deshalb als Imker.

Nach Beendigung des Weltkrieges im Jahre 1918 wuchs Garßen sehr, und mit ihm nahm auch die Zahl der Schulkinder zu. 1927 mußte infolgedessen ein zweites Schulhaus errichtet werden. Es steht auf der alten Valentinschen Hofstelle, welche die Gemeinde erworben hatte. Der Hofplatz dient heute als Schulplatz. Mit der neuen Schule bekam Garßen auch einen zweiten Lehrer.


22. Die kirchliche Zugehörigkeit des Dorfes

Wer in Garßen das Christentum verkündete, wissen wir nicht, nicht einmal, wann es eingeführt wurde. Aber wir können diesen Zeitpunkt wenigstens annähernd bestimmen.
Wir wissen, daß Garßen 990 im Gretingau lag und zum Bistum Hildesheim gehörte. Dieses gründete Ludwig der Fromme in seiner ersten Regierungszeit, wahrscheinlich schon 815 auf dem Reichstage zu Paderborn. Das Christentum wird - wenigstens äußerlich - schon damals in Ostfalen so weit verbreitet gewesen sein, daß Ludwig dem Bistume gleich von Anfang an eine bestimmt Anzahl Gaue zuteilen konnte. Zu diesen Gauen gehörte auch Gretinge. Das wird zu der Zeit gewesen sein, als der alte Wodanglaube nach und nach vom Christentume verdrängt wurde und die alte Begräbnisstätte auf dem Grauen Barge allmählich einging. Als dann die Kirche zu Beedenbostel erbaut worden war, pilgerten Garßens Einwohner zum Gottesdienste hierher, denn sie hatten einen weiten Weg. Auch mußten sie drei Bäche überschreiten: den Haberlandsbach, den Alvernschen Bach und die Aschau. Das war im Winter und bei Hochwasser nicht immer leicht, denn Brücken gab es hier damals noch nicht, sondern nur Furten und Stege Was es heißt, alte Stege zu überschreiten, kann nur der richtig beurteilen, der noch Stege kannte, wie sie noch um 1890 vor dem Postmoore über den Haberlandsbach und den Alvernschen Bach führten.
Als Stege dienten runde Baumstämme von ungefähr 20 cm Durchmesser, die man über den Bach gelegt hatte. Ein Geländer gab es nicht. Um sich zu stützen, benutzte man lange Stücke, die man nach dem Beschreiten des Steges wieder über den Bach zurückwerfen mußte, damit sich auch der Nachfolger ihrer bedienen konnte.

Im Winter und bei Hochwasser werden deshalb die Garßener nur selten zur Kirche gegangen sein. Das mochte dem kirchlichen Leben wenig dienlich sein. Besser wurden diese Zustände - es mag um das Jahr 1000 gewesen sein - erst, als Groß Hehlen eine Kirche erhalten hatte.
Der Weg von Garßen nach Groß Hehlen war nur halb so weit als nach Beedenbostel. Auch war nur der Vorwerker Bach zu überschreiten. Aber auch über den Steg dieses Baches zu gehen, soll gefährlich gewesen sein. "Gah nich ower dat Steg, süss kummt dei ole Heitmann" - das war ein alter Schäfer in Vorwerk - "un hoalt dick", so pflegte man noch vor 80 Jahren die Kinder vor dem Betreten des Steges zu warnen.
Wann Groß Hehlen eine Kirche erhielt, berichten uns die Urkunden nicht. Aber schon 1007 gehörten Garßen, Bostel und Lachtehausen, wie aus der alten Grenzbeschreibung des Bistums Hildesheim aus diesem Jahre zu schließen ist, zum Bistum Minden, während diese Dörfer noch um 990 zum Bistum Hildesheim gehörten. Es ist anzunehmen, daß Groß Hehlen schon 1007 eine Kirche besaß, hätte doch sonst die Änderung der Bistumsgrenze keinen Sinn gehabt. Erst rund 250 Jahr später wird urkundlich bestätigt, daß Garßen zum Kirchspiel Groß Hehlen gehörte. Es ist die Urkunde, die Herzog Otto das Kind 1248 ausstellen ließ, als er das Kloster Wienhausen mit neuen Gütern ausstattete und die alten bestätigte. Garßen gehört noch heute zum Kirchspiel Groß Hehlen. Auch der alte Kirchweg ist noch vorhanden. Nur Furt und Steg haben einer einfachen Brücke weichen müssen. Im Vorwerker Bach fließt heute längst nicht mehr so viel Wasser wie vor 1000 Jahren.


23. Die Gemeinheit

Wie in allen anderen Dörfern, so gab es auch in Garßen vor der Verkoppelung, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderte durchgeführt wurde, noch ungeteilten Besitz, den die Bauern gemeinsam nutzten, - mochte es nun Wald, Weide, Heide oder Moor sein. Aber schon in der fränkischen Zeit - das war um das Jahr 800 - soll diese gemeinsame Bewirtschaftung aufgehört und die Höfner das vorhanden Ackerland unter sich verteilt haben. Die Flur, die nun ungeteilt übrigblieb, nannte man Almende oder auf dem Lande einst Gemeinheit, weil sie allen Bauern gemeinsam gehörte.

Da aber Garßen, wie schon die hohe Zahl seiner Ackerstreifen, die vor der Verkoppelung vorhanden war, verrät, viel älter ist als die Nachbardörfer Altenhagen, Bostel, Lachtehausen und Vorwerk, konnten seine Bauern die umliegenden Wälder und Weiden sicher viele Jahrhunderte lang ganz allein nutzen. Sie konnten ihre Rinder, Schafe und Schweine so weit treiben, wie es ihnen beliebte. Niemand hinderte sie daran, gab es doch weit und breit kein Haus, geschweige denn ein Dorf. Ebenso konnten sie auch in den umliegenden Mooren Torf stechen, wo sie wollten, und den Wald schlagen, wo es ihnen gefiel. - Zum Wald war der Weg nicht weit, das zeigt schon die Flurbezeichnung Gasseln Loh, die soviel wie Garßener Wald bedeutet. - Sie nannten ihn so, weil niemand da war, der ihn ihnen streitg machte. Ihr Vieh konnten die Bauern im nahen Schweinebruch und in den Hutten hüten.
Garßen war also in jeder Beziehung eine wirtschaftliche Einheit. Das heißt, es war wirtschaftlich von der Außenwelt unabhängig. Alles, was seine Bewohner zum Leben nötig hatten, erzeugten sie selber.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse Garßens änderten sich jedoch allmählich, als an der alten Heerstraße, die man 1060 Dietweg nannte, und die vom Süden her über Altencelle und Garßen nordwärts führte, neue Siedlungen entstanden: Bostel (1060: Buotenburstal), das heute nicht mehr vorhandene Berenbostel, Lachtehausen und Altenhagen.

Die Vergrößerung der Ackerfläche, die durch die zunehmende Besiedlung nach und nach entstand, führte zwangsläufig zu einer Verminderung des Waldes und der Weide in der Nähe der Ortschaften. Das zwang wieder die Bauern, ihr Weidevieh weiter zu treiben als bisher oder Bau- und Brennholz aus entfernten Wäldern zu holen. Man war aus diesem Grunde sogar gezwungen, die Außenschafställe vor Hornshof zu bauen.


24. Wirtschaftsgemeinschaft

Durch das Eindringen der Nachbarn in ihre Hude- und Weidegebiete kam es zwischen den Garßener Bauern und den neuen Weideberechtigten oft zu Streitigkeiten. Aber im Laufe der Zeit einigte man sich dann doch über die gemeinsamen Nutzungsgebiete, und es kam zu einer Wirtschaftsgemeinschaft oder Markgenossenschaft. Dieser wirtschaftliche Zusammenschluß führte schließlich auch zu einem politischen, zu einem Go. Die Wirtschaftseinheit Garßen bildete nun mit einer Reihe anderer Orte des Gaues Gretinge die Markgenossenschaft und später den Go Grete. "Oppe dem grete" wird sie in dem alten Schadenregister von 1377 und im Schatzregister von 1438 "De Ghreth" bezeichnet. Aus diesem Go wurde später - d. h. nach 1300 - die Amtsvogtei Beedenbostel.
Das Goding tagte vermutlich unter den Eichen im Beedenbosteler Grunde. Aber die alte Richtstätte lag auf dem Berghornsberge, an dem der alte Dietweg von 1060 vorbeiführte. Auf Duplats Karte von 1778, auf der Karte der top. Landesaufnahme des Kurfürstentums Hannover von 1779 und auf der Papenschen Karte von 1840 ist noch ein Galgen mit der Bezeichnung "Gericht" eingezeichnet.

Auch in dem Teile des Flottwedels, der nördlich der Lachte liegt, also in den Orten Altenhagen, Bostel und Lachtehausen, scheint sich erst eine Wirtschaftsgenossenschaft und später ein Go gebildet zu haben, der Go Moltbezi. Das alte Schadenregister aus dem Lüneburger Erbfolgekriege, das aus dem Jahre 1377 stammt, nennt noch einen Gogrefen in Bostel. Freilich, die ursprüngliche Tätigkeit aus Gaugraf wird dieser damals nicht mehr ausgeübt haben.

Als 1292 Herzog Otto der Strenge die neue Stadt Celle gründete, waren die beiden Goe Grete und Moltbezi - es können auch Gau-grafschaften gewesen sein - wohl nicht mehr in ihrer alten Ausdehnung vorhanden. Aber als dieser Herzog rund um seine neue Residenz als Verwaltungsbezirk die Burgvogtei bildete, löste er u. a. auch Garßen aus dem Goverbande und legte es zur Burgvogtei. Diese war mehr ein politisches als ein wirtschaftliches Gebilde.

Die neue Stadt Celle wuchs im Lauf der Zeit immer mehr und ihre Viehherden wurden immer größer. Deshalb waren die Stadtväter darauf bedacht, ihre wirtschaftliche Grundlage zu erweitern. Sie erwarben 1306 das Roland und suchten ihre Berechtigungen zu vermehren. Dadurch wurden die Weideverhältnisse in den umliegenden Ortschaften wesentlich beeinflußt. Schon 1447 konnte sich die Stadt vom Herzoge Friedrich beurkunden lassen, konnte sich die Stadt vom Herzoge Friedrich beurkunden lassen, daß sie zur Mastzeit ihre Schweine mit den Dörfern Garßen, Rebberlah, Altenhagen, Bostel und Lachtehausen in alle "Hölter" treiben durfte. Sie hatte auch das Recht, Schweineläger einzurichten. Auch im Schweinebruche und Rohrbruche erwarben die Bürger Berechtigungen. Sie durften ihre Kühe im Rohrbruche hüten und in der Mastzeit drei Schock Schweine in das Schweinebruch treiben. 1559 ließen sie sich das durch Zeugen aus den Dörfern bestätigen. Garßens Berechtigungen wurden auf diese Art sehr geschmälert. Wo sie ursprünglich allein berechtigt waren, mußten sich jetzt die Garßener Bauern die Mitberechtigung der Nachbardörfer und der Stadt Celle gefallen lassen.

Über die Garßener Berechtigungen bringt das alte Hausbuch der Burgvogtei Celle von 1664 folgende Angaben:

" G a r s s e n e r   H u e d e   u n d   W e i d e , gehet durch den gantzen Schweinebruch vor Gakenholtz, Alvern, nacher Ow, die Heide weide mit dazu genommen, gehet bei den Rehwinkell biss vor Rebberloh, undt wen das Korn auss dem Rolande, gehören sie mit den Schafen darein zu hüten.
Die Mastung gehet vor Rebberlah, dass gantze garsser holtz durch, im Schweinebruche biss vor Lachtehausen, an die Ow vnd in ihren Feldbüschen.
Die nottürfftige Feuerung gehöret Ihnen im garsser holtze, im Schweinebruche, im Kohlenbecke, Vorm Rehewinkell, Lessholtz zu holen, sonsten gehöret das Holtz I. F. Durchl."

Ungefähr die gleichen Berechtigungen besaß auch Hornshof, das - ich erwähnte es schon - seit alter Zeit zu Garßen gehörte. Im Hausbuch heißt es:

" D e r   H o r n i n g s s h ö f e r ,   H u d e ,   W e i d e ,   M a s t u n g   und   F e u e r u n g haben sie in Garsser holtze, Schweinebruche, und wie die Schnede nachher Rebberlah und Alfern gehet."

Auch das Brennholz erhielten die Garßener Bauern aus dem Garßener Holze. In späterer Zeit jedoch mußte es der Förster besonders anweisen. Auch ein geringes Stammgeld war dafür zu entrichten.


25. Generalteilung

Seit der Gründung der Brinksitzerstellen im 16. Jahrhundert und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war in Garen nicht gesiedelt worden, wie wir gesehen haben. In anderen Dörfern freilich ging es ebenso. Das lag hauptsächlich an den Bauern, die sich allen Siedlungsbestrebungen widersetzten. Sie gaben an, es sei unmöglich, die Gemeinheit weiter zu vermindern, da durch jede neue Siedlung ihre Anteile an der Gemeinheit geringer würden und sie schon jetzt ihren vielfachen Verpflichtungen an Abgaben und Diensten kaum nachkommen könnten.
Die Regierung aber wollte siedeln. Sie glaubte, dadurch die Staatseinkünfte zu vermehren. Am besten, so rechnete sie, würde sie ihr Ziel erreichen, wenn man die Gemeinheit aufteilte und jeder Bauer seinen bestimmten Anteil erhielte. Dann könnte der Boden besser genützt, ertragreicher und so auch steuerkräftiger gemacht werden. Auch würden die Bauern dann leichter Boden für Siedlungszwecke abgeben. Schließlich würden auch die vielen Streitigkeiten zwischen den Flurberechtigten aufhören. - Der Bauer aber war mißtrauisch. Er glaubte, bei der Aufteilung übervorteilt zu werden.
So verging die Zeit, zumal die Regierung auch nach Möglichkeit die Wünsche der Bauern berücksichtigen wollte. Zunächst mußten einmal die Berechtigungen festgestellt werden, welche die Bauern an der Flur besaßen, mochten es nun Holz-, Weide-, Torf- oder Streuberechtigungen sein. Auch der Staat als Forstherr mußte entschädigt werden.

Die Aufteilung der Nutzungsgebiete unter die Ortschaften, deren Bauern darin berechtigt waren, bezeichnete man als Generalteilung. Sie begann im Schweinebruch. Nach langen Vorbereitungen konnte am 16. Februar 1826 zwischen der Königl. Domänenkammer als Holzherr einerseits und der Stadt Celle, den Ortschaften Altenhagen, Bostel, Lachtehausen, Garßen, Hornshof, Ratsziegelhof, Alvern, Ohe und Gockenholz andererseits ein Teilungsvertrag (Recess) unterzeichnet werden.
Für Garßen zeichneten Heinrich Gellermann, Heinrich Christoph Garner und Hans Heinrich Heuer, für Hornshof Vollhöfner Hans Heinrich Knoop und für den Ratsziegelhof Ziegelmeister Hans Heinrich Leiffert.
Die Königl. Domänenkammer entsagte nach dem Vertrage auf ihr Forsteigentumsrecht im ganzen Schweinebruch, dessen Größe mit 2315 Morgen 60 Quadratruten angegeben wurden, und erhielt dafür die Hohewarte (164 Morgen groß) außer dem Rämen und Teilen des Großen- und Kleinen Bohlklintes mit allem Holze, das darauf wuchs. Außerdem erhielt sie für das Holz im Schweinebruch, das ihr gehörte, 200 Taler in grober Conventionsmünze.
Nun erst konnten die Berechtigten das Schweinebruch unter sich verteilen. Nach dem Generalteilungsrecess vom 2. März 1837 erhielt Garßen rund 787 Morgen, Hornshof 11 Morgen und der Ratsziegelhof rund 51 Morgen. Die Stadt Celle bekam nur 42 Morgen. Das kam daher, weil sie schon damals kein Weidevieh mehr besaß.

Schwieriger als die Aufteilung des Schweinebruches gestaltete sich die des Garßener Holzes. Außer Garßen und Hornshof waren auch die Dörfer Altenhagen, Bostel, Lachtehausen, Rebberlah und Habighorst, die Einzelhöfe Miele und Rehwinkel und der Forstort Kohlenbach hier mehr oder weniger weideberechtigt. Auch waren die Orte Garßen, Hornshof, Altenhagen, Bostel, Lachtehausen und der Forstort Kohlenbach berechtigt, ihr Bau-, Brenn- und Nutzholz aus dem Garßener Holz zu beziehen. Deshalb waren zunächst die Anteile der großen Zahl der Holzberechtigten genau zu ermitteln und aufzuzeichnen.
Zu diesem Zwecke wählte man 16.2.1847 den Landesbauinspektor Krüger und den Amtszimmermeister Schmidt in Celle als Bausachverständige. Diese stellten alsdann ein sogenanntes Gebäudekataster auf und berechneten für jeden einzelnen Hof, was ihm an Bau-, Brenn- und Nutzholz zustand. Hierbei berücksichtigten sie auch die Lebensdauer der einzelnen Gebäude eines jeden Hofes, Sie nahmen die Nutzungsdauer eines Wohnhauses mit 200 Jahren, eines Speichers mit 160, einer Scheune, eines Schafstalles und eines Backhauses mit 150 und eines Backofens mit 30 Jahren an. Das Alter der vorhandenen Gebäude wurde hierbei angerechnet.
Erst am 25. Februar 1852 konnten die Garßener Bauern das fertiggestellte Gebäudekataster anerkennen.
Mit den Vorbereitungen zur Abfindung der Weide-, Heide- und Plaggenhiebberechtigten verging noch ein Jahrzehnt. Der Rezeß hierüber wurde im März 1862 aufgestellt.
Als Abfindung für die Brennholzberechtigung erhielt Garßen rund 132 Morgen, außerdem für die Kapelle rund 1 Morgen und für die Schule fünf. Für die Weideberechtigung ferner bekamen Garßen und Hornshof 839 Morgen und für die Plaggenhiebberechtigung rund 40 Morgen. Als Entschädigung für die Mastberechtigung ihrer Bauern wurden für Garßen und Hornshof rund 198 Taler errechnet. Der Forstherrschaft verblieb nach der Abfindung der Berechtigten noch 2326 Morgen reine Forstkulturfläche.

Der größte Flächenraum, der unter die Berechtigten verteilt werden mußte, war die sogenannte Lange- und Kurze Heide, wozu auch der Arloh gehörte. Die Lange Heide war 4924 und die Kurze Heide 8330 Morgen groß. Der Vertrag (Recess) darüber wurde am 18. Dezember 1865 in Grünewald abgeschlossen. Garßen und Hornshof trugen den Löwenanteil davon. Beide zusammen erhielten in der Langen Heide 1448 Morgen und in der Kurzen Heide Garßen 3024 und Hornshof 486 Morgen.

Eins muß ich hier noch erwähnen. Die Dorfschaft Garßen besaß das Recht, auf den Hägerwiesen der Gemeinde Altenhagen ihr Hornvieh zu hüten, wenn die Wiesen abgeerntet waren (Nachweide). Für die Aufgabe dieses Rechtes erhielt sie nach dem Vertrage vom 30.6.1838 von den Hägerwiesen, die an das Garßener Hegerreer grenzten, sieben Morgen 20 Quadratruten zugewiesen.


26. Die Verkoppelung

Lange vor dem Abschlusse der Generalteilung begannen schon die Vorarbeiten für die Verkoppelung. So nannte man die Zusammenlegung der vielen kleinen Ackerstreifen eines Hofes zu wenigen, großen Koppeln in der Feldmark. Diese Arbeiten verfolgten den Zweck, bei der Bewirtschaftung Zeit und Arbeit einzusparen.

Gerade in Garßen war die Zerstückelung der Ackerfläche außerordentlich groß. Das hing sicher mit dem hohen Alter des Dorfes zusammen. Wie ich schon ausführte, teilte man im Laufe der Zeit mehrere Höfe. Das führte dazu, daß viele Ackerstreifen zerschnitten wurden.

Die Arbeit, die bei der Verkoppelung geleistet werden mußte, war sehr groß. Man begann damit, den Boden nach seiner Güte und seinem Nutzen für die Landwirte abzuschätzen und in Bodenklassen einzuteilen. Alle Grundstücke wurden vermessen. Auch wurde eine genaue Flurkarte hergestellt. Es ist die Karte von der Feldmark Garßen im Kreise Celle von 1856/57.
Bei den Verkoppelungsarbeiten ging man sehr gründlich zu Werke. Ohne die geringste Rücksicht auf Naturschönheiten zu nehmen, holzte man alle Feldbüsche erbarmungslos ab. Man legte in der Feldmark Koppelwege in solcher Zahl an, daß man jedes Stück Land von einem Wege aus erreichen konnte. So brauchte niemand mehr bei der Bewirtschaftung des Ackers auf seinen Nachbarn Rücksicht zu nehmen. Der Flurzwang hörte damit auf. Jeder konnte, um ein Beispiel zu nennen, von nun an pflügen und säen, wann er wollte und wie es ihm am besten paßte. Das war gegen früher ein unschätzbarer Vorteil. Mühe, Zeit und Geld, welche die Verkoppelungsarbeiten gekostet hatten, lohnten sich also. Auch der Aufschwung, den die Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren nahm, dankt sie zum großen Teil der Verkoppelung.


27. Die Grundherren

In der ältesten Zeit waren die Bauern in unserer Heimat frei und unabhängig. Doch im Laufe der Jahrhunderte änderte sich das. Um 1300 war der Bauer nicht mehr der Eigentümer seines Grund und Bodens, sondern nur der Nutznießer. Der wirkliche Besitzer des war jetzt der Grundherr.

Der Grundherr in Garßen, der die meisten Höfe besaß, war der Herzog. Aber auch die Kirche und Adelige traten als Grundherren auf. Wie uns das Wölper- und auch das Lüneburger Lehnregister berichten, belehnte der Herzog auch Adelige, die ihm Dienste leisteten, mit seinen Höfen.
Nach diesem Lehnregister war um 1300 Herr Arnold v. Müden (Her arnold van mudhen) mit zwei Höfen zu Garßen (twene houe to gersnede) belehnt. Doch nach dem Lüneburger Lehnregister von 1330 bis 1352 besaßen die Herren v. Müden kein Lehnsgut mehr in Garßen. Die Herzöge Otto und Wilhelm belehnten aber bald nach 1330 Siuerd Soltowe mit einem Hofe in Garßen (Siuerd Soltowe enen hof in hersne). Ich vermute, es handelt sich hier um einen der Höfe, die um 1300 Arnold v. Müden hatte. Später scheint dieser Hof an die Familie v. Medingen gekommen zu sein. Wie uns eine Urkunde im Archiv der Stadt Celle vom 30.7.1380 berichtet, hatte damals Wasmut v. Medingen Besitz in Garßen (Ghertzene).

1407 verkauften , wie ich schon mitteilte, die Herren Jordan und Wasmut v. Medingen - es waren Vater und Sohn - einen Hof in Garßen an das Hospital zum Heiligen Geist in Celle, das wir heute St. Georg nennen. Es handelte sich um den Hof, den 1438 Henneke Zoneman innehatte und der im Schatzregister dieses Jahres als "Soltowens meyger" bezeichnet wird.
Im 16. Jahrhundert finden wir diesen Hof, der inzwischen geteilt worden war, als St. Goergi-Lehn im Kalandregister eingetragen. Der Kaland, eine geistige Brüderschaft in Celle, hatte also die beiden Halbhöfe vom Hospital St. Georg als Lehn empfangen. Nachdem um 1530 die Reformation in Celle eingeführt worden war, übernahm die Stadt Celle mit den Kalandhöfen auch diese beiden Höfe.
Bemerkenswert ist, daß, wie uns das Hausbuch der Burgvogei Celle von 1664 berichtet, beide Höfe dem Herzog (S.F. Durchl.) "um die andere Reise" mit dem Gespanne dienen mußten. Daraus schließe ich, daß der Herzog ursprünglich der Grundherr des noch ungeteilten Hofes war und die Herren v. Medingen den Hof nur als Lehn erhalten hatten. Dagegen spricht allerdings, daß sie nach dem Lüneburger Lehnregister kein Lehn in Garßen besaßen. Die heutigen Besitzer der beiden Halbhöfe in Garßen sind Willi Bahrs (i) und Willi Gellermann (l).
Der zweite Hof, mit dem Arnold v. Müden 1300 belehnt war, ist vermutlich der, mit welchem die Herren v. Hodenberg Hudemühlen später belehnt waren. Wie das genannte Hausbuch von 1664 berichtet, mußte der Vollhöfner und Junkermann Heinrich Leiffers (c, Leis' Hof) dem Junker v. Hodenberg "eines für alles" jährlich 9 Taler 19 Schilling, Dienstgeld mit eingeschlossen, geben. Herr v. Hodenberg war hiernach Grundherr. Doch möchte ich auch hier annehmen, daß der ursprüngliche Grundherr der Herzog war.

Als Junkermann werden auch 1664 der Halbhöfner und Krüger Hans Leiffers (k) und der Brinksitzer Lüdeke Knoph (p) bezeichnet. Doch, wie ich schon erwähnte, sind beide Höfe durch Teilung des Leis' Hofes (c) entstanden.

Zwei Höfe in Garßen waren außer dem Herzoge auch noch der Kirche pflichtig. Der Vollhöfner Hans Sandmann (e, der seinen Hof dem Herzog beweinkaufen und ihm auch mit dem Spanne dienen mußte, war gleichzeitig verpflichtet, dem Priester zu Eldingen jährlich 20 Mariengroschen Hofzins zu entrichten.

Auch der Kotsasse Heinrich Wittenberg (m), der S.F. Durchl., wie es heißt, mit der Hand dienen mußte, war gleichzeitig verpflichtet, seinen Hof dem Priester zu Groß Hehlen zu beweinkaufen und ihm jährlich 12 Himten Roggen, eine Wurst und ein Brot zu geben. Auch mußte er einen Tag im Jahre für ihn mähen. Dieser Hof - es ist der sogenannte Uetzmannsche Hof - ist vielleicht der, welcher im 14. Jahrhundert der Stadtkirche zu Celle "den ewigen tins" (ewigen Zins) von 3 1/2 Schilling zahlen mußte; - heißt es doch in einer Nachricht aus dieser Zeit: "Auer van bekelighes houe to hersene 3 1/2 scillingk".

Der Pastor zu Groß Hehlen war schließlich auch Grundherr der sogenannten Ziegelkote, von der ich eingehend berichtete. Auch von dieser erhielt die Stadtkirche zu Celle im 14. Jahrhundert Zins: "Auer van husteders houe to ghersene 4 luneborgher scillinghe".

Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, daß Vollhöfner Heinrich Gerdener (h) Ohms Hof), der 1664 dem Herzog zu Spanndiensten verpflichtet war und ihm den Hof auch beweinkaufen mußte, der Amtsvogtei Eicklingen jährlich 8 Schilling Hofzins und der Probstei Wienhausen jährlich 12 Himten Zinskorn geben mußte. Der eigentliche Grundherr war also auch hier der Herzog. Es scheint dies der Hof zu sein, der nach einer Urkunde des Herzogs Otto das Kind von 1248 und nach dem ältesten Geld-, Zehnt- und Fruchtregister des Klosters Wienhausen um 1300 diesem Kloster zu Abgaben verpflichtet war.

Außer der Ziegelkote, die auf dem Grund und Boden der Kirche zu Groß Helen erbaut worden ist, scheint der Herzog ursprünglich Grundherr sämtlicher Höfe in Garßen gewesen zu sein.


28. Die Abgaben an den Grundherrn

Noch im 14. Jahrhundert gaben die Grundherren vielfach ihre Bauernhöfe auf Zeitpacht ab. Als Pachtzeit wählten sie die "Umtriebzeit der Dreifelderwirtschaft", meist drei, sechs, neun und zwölf Jahre.
Der Sachsenspiegel, das alte Rechtsbuch des 14. Jahrhunderts, sagt über die Bauern:

          "Hofleute und Meier, welchen man ein Gut austut, sind
          auf dem Gute gleich Gäste, kommen darauf und ziehen
          wieder davon nach des Erbherrn Willen und Geheiss".

Nach einer anderen Bezeichnung war der Bauer jener Zeit ein "Slicht Miethling". Heute würden wir Pächter sagen. Bewährten Bauern überließ man die Höfe auch wohl für längere Zeit. So entwickelte sich allmählich aus der Zeitpacht die Erbpacht und das Meierrecht.

Als Entgelt für die Nutzung des Hofes leistete der Bauer seinem Grundherrn Dienste und gab ihm ursprünglich auch von den Erzeugnissen des Hofes einen Teil ab, den Zins oder ähnliche Abgaben. Später bürgerte es sich immer mehr ein, diese Abgaben mit Geld zu bezahlen. Es waren dies alles Abgaben, die wir heute nicht mehr kennen.
Zunächst ist da der   Z i n s   und seine Abarten zu nennen. Daß er anfangs von den Erzeugnissen des Hofes gegeben wurde, geht aus einem Schatzregister aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts (nach 1409) hervor. Nach diesem Register gaben die Bauern des Kirchspiels Soltau als Zins Korn und Vieh, Rinder, Schafe, Schweine usw. ab. Auch Garßen wird hier keine Ausnahme gemacht haben, mußten doch im 17. Jahrhundert mehrere Bauern ihren Kornzins auf den Fürstl. Kornboden nach Celle fahren.

Auch für das   H o f s c h w e i n e   und   H o f r i n d e r g e l d ,  das vier Garßener Bauern geben mußten, wird man ursprünglich Schweine und Rinder abgeliefert haben, mußten doch am 23.10.1792 alle Bauern, die dem Grundherrn - damals war es der König - pflichtig waren, anerkennen, daß sie verpflichtet seien, Hofschweine und Hofrinder in natura zu geben.

Alle erwähnten vier Bauern, es waren

          "Peter Browl jetzo Ludeke Knoph" (b)
          "Hans Uhlen" (g)
          "Jürgen Gerdener auf Drallen Hoffe" (d) und
          "Ludeke Leiffers oder Beckman" (f)

gaben 1664 je 6 Himten Roggen   Z i n s k o r n ,  zwei Taler 8 Schilling für ein   H o f r i n d   und 1 1/2 Taler für ein   H o f s c h w e i n.

Wie aus dem Verzeichnis der Einnahmen auf dem Schlosse Celle von 1378/79 zu ersehen ist, entrichteten schon damals Bauern aus Bostel und Groß Hehlen - aus Garßen wird niemand genannt - für ein Hofschwein Geld, nämlich 3 1/2 Schilling. 1664 zahlte man also erheblich mehr dafür. Das Geld war inzwischen entwertet worden.

K o r n z i n s ,   und zwar 12 Himten Roggen jährlich, gab auch der Kotsasse und Pfarrmeier Heinrich Wittenberg (m) seinem Grundherrn, dem Pastor zu Groß Hehlen. Auch der Vollhöfner Heinrich Gerdener (h) lieferte jährlich 12 Himten Roggen   Z i n s k o r n   ab. Hier war die Probstei Wienhausen der Empfänger. Die Amtsvogtei Eicklingen erhielt von ihm ferner jährlich acht Schilling   H o f z i n s.

Bei manchen Bauern war der Hofzins schon früh in einen Geldzins umgewandelt worden. Trotz der Geldentwertung, die im Laufe der Jahrhunderte stattgefunden hatte, konnte dieser nicht erhöht werden. Deshalb standen sich die Bauern, die den Hofzins in bar entrichteten besser als die, die noch in Ware bezahlten.

Die beiden Bauern in Garßen, die nachweislich seit 1438 ihren Hofzins bar zahlten, waren nach dem Hausbuch von 1664

          Vollhöfner "Heinrich Knoph" (später hinzugefügt:) "nunc Gellermann" (a) und
          der Kotsasse "Luedeke Horenborstell" (n).

Der erste zahlte dem Fürsten jährlich 20 Schilling und der zweite sechzehn. Seinen Hofzins in bar gab auch 1664 der

          Vollhöfner "Hanss Sandtman" (später hinzugefügt:) "nunc Jürgen Leiffer" (e).

Er mußte 20 Mariengroschen an den Pastor zu Eldingen entrichten. Hierbei möchte ich noch erwähnen, daß man 1377 für 20 Schilling eine Kuh kaufen konnte, während man 1664 für dasselbe Geld nur vier bis fünf Pfund Butter erhielt.

Bei den beiden Höfen in Hornshof ist der   H o f z i n s   offenbar erst verhältnismäßig spät festgesetzt worden. Ich vermute, im 15. Jahrhundert, gelegentlich der Gründung des Kothofes. Der Vollhöfner Heinrich Knoph - de grote Hornshöwer genannt - zahlte 1664 1 1/2 Taler Hofzins und der Kotsasse Hanss Brauns 16 Schilling ins Burgvogteische Erbzinsregister. Der letztere entrichtete auch drei Schilling   W i e s e n z i n s.

Dieser   W i e s e n z i n s  stellte eine Abgabe für Wiesen dar, die man zum Schutz gegen das Weidevieh einhägen, d. h. mit Wall und Graben umgeben durfte. - Bei Brauns handelte es sich um eine "Beckwische" im Schweinebruch. -
In Garßen gaben damals zwei Bauern Wiesenzins: Kotsasse "Brun Heine" (später hinzugefügt:) "ietzo Hans Danneman" (o) 2 Schilling für eine Wiese vor Ohe und der Brinksitzer "Carsten Baarss" (q) ebenfalls 2 Schilling für eine Wiese beim Ziegelhofe.
1719/20 zahlten nach dem Erbzinsregister der Burgvogtei Celle sogar vier Garßener Bauern Wiesenzins: Hanss Müller (1) 2 Gutegroschen 2 Pfennig, Jürgen Hinrich Wittenberg (m) 2 Gutegroschen 2 Pfennig, Hinrich Bahrs (q) 3 Gutegroschen und Hanss Heine (o) 2 Gutegroschen 2 Pfennig.

Die beiden Halbhöfner Hanss Uhlen (1) und Hanss Sohnemann (i) gaben dem Rat der Stadt Celle 1664 27 Mariengroschen   C a l a n d s g e l d. Diese Bezeichnung rührt von dem Kalande her, einer geistlichen Brüderschaft, die von 1407 bis 1530 Grundherr dieser Höfe war. Um was für eine Abgabe es sich hier handelte, verraten uns die Kalandsregister im Archiv der Stadt Celle. Nach diesem Register erhielt der Kaland von jedem dieser beiden Höfe jährlich 16 Schilling lüb. oder 18 Mariengroschen   H a u s z i n s    und 8 Schilling lüb. oder 9 Mariengroschen für ein Fuder Holz, das diese Höfe in früheren Zeiten dem Kalande jährlich liefern mußten.

Von den sogenannten Junkerleuten zahlte der Vollhöfner Heinrich Leiffers als   Z i n s   und   D i e n s t g e l d   zusammen 19 Taler 19 Schilling, der Halbhöfner und Krüger Hans Leiffers (k) 9 Taler 7 Schilling und der Brinksitzer Ludeke Knoph (p) 28 Mariengroschen 4 Pfennig.

Seit dem 18. Jahrhundert - den genauen Zeitpunkt kann ich nicht angeben - erhob der Grundherr für urbar gemachtes Land den   R o t t z i n s.
Für eine Fläche Land, auf der ein Himten Roggen ausgesät werden konnte, nahm man einen Mariengroschen und einen Pfennig. In der Regel wurden nach der Rodung vier Freijahre gewährt. Nach dem Zinsregister von 1779/80 mußten Hans Hinrich Knoop (r) 4 Mariengroschen 4 Pf., Hans Knop (r) 6 Mariengr., Hans Jürgen Bahrs 6 Mariengr., Jürgen Dietr. Knop (p) 6Mariengr. und Lüdeke Wietfeld (s) 3 Mariengr. 6 Pfennig   R o t t z i n s   geben.

Auch   G a r t e n z i n s  wurde nach dem Zinsregister von 1779/80 entrichtet Hans Hinrich Bähre (später hinzugefügt:) "nunc Hans Sohnemann" mußte 4 Mariengr. 4 Pfennig zahlen. Ferner heißt es in diesem Register: "Lüdeke Wietfeld gibt lt. Befehls vom 5.12.1766 .......... von 1/2 Morgen Gartenland jährlich 1 Mgr. 4 Pf, ist aber 6 Jahre vom 1 März 1767 bis dahin 1773 davon befreit." Für alte Gärten wurde in Garßen kein Gartenzins erhoben.

Der Krüger Casten Bahrs (k) schließlich mußte 1779/80 auch noch   K r u g z i n s   geben, obwohl sein Krug nach dem Hausbuche von 1664 "sein eigen" war. Der Zins betrug zwei Taler.

Als Abgabe für den Grundherrn sind ferner auch die im Hausbuche von 1664 erwähnten   R a u c h h ü h n e r   anzusehen. - Wer Zins empfing, erhielt in alter Zeit auch ein Rauchhuhn.

Clemens Cassel, der Celler Geschichtsschreiber, vertrat daher die Ansicht daß der Bauer durch die Abgabe des Rauchhuhns seinem Grundherrn alle Jahre von neuem bestätigen mußte, daß die Stätte, wo der Rauch seines Herdfeuers aufstieg, nicht ihm, sondern seinem Grundherrn gehörte. - Wenn man bedenkt, daß vor einem halben Jahrtausend weder der Bauer noch sein Grundherr eine Urkunde lesen konnte, so hat diese Deutung des Rauchhuhns etwas für sich.

1664 und später mußten die Garßener Bauern aber nicht allein ein Rauchhuhn, sondern in der Regel mehrere Hühner geben. Nach dem Zinsregister von 1681/82 erhielt der Herzog von 6 Bauern in Garßen je drei Hühner: 1 Rauchhuhn, 1 May- und 1 Hoppenhuhn. Die Bauern waren: Heinrich Knops (a), Hanss Knops (b), Heinrich Dralle (d), Hanss Uhlen (g), Carsten Leiferdes (f) und Henning Horenborstell (n).
In Hornshof hab nur der Vollhöfner Heinrich Knop Hühner, und zwar 1 Rauchhuhn und 1 Mayhuhn.

1719 bezahlte man statt eines jeden Huhnes eine Abgabe von 3 Mariengroschen. Diese wurde jährlich zu Michaelis erhoben. Hingegen findet sich im Zinsregister von 1769/70 folgende Nachricht:

          "Für Rauch, May und Hopfen Hühner Garssen. Folgende
          müssen jährlich auf Osten anstatt eines jeden nachgesetzten
          Huhnes 3 Mgr. Inhalts Erbregister bezahlen,
          worin aber die Rauch- von der May- und Hopfen Hühnern
          differieren, auch ob solche auf Verlangen in natura
          erfolgen müssen, oder aber die Taxe verändert werden
          könne, darin ist keine Nachricht vorhanden. Hingegen
          geben die neuen Anbauer Wietfeld zu Garssen demnächst
          entweder 1 Rauchhuhn in natura oder dafür 3 Mgr. -d.
          In diesem Jahre ist zu berechnen.
                    Kristoph Gellern (a)                    9 Mgr.
                    Hinrich Christian Knop (b)         9 Mgr.
                    Johann Willers (g)                      9 Mgr.
                    Johann Christoph Lilie (d)          9 Mgr.
                    Jürgen Hinrich Leifer (f)          9 Mgr.
                    Lüdeke Garner (n)                       9 Mgr.

          Ludeke Wietfeld gibt lt. Befehls vom 5. Dez. 1766 ....
          jährlich ein Rauchhuhn oder dafür 3 Mgr. 3 Pf., ist
          aber 6 Jahre frei, also bis 1 May 1773.

          H o r n s h o f
          1 Rauchhuhn, 1 Mayhuhn - Hans Jürgen Knop - 6 Mgr."

Von allen anderen Höfen in Garßen und vom Kothof in Hornshof erhielt der Herzog nach dem Hausbuch von 1664 kein Rauchhuhn. Doch mußte von diesen Höfen der Vollhöfner Hanss Sandtmann (e) 1664 dem Priester zu Eldingen zwei Hühner geben. Der Pastor (Priester) zu Groß Hehlen erhielt von dem Kotsassen Heinrich Wittenberg (m) ein Huhn und der Rat der Stadt von den Halbhöfen des Hanss Sohnemann (i) und des Hanss Uhlen (l) je ein Rauchhuhn. Von den sogenannten Junkerleuten, dem Vollhöfner Heinrich Leifers (c), dem Krüger und dem Halbhöfner Hanss Leiffers (k) und dem Brinksitzer Ludeke Knoph (p) gab nur der letztere seinem Grundherrn, dem Herrn v. Hodenberg Hudemühlen, 2 Hühner. Bei den ersten zwei Junkerleuten mögen die üblichen Hühner wohl bei der Geldabgabe berücksichtigt worden sein.

Schließlich war auch das   B e w e i n k a u f e n   des Hofes eine Abgabe an den Grundherrn. Starb der Hofinhaber oder mußte er aus einem anderen Grunde den Hof abgeben, so mußte sein Nachfolger den Hof beweinkaufen, d.h. er mußte das Nutzungsrecht an dem Hof durch eine Abgabe erwerben. Diese richtete sich nach der Größe des Hofes. Die gleiche Abgabe hatte der Hofinhaber zu entrichten, wenn ein neuer Grundherr kam.

Was jeder einzelne Hof an Weinkaufsgeld bezahlen mußte, ist nicht bekannt, doch können hier einige Beispiel aufgeführt werden: Wie schon vorher berichtet, war der Rat der Stadt Celle nach dem Lehnsbriefhöfner Hanss Sohnemann zu Garßen, der vom 30.3.1574 verpflichtet, die Ziegelkote dem Pastor zu Groß Hehlen mit einem Gulden lüb. zu beweinkaufen. Ferner mußte der Halbhöfner Hanss Sohnemann zu Garßen, der am 23. Oktober 1604 den väterlichen Hof mit einem Schilling vom Rat der Stadt Celle empfangen hatte, versprechen, eine Vorheuer von vie Reichstalern "vff Fastelobent" zu geben. Nach dem Verzeichnis der Groß Hehlener Pfarrgefälle von 1732 - 1737 war der Hof des Pfarrmeiers Peter Hornbostel (m) verpflichtet, "bey Veränderung des Predigerlehns 1 Thlr 24 g zu geben". 1734 ist verzeichnet, daß der Hoferbe Wittenberg diesen Betrag bezahlte. Schließlich mußte auch, wie uns das Zinsregister von 1769/70 verrät, "bei Veränderung der Wirte in de Wietfeld'schen Kothe zu Garßen jedesmal ein Thlr. zum Weinkauf erlegt werden".


29. Die Dienste

Lästiger als alle Abgaben waren für den Bauern die Dienste, die er seinem Grundherrn leisten mußte. Die Vollhöfner und Halbhöfner waren nach dem Hausbuch von 1664 verpflichtet, dem Grundherrn - so oft er es verlangte - mit dem Gespann zu dienen, die Kötner und Brinksitzer hingegen mußten Handdienste leisten.

Seit wann diese Verpflichtung bestand, ist nicht bekannt. Jedoch geht aus einem Schatzregister aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts (nach 1409) hervor, daß die Bauern des Kirchspiels Soltau "denst" tun mußten. Näheres ist nicht angegeben. Auch das erwähnte Hausbuch von 1664 enthält noch keine näheren Angaben über die Dienste. Einzelheiten berichtet uns erst eine Verordnung des Großvogtes G. E. v. Hammerstein vom 25. Oktober 1681.

Vor dieser Zeit mußte, wie aus dieser Verordnung hervorgeht, jeder Vollhöfner - so oft er gefordert wurde - mit einem Pferde und einem Knechte, jeder Halbhöfner aber ums andere Mal, wenn er an der Reihe war, mit einem Pferde und einem Knechte zum Dienst kommen. Nach der neuen Verordnung, die am 13. November 1681 in Kraft treten sollte, wurde festgesetzt, daß ein Vollhöfner mit zwei Pferden und ein Halbhöfner mit einem Pferde wöchentlich nicht mehr als zwei Tage oder aber der Halbhöfner, wenn er zwei Pferde anspannen wollte, wöchentlich nur einen Tag dienen sollte. Ferner wurde bestimmt, daß ein Weg von ein bis zwei Meilen für einen Tag, ein Weg von drei bis viel Meilen für zwei Tage und ein Weg von fünf bis sechs Meilen für drei Tage zu rechnen sei. Auch über die Beladung des Wagens sind in der Verordnung nähere Bestimmungen enthalten.

Für jeden Diensttag mit 2 Pferden, den der Dienstpflichtige nicht dient, hatte er nach der Verordnung 3 Mariengroschen 4 Pfennig zu geben.

Damit sind die Bestimmungen der Verordnung aber nicht erschöpft. Es würde jedoch zu weit führe, sie hier alle aufzuführen.

Über die Handdienstpflichtigen sagt die Verordnung nicht. Auch ist nichts über die Vergütung gesagt, die nach dem Ablöserezeß vom 17. Oktober 1837 §2 für jeden in natura geleisteten Diensttag mit 2 Pferden aus der herrschaftlichen Kasse gezahlt wurde. Diese betrug täglich 2 Gutegroschen 8 Pfennig. Hinzu kam noch ein Pröven von 4 Pfennig.

Schon im ersten Halbjahre, also vom 13. Nov. 1681 bis 1. Mai 1682, leisteten die Garßener Spanndienstpflichtigen von 384 Spanndiensttagen nur 187. Das war nicht einmal die Hälfte. Für 197 Tage zahlten sie je 3 Mariengr. 4 Pfennig. - Mit der Zeit scheint es immer mehr üblich geworden zu sein, die Spanndienste bar abzugelten. Nach dem Zinsregister von 1719/20 zahlten die Garßener Spanndienstpflichtigen für   a l l e  Spanndiensttage.

Auch schon 1664 gab es in Garßen Höfe, die keine Spanndienste in natura leisteten. Im Ort selbst waren es die beiden v. Hodenbergschen Höfe, Leis' Hof (c) und der alte Krughof (k), und in Hornshof brauchte keiner Handdienste zu leisten. Er entrichtete dafür an den Burgvogt drei Taler jährlich, während der Vollhof diesem 10 Taler für die Spanndienste zahlte. Die genannten beiden v. Hodenbergschen Höfe gaben - wie schon berichtet - für Dienste und Abgaben eine Pauschale.

Was die Handdienstpflichtigen für nicht geleistete Handdienst zu zahlen hatten, ist nicht bekannt. Vor allen Dingen weiß man nicht genau, welche Entschädigung Hornboss Hof (n) und Uetzmanns Hof (m) dafür zu leisten hatten. Es wird vermutet, 3 Mark jährlich. Die Brinksitzer und Anbauer in Garßen gaben jedoch nach dem Zinsregister von 1799/1800 2 Taler jährlich.
Genannt wurden in diesem Jahre Hans Hinrich Grelle (o), Jürgen Rathmann (r), Lüdeke Wietfeld (s) und Johann Hinrich Hansons Witwe (t). Über Bahrs Hof (q) ist nicht gesagt.


30. Die Ablösung der Dienste

Das 19. Jahrhundert, das alle bäuerlichen Verhältnisse gründlich umgestaltete, brachte auch das Ende der dienstlichen Verpflichtungen. Den Grund dazu legten die Verordnungen vom 10. Nov. 1831 und die Ablösungsordnung vom 23. Juli 1833. Dienste und Zehnte - vom letzteren wird später berichtet - sollten hiernach in eine Geldrente umgewandelt werden, deren Wert dem Durchschnitt der letzten 24 Jahre gleichkam. Jeder einzelne Bauer konnte dann die Geldrente mit dem 25fachen Betrage ablösen.

Durch den Rezeß vom 17 Oktober 1837 kam dann zwischen der Königl. Hannoverschen Domänenkammer zu Hannover und den Spanndienstpflichtigen der Burgvogtei Celle ein Vergleich zustande. Die Domänenkammer verzichtete auf die Spanndienste und erhielt dafür von jedem Vollhöfner eine jährliche Rente von 15 Reichstaler Courant und von jedem Halbhöfner 7 Reichstaler 12 Gutegroschen. Die eine Hälfte der Rente sollte auf Martini und die andere Hälfte Maitag bezahlt werden. Als Beginn dieses Vertrages wurde der 1. Mai 1838 festgesetzt.

In Garßen schlossen diesen Vertrag die Vollhöfner Heinrich Drögemüller (e), Christian Heinrich Gellermann (a), Hans Jürgen Gärner Erben (h), Casten Hinrich Lilie (d), Jürgen Heinrich Leifert (f) und Johann Heinrich Leifert (g) sowie die beiden Halbhöfner Hans Sohnemann (i) und Johann Heinrich Knoop Erben (l) ab. Hinzu kam noch der Amtsgeschworene und Vollhöfner Heinrich Christoph Knoop (b), der als Bevollmächtigter den Rezeß mit unterschrieben hat.

Schon vor dem Inkrafttreten dieses Rezesses, am 14. April 1838, schloß die Königl. Domänenkammer mit sechs Höfner der Burgvogtei - in Garßen waren es nur die Vollhöfner Heinrich Christoph Knoop (b) und Christian Heinrich Gellermann (a) - einen Ablösungsrezeß ab. Die Königl. Domänenkammer entsagte vom 1. Mai 1838 ab den am 23.10.1837 festgesetzten Geldrenten, und die beiden genannten Vollhöfner in Garßen verpflichteten sich, jeder den 25fachen Betrag der Geldrente von 15 Talern Courant, also 375 Taler Courant, am 1.5.1838 als einmalige Abfindung zu zahlen. Sie zahlten pünktlich und hatten damit ihre Dienste abgelöst. - Ähnliche Verträge schlossen nach und nach auch alle anderen Spanndienstpflichtigen ab.

Die Ablösung der Handdienste und der Abgaben an den Grundherrn geschah in ähnlicher Weiser. Damit war der erste Schritt der Bauern zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit getan.


31. Der   Z e h n t e

Als Kaiser Karl den Sachsen das Christentum aufgezwungen hatte, führte er als Abgabe für die Kirche den   Z e h n t e n  ein. Das war der zehnte Teil des im Jahr geernteten Korns und des geborenen Viehes. Es war als Unterhalt für Kirche und Geistliche gedacht.

Rethmeier (I S. 151) sagt dazu:

          "Land-Tag zum Salz (gemeint ist: Großsalze bei Magdeburg) - ......
          Kaiser Carolus M. hat auch insonderheit verordnet,
           daß die Sachsen von ihren Äckern den Zehnten
          den Pfarr-Herrn und Kirchen jährlich geben sollten,
          was sie auch sonst für Alters an sonderlichen Freyheiten
          gehabt, die hat er ihnen confirmiret und bestätigt,
          auch im Nohtfall an das Reich zu appeliren nachgegeben."

Aber im Verhältnis zur Bevölkerung gab es in jener alten Zeit noch nicht viele Kirchen und Priester. Diese werden daher kaum imstande gewesen sein, den Zehnten von allen Dörfern einzuziehen und zu verbrauchen. So mag denn der größte Zeit des Zehnten in den Besitz der Gaugrafen übergegangen sein. Ob das durch Kauf oder aus anderen Gründen geschehen ist, soll hier nicht erörtert werden.

Im ganzen Gau Grete gab es 1051 nur eine Kirche, nämlich die zu Beedenbostel. Sie wird bei der Einführung des Zehnten sicher noch nicht vorhanden gewesen sein. Daher mag es gekommen sein, daß die Herzöge von Celle, die Nachfolger der Brunonischen Grafen, in Gretingen den Zehnten von den Garßener Bauern forderten. Wie uns das Wölper- und das Lüneburger Lehnregister bestätigen, belehnten die Herzöge oft ihre Getreuen mit dem Zehnten.

Für den Bauern war der Zehnte die lästigst und unbequemst aller Abgaben, durfte er doch nicht früher sein Korn einfahren, als bis der Zehnte abgefahren war. Da mag manches Korn wieder naß geworden oder gar verdorben sein, das sonst trocken hätte eingebracht werden können. Deshalb kann man sich nicht wundern, daß zwischen Bauern und Zehntherren Streitigkeiten über Streitigkeiten entstanden. Um diese nach Möglichkeit zu verhindern oder wenigstens zu vermindern, erließ der Herzog Georg Wilhelm zwei Zehntordnungen: die erste am 18. Juli 1685 und die zweite am 9. Januar 1692. Sie enthielten die Rechte und Pflichten der Zehntleute - so nannte man die Bauern.

Der Inhalt der Zehntordnung ist kurz folgender:
Sobald das Winterkorn oder das Sommerkorn oder eine Art des letzteren, nämlich Weizen, Hafer oder Gerste, des ganzen Ortes gemäht, in Stiegen aufgestellt und so trocken war, daß es eingefahren werden konnte, waren die Zehntleute verpflichtet, den Zehntherrn zu benachrichtigen und ihn zu bitten, das Zehntkorn abzuholen. Dieser mußte dann den Zehnten am nächsten Tage abfahren oder, wie man sich ausdrückte, ziehen. Geschah das nicht, so hatten die Bauern den Zehntherrn noch einmal zu bitten, den Zehnten abzufahren. War dies jedoch bis zum nächsten Tage, 12 Uhr mittags, nicht geschehen, so durften die Bauern den Zehnten selbst herausstellen und ihr eigenes Korn einfahren. War das Korn aber inzwischen vom Regen durchnäßt worden, so mußte der Zehntherr wieder benachrichtigt werden, wenn das Korn trocken war.

Man muß zugeben, daß dieses Verfahren sehr umständlich war und wohl kaum geeignet, ein gutes Zusammenarbeiten zwischen den Zehntleuten und dem Zehntherrn zu fördern.

Wollte der Zehntherr den Kornzehnten aus irgendeinem Grunde nicht selbst einernten, sondern ihn verpachten, so waren die Bauern eines Dorfes berechtigt, ihren Zehnten selbst zu pachten, wenn dem Zehntherrn dadurch kein Schaden entstand.

Für unredliche Handlungen waren Strafbestimmungen vorgesehen.

Außer für Korn mußte, wie ich schon erwähnte, auch noch für das Vieh der Zehnte gegeben werden. Man unterschied hier Fleisch- und Immenzehnten. Jedes zehnte Lamm, jedes zehnte Kalb, jedes zehnte Ferkel, das geboren wurde, und jede zehnte Gans erhielt der Zehntherr.

Nähere Einzelheiten über die Handhabung des Fleisch- und Immenzehnten enthalten die Geldregister der Burgvogtei Celle.
          Über die Zehntkälber heißt es darin 1769/70:
          "Die allergnädigste Herrschaft ist mit dem Kälber-
          zehnten in Garßen berechtigt, hat die Wahl in natura
          anzunehmen oder in Geld. Es haben die Untertanen bislang
          nach Inhalt ergangener Befehle vom 14.4.1686 für
          jedes Stück 6 d (Pfennig) bezahlet, welche sie frei
          ans Amt zu liefern schuldig sind."

Über die Zehntlämmer ferner ist 1799/1800 gesagt:
          "Mit den Zehntlämmern ist die allergnädigste Herrschaft
          in Garßen berechtigt. Jedoch entrichtet das Dorf
          Garßen den Zehnten von allem Vieh an die von
          Lüneburg u. von der Wense bis an die zwei Anbauer,
          den Brinksitzer Grelle und die Bewohner der Ziegelei-Kothen
          daselbst welche denselben an die Burgvogtei
          zu geben schuldig sind. Solcher Zehnte ist auf
          Pfingsten beschrieben und geben die Einwohner das
          10. Lamm. Die Herrschaft hat die Wahl, denselben
          in natura ziehen zu lassen oder an Gelde anzunehmen.
          14/15. April 1686 lt. Befehls. Solange es der
          gnädigsten Herrschaft beliebet, zahlen die Untertanen
          für jedes Stück 12 Mariengroschen. Was aber über
          oder unter die 10te ist, werden für jedes Stück 6 d
          (Schmalzehnten) bezahlt - 1687."

Über Zehntferkel steht im gleichen Register:
          "Fällig zu Ostern. Hans Hinrich Grelle (Garssen) und
          außer ihm sonst niemand gibt jährlich für ein Ferkel,
          er mag viel oder wenig haben, daher keine Nachzahlung
          geschieht, so er frei ans Amt zu liefern schuldig, ---
          9 mariengroschen (=8 Schilling)."

Im Zehntregister heißt es schließlich über Zehntimmen:
          "Diejenigen, welche Immen haben, geben jährlich
          statt des Zehnten laut Befehls des 5. Febr. 1689
          u. Rescripts vom 22. Febr. 1793 bis zur weiteren
          Verordnung, sie mögen viel oder wenig haben, 1 Thlr.
          und müssen die Untertanen das Geld frei ans Amt liefern.

          G a r s s e n
          1. Lüdeke Wietfeld (s) 1 Thlr.
          2. Kasten Heinrich Gellermann (a) 1 Thlr.

          H o r n s h o f
          1. Hans Jürgen Knoop 1 Thlr.
          2. Jürgen Dietrich Knoop 1 Thlr. "

Der Herzog - später der König - erhielt also nur von den beiden Höfen in Hornshof und in Garßen von Heinen Hof (o), den beiden Anbauerstellen (s u. t) und den Bewohnern der Ziegelkote den Zehnten. Alle übrigen Höfe mußten im Jahre 1800 den Zehnten mithin an die Herren v. Lüneburg und v. d. Wense geben.


32. Die Zehntherren

Ursprünglich müssen, wie schon erwähnt, die herzöge von Celle und ihre Vorgänger, die Brunonen, die Zehntherren von Garßen und Hornshof gewesen sein. Nach dem Lüneburger Lehnregister von 1330 bis 1352 belehnten die Herzöge Wilhelm und Otto den Ritter "euerd van Marnholte" u.a. mit dem halben Zehnten zu Garßen (den haluen tegeden to ghersene). Denselben halben Zehnten von Garßen erhielten vom Herzog Wilhelm 1360 "Jan van marnholte vnde syn broder" und 1368 "Harneyd van Marnholte". Die andere Hälfte des Garßener Zehnten trugen von 1330 bis 1352 "Diderc dageworde" (= v. Dagevörde), 1360 "Diederic Dagheuorde" und nach seinem Tode seine Witwe von den Herzögen zu Lehn.

Die Mitglieder der Familien von Mahrenholz und v. Dageförde, die später Zehntherren in Garßen wurden, sind nicht bekannt.

Mit Genehmigung des Herzogs wurde gelegentlich auch Handel mit dem Zehnten betrieben. So verkauften am 25. März 1505 Ludolf von Mahrenholz und sein Bruder Eberhard, der Domherr zu St. Blasien in Braunschweig war, ihren halben Korn- und Fleischzehnten zu Garßen (Gherssen) und Bostel für 474 rheinische Goldgulden an die Kommanditisten des Altars der Heiligen Elisabeth in der St. Annen-Kapelle in den Fischern (d.i. die Fritzenwiese) vor Celle und an die Vorsteher des Hospitals St. Annen.
Wann die Herren v. Mahrenholz ihren Garßener Zehnten zurückgekauft haben, weiß man nicht. Doch muß es nach 1540 gewesen sein; denn in diesem Jahr besaß St. Annen diesen Zehnten noch.

Aber im Jahre 1611 verkauften die Herren v. Mahrenholz ihr Gut in Klein-Eicklingen mit den dazugehörigen Höfen, Koten und Zehntrechten in Garßen, Bostel, Boye an die Herren v.d. Wense. Nach dem Lehnsbrief vom 27.3.1655 belehnte Herzog Christian Ludwig zu Celle Franz Otto v. d. Wense als Familienältesten mit den Mahrenholzschen Gütern. Dieser wurde so auch Zehntherr in Garßen. Die Familie v. d. Wense zu Eicklingen blieb nun im Besitz des Zehnten in Garßen bis die Garßener Bauern ihn 1840 vom Amts-Assessor G. v. d. Wense ablösten.

Die andere Hälfte des Zehnten besaßen die Herren von Dageförde zu Wathlingen bis sie mit Lambert Heinrich von Dageförde im Mannesstamme ausstarben. Ihr Gut in Wathlingen fiel nun mit allen Zehntrechten an den Herzog von Celle zurück, der der Lehnsherr war.

Bis 1634 ließ der Herzog das Gut durch einen Vertreter verwalten. Dann kaufte es der Herzog August für seine Gemahlin Ilse Schmiedichen und für seine Kinder, die den Namen v. Lüneburg erhielten. Auf diese Weise ging die Hälfte des Garßener Zehnten auf die Herren von Lüneburg auf Wathlingen und Uetze über. Der letzte Zehntherr aus dieser Familie war 1840, als der Zehnte abgelöst wurde, Hofrat v. Lüneburg auf Uetze.

Aber nicht den ganzen Garßener Zehnten hatte der Herzog von Celle als Lehn vergeben. Den Zehnten des Heineschen Hofes (o) und der beiden Höfe Hornshof hatte er für sich behalten. Die Bauern mußten ihn in seine Zehntscheune in Celle fahren.


33. Die Ablösung des Zehnten

Nach dem schon erwähnten Gesetz vom 10. November 1831 und nach der Ablösungsverordnung vom 23. Juli 1833 hatte die letzte Stunde des Zehnten geschlagen. Die Zehntpflichtigen waren jetzt berechtigt, die Umwandlung des Zehnten in eine jährlich zu zahlende Rente zu beantragen. Diese sollte nach dem durchschnittlichen Zehnten der letzten 30 Jahre berechnet werden.

Die Garßener Bauern, die Ihren Frucht-, Fleisch- und Bienenzehnten an den Amtsassessor v. Lüneburg auf Uetze und an den Amtsassessor v. d. Wense auf Klein-Eicklingen zu entrichten hatten, beantragten die Umwandlung.

Die Sache wurde vor der Ablösungskommission des Distrikts Celle eingehend verhandelt. Die Zehntpflichtigen Bauern bevollmächtigten den Amtsgeschworenen Knoop (b) und den Vollhöfner Heinrich Christoph Garner (c) und die beiden Zehntherren den Oberappellationsgerichts-Procurator Strampe aus Celle.

Am 5. September 1840 kam es dann zu einem Ablösungsvertrag (Rezeß). Die Zehntherren verzichteten vom Jahr 1840 an auf ihren Frucht-, Fleisch- und Bienenzehnten in Garßen, während die Zehntpflichtigen in Garßen sich bereiterklärten, am 1. Dezember jeden Jahres, und zwar vom 1. Dezember 1840 an, jedem der beiden Zehntherren eine jährliche Rente von 252 Talern 12 Gutegroschen zu bezahlen, also zusammen 505 Taler in Gold. - Unter dem Fleischzehnten verstand man den Zehnten von Lämmern, Kälbern, Ferkeln und Hähnen. -

Für den Ort Garßen wurden hiernach folgende Zehntrenten festgesetzt:
1. Heinrich Gellermann (a)
   von 153 Morgen 41 Quadratruten      53 Taler 21 G   3 d
2. Heinr. Christoph Garner
    von 127 Morgen 90 Quadratruten     43 Taler  3 G    8 d
3. Heinr. Christoph Knoop
    von 152 Morgen 14 Quadratruten     22 Taler  3 G     - d
4. Joh. Heinr. Drögemüller
    von 115 Morgen 84 Quadratruten     38 Taler 20 G   5 d
5. Hans Heinr. Sohnemann
    von 84 Morgen  5 Quadratruten       28 Taler 20 G    4 d
6. Hans Jürgen Garner
    von 101 Morgen 60 Quadratruten     34 Taler  13 G    9 d
7. Joh. Heinrich Leiffer
    von 108 Morgen 86 Quadratruten     37 Taler  13 G    9 d
8. Heinr. Christoph Baars
    von 92 Morgen   2   Quadratruten     31 Taler    3 G    9 d
9. Jürgen Heinrich Leifer
    von 107 Morgen 58 Quadratruten     36 Taler  14 G    6 d
10. Jürgen Heinrich Baars
    von 6 Morgen 64 Quadratruten           2 Taler    6 G    6 d
11. Jürgen Heinrich Graue
    von 5 Morgen 95 Quadratruten            1 Taler  19 G    8 d
12. Hans Heinr. Effinghausen
    von 102 Morgen 116 Quadratruten    32 Taler  13 G     - d
13. Hans Heinrich Heuer
    von 21 Morgen 19 Quadratruten          7 Taler  23 G    2 d
14. Joh. Heinrich Knoop
    von 83 Morgen 36 Quadratruten      28 Taler     1 G    8 d
15. Carsten Heinrich Lilie
    von 125 Morgen 8 Quadratruten       44 Taler     - G    2 d
16. Christian Hasselmann
    von 88 Morgen 55 Quadratruten      30 Taler   13 G     - d
17. Die Kapelle
    von 7 Morgen 77 Quadratruten          2 Taler    16 G    5 d

Von den beiden Zehntherren wurden hiernach zusammen 1483 Morgen 63 Quadratruten zehntpflichtiges Land mit 505 Talern jährlicher Goldrente abgelöst.

Der Zehnte, den der König von Hannover erhielt, ist bei dieser Rentenfestsetzung natürlich nicht berücksichtigt worden. Es ist dies der Zehnte der beiden Höfe in Hornshof, der Zehnte des Heineschen Hofes zu Garßen und der Rottzehnte der Brinksitzer, und Anbauerstellen. Sie wurden in ähnlicher Weise abgelöst.

Jeder einzelne Bauer hatte jetzt das Recht, seine Zehntrente mit dem Fünfundzwanzigfachen abzulösen. Mehrere Bauern lösten sie schon am 1. Dezember 1840 ab, dem Fälligkeitstag der ersten Rate. Es waren: Heinrich Gellermann, Heinrich Christoph Garner, Heinrich Christoph Knoop, Jürgen Heinrich Baars und Hans Heinrich Heuer.
Nicht jeder von ihnen besaß das Geld dazu. So liehen die nachstehenden Garßener Hauswirte zur Ablösung ihres Garener Zehnten am 18.3.1843 7000 Reichstaler von der Witwenkasse des Oberappellationsgerichts zu Celle:

1.
Vollhöfner Johann Heinrich Drögemüller
    und Ehefrau Marie Dorothee Leifer (e)
900 Taler in Gold
2.
Halbhöfner Hans Heinrich Sohnemann
    und Ehefrau Anna Cath. Baars (i)
575 Taler in Gold
3.
Die Garnerschen Vormünder
    Brinksitzer Hans Heinrich Heuer
    und Hans Heinrich Sohnemann (c)  
750 Taler in Gold
4.
Vollhöfner Heinrich Mundt (Wippermann) (g)
 825 Taler in Gold
5.
Kötner Heinrich Christoph Baars
    und Ehefrau Marie Dorothee Preer (n)
650 Taler in Gold
6.
Vollhöfner Jürgen Heinrich Leifert
und Ehefrau Cath. Marie Lühmann (f)
800 Taler in Gold
7.
Kötner Hans Heinrich Effinghausen
und Ehefrau Ilse Marie Magdal. Völcker (m)
700 Taler in Gold
8.
Die Joh. Heinr. Knoopschen Vormünder (p)
Brinksitzer Jürgen Heinr. Baars und
Häusling Hans Heinrich Knoop
600 Taler in Gold
9.
Vollhöfner Kasten Heinrich Lilie
Ehefrau Marie Dorothee Leifert (d)
500 Taler in Gold
10.
Halbhöfner Johann Heinrich Giere
und Ehefrau Cathar. hansen (fr. Hogrefe) (k)
700 Taler in Gold
 
Summe
7000 Taler in Gold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Geld wurde gegen Verpfändung der Höfe und das ganzen Besitzes der Eigentümer zu 3 1/2 % Zinsen, die in halbjährlichen Raten zu zahlen waren, geliehen.

Erwähnt werden soll noch, daß die Kapelle zu Garßen, die auch Land in der Altenhägener Feldmark besaß, den Fruchzehnten - es handelt sich um 5 Morgen 74 Quadratruten - vom 1. Dez. 1840 an in eine Geldrente von 3 Talern 4 Gutegroschen 11 Pfennig umwandeln ließ. Der Rezeß hierüber trägt das Datum vom 28.12.1839.

So war Garßen die lästigste aller Abgaben los.


34. Die Abgaben an den Landesherrn

Die Herzöge von Celle und später die Könige von Hannover erhielten nicht nur als Grundherren Abgaben aus Garßen, sondern auch als Landesherren.

Da war zunächst der   S c h a t z .    Darüber berichtet das Schatzregister von 1438:
D a t   K a s p e l   t o   H e l e n   T o   g a r s e n :
Heyne luman 1/2 Gulden - Ole luman 1/2 Gulden - Lange Alberd 1/2 g - Ludzekeman 1/2 g - Hinrik leyferdes 1/2 g - Nygeman 4 Schilling paup (=arm) - Henek zoneman 3 gulden soltow meyger - Kerstn Hukesholl 4 Schill. - Knop 1 gulden - Salge 1 mark - Luder zoneman 1 1/2 gulden - Sandman 1/2 gulden - Lampe 1 gulden.

Dieser Schatz wird nach dem Grundbesitz berechnet worden sein.

Ebenso scheint auch der Schatz (Plochschatt) berechnet worden zu sein, der 1511 erhoben wurde wie uns das Schatzregister dieses Jahres verrät. Unter Garßen (Vogedye der Sluterye) ist eingetragen:
Karsten Knop 2 guld. - Direk Wyttenberch 2 guld - Helmeke eykenroeth 2 guld - Ludke Danneman 8 s - Henneke Lampe 3 s - Henriek wyttenberch 2 guld - Hanss Hornebostel 1 guld - Ludeke Leyferth 2 guld -
und an anderer Stelle:
Karsten Knop 2 1/2 mr 2 1/2 s 2 d - Direk wyttenberg 3 mr 2 s - Helmeke eykenroth 1 mr 7 1/2 s 9 d - Lüdeke Danneman 6 s - Henneke Lampe p ? - Heinrick wyttenberg 2 mr. Hanss Hornebostel 1 mr. 8 d - Ludeke Leyferdess 3 mr 1 s 4 d.

Von dem   V i e h s c h a t z ,  den die Viehbesitzer - also auch die Hirten - geben mußten, berichtet das Viehschatzregister von 1589. Diese Abgabe betrug im einzelnen für 1 Pferd 2 Schilling, für 1 Rind einen Schilling, für 1 Schwein 6 Pfennig und für 1 Schaf und 1 Bienenstock je 4 Pfennig.

Die Eintragungen im Viehschatzregister für Garßen (und Hornshof) lauten:

Ludeke Leiffers Hanss sone 5 Fl. 4 Schill. 4 Pfennig (c)
Carsten Knop Ludke sohne 2 22 10 (a)
Carsten Knop Hanses sohne - 12 10 (a)
Ludken Leiffers Ludken sohne 3 19 4 (f)
Bartholomeus gardner 2 11 -  
Heinrich Sandtman der Alte 1 10 8  
Heinrich Sandtman der Junger 1 14 6  
Hanss Soneman 2 4 8 (i)
Henning Vhle 2 4 8 (l)
Carsten Knop zum Horningsshoue 4 19 10  
Claus Vhle 2 9 6 (g)
Carsten leiffers Hansen sohne - 19 - (k)
Carsten Wittenberg 1 6 10 (m)
Hanss Leiffers - 15 6  
Franz Hornebostel 2 6 - (n)
Heinrich Vhle - 9 6 (q)
Heinrich Hemme zum Horningsshoue - 20 -  
Hanss Braunss daselbst 1 3 6  
Heinrich Braunss Ledige Person - 11 8  
Hanss Lohmann - 11 4  
Carsten Kettelhodt - 8 8  
Hanss Wittenberg - 3 -  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den höchsten Viehschatz, der also über 5 Gulden betrug, gab hiernach Lüdeke Leiffers, der Sohn des Hanss Leiffers auf Leis Hofe. Eine weitere Steuer, die - soweit mir bekannt ist - zuerst im Geldregister der Burgvogtei Celle von 1631/32 erschien, war die   B e e d e.   Wie der Name schon andeutet, mußte sie anfangs von den Landständen erbeten werden. Man unterschied 1631/32 eine Beede "vff Bartholomai", eine "Maybede vff Walpurgis", eine "Vastelabents Bede" und eine "Bede vff Martinij". Diese letztere wurde jedoch 1631/32 nicht erhoben. Später wurde sie nur einmal im Jahr erhoben.

Auch 1689/90 wurde die Beede nur in drei Raten erhoben, also wie 1631/32 eine Fastnachts-, Walpurgis- und Bartholomäusbeede. Aber schon 1719/20 wurde die Beede nur einmal im Jahr in einer Rate erhoben. Ich wiederhole hier die Beede nach dem Erbzinsregister von 1729/30:

1. Casten Sandmann 16 g 4 d (e)
2. Christoph Gellern 16 g 4 d (a)
3. Lüdecke nunc Peter Knopff 16 g 4 d (b)
4. Hinrich Garner, Herrn Mann 16 g 4 d (h)
5. Hinrich Wesarge nunc Christian Bahrs 16 g 4 d (g)
6. Hinrich Dralle 16 g 4 d (d)
7. Jürgen Hinrich Leiffer 16 g 4 d (f)
8. Hans Hinrich Sohnemann 8 g 2 d (i)
9. Hanss Müller 8 g 2 d (l)
10. Casten Bahrs 4 g 4 d (k)
11. Hinrich Garner, J. Mann 5 g 2 d (c)
12. Hans Jürgen Horenbostell 8 g 2 d (n)
13. Jürgen Hinrich Wittenberg 8 g 2 d (m)

 

 

 

 

 

 

 

 

Die beiden Höfe in Hornshof zahlten die Beede nicht . Die oben aufgeführten Beträge änderten sich, wie es scheint, nicht. Sie wurden auch noch 1799/1800 erhoben.

Im Dreißigjährigen Kriege kam als Landessteuer noch die   K o n t r i b u t i o n   hinzu. Sie war ursprünglich für die Dauer des Krieges gedacht, wurde jedoch auch nach seiner Beendigung beibehalten. Als   M o n d g e l d   wurde sie noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhoben. Mondgeld wurde sie genannt, weil zwölfmal im Jahre, also jeden Monat, die Steuer fällig war.
Diese Steuer war äußerst drückend, zumal oft ein Vielfaches des ursprünglich festgesetzten Betrages (Simplum) zu entrichten war. Sie wurde nach dem Grundbesitz und nach dem Viehbestand berechnet, doch die Berechnung selbst änderte sich im Laufe der Zeit.

Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sind mir leider keine Nachrichten über die Höhe der Steuer bekannt geworden. Nach der Tabellarischen Beschreibung der Burgvogtei Celle von 1770 mußten die Garßener Bauern folgende Beträge zahlen:

1.
Jürgen Leiffer
16 Thlr.
21 Groschen
2.
Christoph Gellern
20 "
15 "
3.
Christian Knop
25 "
4 "
4 Pfennig
4.
Johann Rabe
16 "
18 "
5.
Johann Lilie
19 "
24 "
6.
Jürgen Hinr. Lieffer
15 "
9 "
7.
Johann Willers
16"
18 "
8.
Christoph Garner
21
30
9.
Hans Sohnemann
12
18
10.
Joh. Hinr. Leisenberg
14
12
11.
Hinrich Hanson
15
16
12.
Lüdecke Garner
16
15
13.
Wilh. Hövermann
13
21
14.
Hans Jürg. Baars
7
3
15.
Diterich Grelle
7
27
16.
Hans Hinr. Knop
4
5
17.
Jürg. H. Knop
6
2
18.
Ludecke Wietfeld
-
-
    249 Thlr. 7 Groschen  
In Hornshof entrichteten:
1.
Hans Jürgen Knop
(Grote Hornshöwer)
34 Thlr.
2.
Jürgen Dietrich Knop
(Lüttje Hornshöwer)
23 "
19 Schilling
1 Pf.
Also zusammen:
57 Thlr.
19 Schilling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Art der Berechnung ist aus der Tabelle von 1770 nicht zu ersehen. Diese verrät uns das "contributions Catastrum der Burgvogteil Celle" von 1786. Danach wurde der Einheitssatz (Simplum) der Kontribution für einen Monat wie folgt berechnet:

Jeder Vollhof mußte 4 Mariengroschen, jeder Halbhof 3, jeder Kothof einschließlich Heinenhof 2, jede Brinksitzerstelle einschließlich Wietfelds Hof 1 1/2 und jede Anbauerstelle 1 Mariengroschen geben.

Außerdem waren für die Länderein für jeden Himten Einfall 1/4 Pfennig und für jedes Fuder Heu 3 Pfennig zu entrichten.

Schließlich wurden noch für jedes Pferd 4 Pfennig, für jedes Rind 1 1/2 Pf, für jedes Schwein 1/4 Pf, für jedes Schaf 1/4 Pf und für jeden Bienenstock 1/2 Pf berechnet.

1786 wurde jeden Monat das Dreifache der so errechneten Sätze erhoben (Triplum).

Auch im Jahre 1820 wurde die Kontribution nach dem Ertrage berechnet, doch geschah es in anderer Weise. Hierbei wurden auch die Abgaben an den Grundherrn berücksichtigt und abgesetzt. So hatten 1820 die Garßener Bauern in Konventionsmünze zu entrichten:

1.
Vollh. Casten Heinr. Gellermann
12 Thlr,
21 Gutegr.
2.
Jürgen Heinr. Christian Leiffert
10 "
12 "
4 d
3.
Heinr. Christoph Knoop
11 "
11 "
4 "
4.
Heinr. Garner
10 "
1 "
9 "
5.
Hans heinr. Willers
nunc Heinr. Kobbe
10 "
12 "
8"
6.
Joh. Heinr. Lilje
12 "
22 "
10 "
7.
Christoph Leiffert
9 "
22 "
5 "
8.
Christoph Heinr. Garner
13 "
20 "
9 "
9.
Halbh. Hans Heinr. Sohnemann
8 "
13 "
3 "
10.
Peter Knoop
jetzt Chr. Bangemann
7 "
5 "
2 "
11.
Hans Heinr. Timme
jetzt Carst. Heinr. T.
9 "
23 "
4 "
12.
Köthner Lüdeke Baars
jetzt hans Jürg. Warneken
10 "
17 "
8 "
13.
Johann Heinrich Effinghausen
9 "
11 "
1 "
14.
Jürgen Heinrich Knoop
2 "
12 "
- "
15.
Brinks. Hans Jürgen Baars
4 "
4 "
4 "
16.
Brinks. Jürg. Rathmann
j. Hans Heinr. Heuer
2 "
9 "
1 "
17.
Christoph Knoop
4 "
3 "
7 "
18.
Heinr. Wietfeld Re.
- "
21 "
8 "
19.
Joh. Heinr. Rickmann
- "
21 "
2 "

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

35. Die kirchlichen Abgaben

Die Abgaben, die die Inhaber der Höfe an die Kirche oder ihre Diener zu geben hatten, dienten der Instandhaltung der Kirchlichen Gebäude und auch für den Lebensunterhalt des Geistlichen und des Küsters.

Wenn die kirchliche Neubauten zu errichten waren, wurden die Hauswirte des Kirchspiels zu besonderen Abgaben und Leistungen herangezogen. So mußte 1599 jeder von ihnen einen Gulden - das waren damals 27 Mariengroschen - zum Bau des neuen Pfarrhauses beisteuern und 1610, als die kleine Glocke neu gegossen wurde, in zwei Raten 60 1/2 Mariengroschen. Als mitten im Dreißigjährigen Krieg die Kirche zu Groß Hehlen um ungefähr das Doppelte vergrößert und ein neuer Kirchturm gebaut wurde, verlangte der Kirchenvorstand von jedem Hauswirt einen Betrag von einem Taler (= 36 Mgr.)

Es gaben in Garßen:
Lüdecke Beckmann (f), Lüdeke Vhle (g), Lü-deke Hornbostel (n), Henrich Gardener (h), Carsten Leiffers (b), Carsten Knop (a), Henning Leiffers (c), Hans Sandman (e), Carsten Leiffers, Krüger (k), Lüdeke Dralle (d), Henning Vhle (l), Hans Soneman (i), Henrich Wittenberg (m) und Wilh. Vhle je einen Taler, Bars Kote, die leer stand, gab nicht, Carsten Knop, Kötner (o) 27 Mgr., Eggeling Döleke (r) nichts und Henning Döleke in der Ziegelkote (v) 18 Mariengroschen.

In Hornshof
entrichtete "Alter Man" (d. h. Kirchenvorsteher) Hans Knop (Grote Hornshöwer) nichts, während Lüdeke Bruns (Lütje Hornshöwer) einen Taler geben mußte.

Ähnliche Abgaben gab es noch oft. Ich möchte hier nur noch ein Beispiel anführen:
Zum Neubau der Pfarrgebäude, mit Ausnahme des Backhauses, in den Jahren 1843 bis 1846, mußte jeder Hauswirt des Kirchspiels, also auch die Bauern von Garßen und Hornshof, 10 Taler geben und außerdem noch drei Taler für die nichtgeleisteten Spanndienste. Die Bauern waren also auch verpflichtet, der Kirche, wenn es nötig war, Spanndienste zu leisten.
Hierbei möchte ich noch erwähnen, daß die Bauern sogar für die Erneuerung und Instandhaltung des Pfarrhofzaunes zu sorgen hatten. Wie eine alte Skizze, die ich in den Pfarrakten gesehen habe, zeigt, war jedem Bauern früher ein bestimmtes Fach des Zaunes zur Instandhaltung zugeteilt.

Zum Unterhalt des   G e i s t l i c h e n   dienten neben Gebühren, die er für seine Amtshandlungen bei der Feier des Heiligen Abendmahles, bei der Taufe und bei der Beerdigung erhielt, die sogenannten Pfarr- oder Michaelisgefälle. Sie mußten, wie der Name andeutet, zu Michaelis bezahlt werden.
Von jedem Vollhof erhielt der Pastor, wie das Hausbuch von 1664 berichtet, einen Schinken, ein Brot und für jede Person, die am Heiligen Abendmahl teilnahm, also alle Konfirmierten, 1 Mariengroschen Opfergeld jährlich.
Auch der alte Krughof und der Kötner Lüdecke Hornbostel entrichteten diese Abgabe, während sie die beiden Halbhöfner Hans Sohnemann und Hans Uhle abwechselnd jedes zweite Jahr gaben. Der Kotsasse Heinrich Wittenberg jedoch mußte, wie es heißt, dem Priester zu Grossenhehlen 12 Himten Roggen, eine Wurst, ein Brot und ein Huhn geben. Der Kotsasse Hans Danneman (o) und die Brinksitzer Lüdeke Knop und Carsten Baarss zahlten jedoch nur 1 Mariengroschen Weihnachtsgeld und schließlich der Brinksitzer Eggeling Döleken nur 6 Pfennig jährlich.

Nach dem Verzeichnis der Pfarrgefälle von 1732 gaben die Bauern den Schinken nicht mehr in natura, sondern zahlten dafür 1 Taler. Nach diesem Verzeichnis gab auch jeder der genannten Bauern jährlich 2 Mariengroschen Kirchhofsgeld. Was es damit für eine Bewandtnis hatte, habe ich nicht ermitteln könne.

Über die Abgaben, die der Küster zu Groß Hehlen von den Garßener Bauern zu fordern hatte, hat uns der Küster Johann Christoph Brüggemann zu Groß Hehlen am 29. Juni 1753 eine genaue Aufstellung hinterlassen.
Nach dieser mußten alle Hauswirte dem Küster zu Michaelis 18 Mariengroschen Geld, einen kleinen Himten Roggen und der andere 18 Mariengroschen und ein Brot.

Über die Abgaben, die der Küster zu Groß Hehlen jährlich zu Michaelis von den Garßener Bauern zu fordern hatte, berichtet uns ebenfalls das erwähnte Hausbuch von 1664.
Anstatt des Schinkens, den der Pastor bekam, erhielt der Küster nur ein Schulterstück. Ferner bekam er ein Brot und einen Himten Roggen.
Die beiden Halbhöfner Hans Sohnemann und Hans Uhle gaben Abgaben "um das andere Jahr". Der Kotsasse H. Wittenberg dagegen hatte eine Wurst, ein Brot und 1/2 Himten Roggen zu liefern. Der Kotsasse Hans Dannemann (o) und die Brinksitzer Lüdeke Knoph und Carsten Baars schließlich brauchten dem Küster jährlich einen Mariengroschen zu entrichten.

Etwas genauer als das Hausbuch von 1664 bezeichnet der Küster Johann Christoph Brüggemann zu Groß Hehlen am 19. Juni 1753 in einer Aufstellung, die er "Obseruatines beim Küster-Dienste zu Grossen-Hehlen" nannte, die ordinären Einkünfte des Küsters. Nach dieser mußten alle Hauswirte zu Garßen und Hornshof, die dem Pastor zu Michaelis ein Schulterstück zu liefern hatten. dafür 18 Mariengroschen zahlen. Außerdem gaben sie ein sogenanntes Kaspelbrot, das 12 Pfund wiegen mußte, und einen kleinen Himten Roggen dazu. Die Halbhöfner Hans Müller olim Uhle und Sohnemann (i) teilten sich in der Abgabe. Der eine gab einen Himten Roggen und der andere 18 Mariengroschen und ein Brot. Im folgenden Jahr wechselten sie ab. Der sogenannte Pfarrmeier Höbermann, ol. Wittenberg lieferte 2 Metzen Korn, ein Kaspelbrot und eine Mettwurst, die zwei Pfund wiegen mußte. Die Abgabe von 1 Mariengroschen, welchen die drei kleinen Bauern entrichten mußten, erwähnt Brüggemann nicht.

Wie ich schon mitteilte, erhielt der Pastor zu Groß Hehlen für den monatlichen Gottesdienst in der Kapelle zu Garßen einen Scheffel Roggen und einen Scheffel Rauhen Hafer. Im folgenden will ich die Bauern aufführen, die 1732 an dieser Korngabe beteiligt waren:

G a r s s e n:
     
Gelder, itzo Ebeling
nichts
(a)
Gärtner Junker Mann
nichts
(o)
Peter Knopf
1 Ht. Roggen
1 Ht. Hafer
(b)
Sannemann
1 Ht "
1 Ht. "
(e)
Christian Baars
1 Ht "
1 Ht. "
(g)
Jürgen Gärtner Herr M
1 Ht "
1 Ht "
(h)
Hinrich Dralle
1 Ht "
1 Ht "
(d)
Leiffer, Krüger
1 Ht "
1 Ht "
(k)
Hans Jürg. Horn Bostel
nichts
(m)
Christian Leiffer
as Beckmann
1 Ht "
1 Ht "
(f)
Sohnemann
1 Ht "
1 Ht "
(i)
Möller
1 Ht "
1 Ht "
(l)
Peter Hornbostel
1 Ht "
1 Ht "
(n)
Hinrich Hornbostel
1 Ht "
1 Ht "
(o)
H o r n s h o f:
Hinrich Knop
1 Ht "
1 Ht "
(Grote Hornshöwer)
Knopf der Kötner
nichts
(o)
12 Ht. Roggen
12 Ht. Hafer

 

>
12 Ht. Roggen
12 Ht. Hafer