Alvern

1. Einleitung

Alvern gehört zu den ältesten Siedlungen in der Vogtei Beedenbostel. Bodenfunde aus der jüngeren Steinzeit in den Flurteilen, die nach Ohe zu gelegen sind, bezeugen die Annahme. Es ist möglich, daß sie in der Feuersteinschlagwerkzeugstelle entstanden sind, die nördlich von Ohe mit reichen Funden und sehr vielen Steinsplittern dicht hinter dem heutigen Lochte´schen Hof in Ohe von dem Siedler Stucke-Ohe entdeckt wurde.

"Alverdinge" von 1438 und "Alverdingk" um 1431 sind die ältesten Namensformen für Alvern, die wir kennen. Sie bestehen aus dem Personennamen "Alverd" und aus "inge" oder "ingk", welche die Abstammung von der Person Alverd anzeigen. Ursprünglich wird jedoch noch eine Siedlungsbezeichnung, vielleicht "-bostel" oder "-husen", vorhanden gewesen sein. Sie wird jedoch, was oft geschah, im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen sein.

Von den beiden Vollmeyerhöfen wird zwar nur der Hof von Kersten Tolcken in dem Verzeichnis vom Oktober 1431 und wiederum 1438 nur Ludeke Tölken erwähnt (Schatzregister der Großvogtei Celle). Es ist aber sicher, daß damals auch der zweite Vollhof bestand. Im Viehschatzregister erschienen beide, und zwar mit annähernd gleichen Steuersummen.

Flurgröße des Ortsteiles: 427 ha.

2. Der 1. Vollhof

Ältester Hofname: Der Thölken Hof, der sich erst spät, etwa im Anfang unseres Jahrhunderts, mit dem Namen der damaligen Besitzerfamilie änderte.

Besitzerreihe:
Vor 1431 Karsten Tolcken (Schatzregister der Großvogtei Celle)
1438 Ludeke Tolken (Schatzregister der Großvogtei Celle)
1589 Hinrich Tölcke (Viehschatzregister von 1589)
1606 Hinrich Tolcken (Musterrolle von 1606)
1649 Hinrich Tolcken (Kirchenchronik Beedenbostel)
1663 Heinrich Tölcken (Hausbuch der Amtsvogtei Beedenbostel)
1688 Heinrich Thölke (Abgabeliste der Amtsvogtei Beedenbostel)
1709 Heinrich Thölke (Geldregister der Amtsvogtei Beedenbostel)
1739 Heinrich Thölke (Geldregister der Amtsvogtei Beedenbostel)
1760 Jürgen Dieter Thölke (Geldregister der Amtsvogtei Beedenbostel)
1770 Johann Christoph Thöllke (Tab. Beschreibung 1770)
1789 Johann Christ. Thölke der Ältere (Geldregister der Amtsvogtei Beedenbostel)
1815 Carsten Heinr. Christ. Thöllcke (Hofesübergabe durch die Amtsvogtei mit Festsetzungen der Abfindung für die weichenden Erben)
1826 Carsten Heinr. Christ. Thöllcke (Kaufvertrag über Verkauf der Spörckenwiese an Friedr. Wilh. Veth in Gockenholz)
1847 Carsten Heinrich Thölke (Rezeß)
1868 heiratet der erste Helms (aus Altenebstorf stammend) ein. Es folgen 2 weitere Generationen diese Stammes, danach Frau Trinette Degenhardt, verw. Helms, ab 1.7.68 wieder an Helms zurückgegangen.

Besitz 1663/64 (Hausbuch der Amtsvogtei Beedenbostel): 60 Morgen Ackerland, 6 Wiesen von 10 Fuder Heu, 2 Gärten vom 4 Himpten Einsaat, 2 Immenstellen, eine nach Ohe hin und eine beim Hofe.

Besitz 1770 (Tabellarische Beschreibung): 178 Morgen Saatland, Brinkwiesen: 3 Fuder, Moorwiesen: 12 Fuder Heu, Gärten: 4 Hpt. Einfall, Grashöfe: 6, Immenstellen: 2, Holzung: Im Grashof Eichen und Tannen, Tannengehäge, Fuhren: 60 x 40 Ruthen, Pferdegehäge: 78 x 45 Ruthen Tannen.

Besitz nach dem Rezeß 1847: Hofstelle 3 Morgen 25 Rth., Gartenland 5 Morgen 65 Rth., Ackerland 168 Morgen 114 Rth., Wiesen 5 Morgen 42 Rth., Angerboden 106 Rth., zus.: 183 Morgen 12 Ruthen. (Man beachte das hervorragende Verhältnis von Ackerland und Gesamtfläche!)

Heutiger Besitz: 144,47 ha.

3. Der 2. Vollhof

Beumanns-Hof als ältester Hofname. Durch den Besitzerwechsel heute kaum noch gebraucht. (Der Mann, der im Boy siedelte oder von Boy kam.)

Besitzerreihe:
1589 Heinrich Beumann (Viehschatzregister 1589)
1606 Brun Boumann (Musterrolle 1606)
Zwischen 1606 und 1647 Heinrich Beumann
1647 dessen Witwe Magdalene, geb. Ahrberg
1647 - 1657 als Interimswirt Jürgen Willing aus Wuldthausen (Wolthausen) (Übergabevertrag an Willing im Kontraktenbuch der Amtsvogtei Beedenbostel Bd. 1 Seite 179)
1649 In der Kirchenchronik Beedenbostel wir als Zahlender Hinrich Baumann genannt.
1663/64 Heinrich Beumann (Hausbuch der Amtsvogtei)
1668 Hans Bäumann
1668 Albrecht Bäumann (Eheverschreibung f. seine Tochter Catharina als Vater der Braut)
1686 Heinrich Beumann (Kontraktenbuch Bd. 4 Seite 93)
1686/88 Heinrich Beumann (Geldregister S. 27)
1718 Albrecht Beumann (Kontraktenbuch Bd. 7 Seite 380)
1739/40 Albrecht Beymanns Witwe (Geldregister)
1744 Casten Beymann (Kontraktenbuch Bd. 10 Seite 386) (Ehevertrag mit Marie Rothmann, Bostel)
1744 Im Februar 1744 war die Witwe Elsebe noch Herr des Hofes (Ehest. F. Tochter)
1763 Casten Beumann (Ehevertrag mit Kath. Hasselmann, Altenhagen, Kontraktenbuch Bd. 12 Seite 140)
1770 Casten Beumann (Tabell. Beschreibung von 1770)
1785 Peter Boymann (Ehestiftung mit Marie Meyer aus Helmerkamp, Kontraktenbuch Bd. 21 Seite 908)
1789/90 Witwe Boymann
1847 Carsten Heinrich Beumann (Rezeß)
1885 Um 1885 kaufte Baron von Wrede den Hof mit dem gesamten Zubehör.
1905 kaufte L. Aselmann den Gesamtbesitz. Er starb 1945 bei einer polnischen Kriegsgefangenen Revolte. Seine Erbin, die älteste Tochter, heiratete den Landwirt Günther Northe, gestorben 1961.
Der Hof ist verpachtet an Hülhse.

Besitz 1663/64 (Hausbuch der Amtsvogtei Beedenbostel): 60 Morgen Ackerland, 7 Wiesen von 10 Fuder Heu, 1 Garten von 3 Himpten Einsaat, 1 Immenstelle in der Furlohe nahe Gockenholz.

Besitz 1847 nach dem Rezeß: Hofstelle 7 Morgen 58 Rth., Gartenland 4 Morgen 28 Rth., Ackerland 144 Morgen 103 Rth., Wiesen 1 Morgen 20 Rth., zus.: 157 Morgen 100 Ruthen (s. Bemerkung unter Hof 1).

Heutige Gesamt- und Wirtschaftsfläche: 144,47 ha.

4. Die Brinksitzerstelle

Die Brinksitzerstelle Haus Nr. 3 wird zum ersten Male Neujahr 1769 auf 1760 im Geldregister der Amtsvogtei erwähnt. Die Gründung ist aber bestimmt ein Jahr vorher erfolgt. Das Geldregister weist darauf hin, daß im Vorjahr, also 1768 auf 1769, für 2 Vollhöfe und 1 Brinksitzerstelle gezahlt wurde.

Leider sind im Staatsarchiv in Hannover nur die Geldregister in Zwischenräumen von 10 Jahren aufbewahrt. Im Register von 1759/1760 sind nur die beiden Alvernschen Vollhöfe aufgeführt. Die Brinksitzerstelle kann also in den Jahren 1760 - 1767 auch schon vorhanden gewesen sein.

Die Tabellarische Beschreibung von 1770 nennt als Besitzer: Jürgen Boymann (ausdrücklich "Herrschaftl. Brinksitzer"). An Personen auf dem Hofe werden genannt: 1 Frau, 1 Mädel (Tochter über 18 Jahre), 1 Leibzüchter (heute Altenteiler) weiblich, zusammen 4 Personen.
Gebäude: 1 Wohnhaus 100 Rthl. (Brandkassenwert)
Viehbestand: 2 Kühe, 3 Immenstellen
1 Moorwiese
Der Brinksitzer wird als Kuhhirte bezeichnet.

  1. Besitzer: Jürgen Boymann 1759 - 60 (1789 - 90 in den Zinsregistern noch aufgeführt)
  2. Besitzer: wahrscheinlich ein Schäfer Kiemann, aus Ohe stammend
  3. Besitzer: 1817 Heinrich Christoph Tölke (In seinem Ehevertrag S. 75 als Brinksitzer ausdrücklich bezeichnet)

1847 Brinksitzer Christoph Thölke
1876 heiratet der 1. Besitzer Laue bei Brinksitzer Thölke ein.
Sein Nachfolger wurde als der als Bienenwart bekannte Wilh. Laue. Er vererbte den Hof auf seine Tochter Inge Fischer. Das Ehepaar Fischer bewirtschaftet die Stelle.

Besitz 1847 (Rezeß): Ackerland: 108 Rth., Wiesen: 1 Morgen Rth., mit dem Hofgrundstück: 2 Morgen 53 Rth. insgesamt.

Heutiger Besitz: 1956 ha.

In jüngster Zeit sind in Alvern zwei Abbauerstellen entstanden:

  1. Abbauerstelle: Dr. Hans Gläser, Grundbesitz: 60,46 ha
  2. Abbauerstelle: Robert Schäfer, Grundbesitz: 5,50 ha

5. Eingemeindung Alvern

Am 24.1.1967 hatte sich der Verwaltungsausschuß des Rates der Gemeinde Garßen mit dem Gedanken der Gründung einer Samtgemeinde mit den Gemeinde Altenhagen, Alvern, Bostel, Lachtehausen und dem Ortsteil Ohe der Gemeinde Höfer vertraut gemacht.

Auch der Rat hatte bereits am 23.2.1967 den einstimmigen Beschluß gefaßt, die Bildung einer Samt- bzw. Großgemeinde voranzutreiben.

Die Gemeinde Garßen hatte daraufhin den Rat der Gemeinde Alvern für den 10.4.1967 in die Gastwirtschaft Schäfer in Alvern eingeladen, um zu einer zwanglosen Zusammenkunft zu kommen.

Die nächste Besprechung fand am 30.6.1967 wieder in Alvern statt, wo es bereits zu einer Einigung kam. Der Rat der Gemeinde Alvern hatte einstimmig der Eingemeindung zum 1. 7. 1967 zugestimmt und folgende Auflagen gemacht:

  1. daß die Schule in Alvern sowie das dazugehörige Gelände in Größe von ca. 43 a niemals verkauft werden darf und die aus der Schulwohnung anfallende Miete - zur Zeit in Höhe von 1800,-- DM jährlich - in Alvern für Reparaturen, Instandsetzungsarbeiten und Pflegearbeiten für das Schulgelände, den Friedhof und den noch zu errichtenden Kinderspielplatz verbleibt. Die Stühle und Tische im Klassenraum sind für gemeinnützige Zwecke in Alvern zu belassen.
  2. Die Schulpflichtigen Kinder von Alvern, die die Mittelpunktschule in Garßen besuchen, müssen weiterhin - wie bisher - kostenlos zum Unterricht befördert werden. Ferner bedingen wir uns aus, daß der Ort Alvern einem Busverkehrsnetz angeschlossen wird.
  3. Straßenanliegergebühren für die bereits vorhandenen Straßen dürfen nicht erhoben werden.
  4. Der Friedhof ist in freiwilliger Arbeit von den Bürgern des Ortes errichtet worden. Daher wird Wert darauf gelegt, daß die Grabstellen weiterhin kostenlos - wie bisher - den Einwohnern von Alvern abgegeben werden.
  5. Der Gemeinderat verlangt, daß bis zu den nächsten kommenden Wahlen ein Vertreter des Gemeinderates von Alvern an den Sitzungen in Garßen teilnimmt.
  6. Die Aufwandsentschädigungen müssen bis zur endgültigen Abwicklung der Gemeindeangelegenheiten weitergezahlt werden.

In einer Sondersitzung des Rates der Gemeinde Garßen am 22.8.1967, an der auch Herr Oberkreisdirektor Dr. Bruns sowie der gesamte Rat der Gemeinde Alvern teilnahm, wurde von beiden Räten einzeln einstimmig die Bildung einer Einheitsgemeinde zum 1.1.1968 mit folgenden Auflagen beschlossen:

  1. Im Haushaltsplan der Gemeinde wird unter ´Mieteinnahmen aus dem Schulgebäude Alvern´der jeweilig einkommende Betrag ausgewiesen werden. In den Ausgaben spaltet sich dieser Betrag einmal für die Instandsetzung des Schulgebäudes, für die Errichtung bzw. Erhaltung eines Kinderspielplatzes und für die Sauberhaltung des Friedhofes. Sollten im Rechnungsjahr die aufgeführten Positionen nicht voll verbraucht werden, verbleibt der Überschuß der Gemeinde Garßen. Eine Übertragung auf das nächste Rechnungsjahr findet nicht statt.
  2. Wenn rechtlich möglich, werden Erschließungskosten bei bereits ausgebauten Straßen für bebaute Parzellen nicht mehr erhoben. Wenn jedoch Neubauten an ausgebauten Straßen errichtet werden, sollen Erschließungsbeiträge erhoben werden.
  3. Der gemeindeeigene Friedhof geht bei der Eingemeindung in das Eigentum der Gemeinde Garßen über. Die ordnungsgemäße Sauberhaltung wird von der Gemeinde Garßen übernommen. Die Grabstellen werden an die Einwohner von Alvern, die bis zum 31.12.1967 dort wohnhaft sind, und solange die Fläche ausreicht, kostenlos abgegeben. Für ab 1.1.1968 neu zugezogenen Einwohner werden dann noch festzusetzende Gebühren erhoben werden. Das trifft auch dann für alle Einwohner zu, wenn die Gemeinde Garßen neues Land zur Erweiterung des jetzigen Friedhofes ankaufen muß.
  4. Die Gemeinde Garßen wird sich bemühen, ein Busunternehmen zu bewegen, Alvern anzufahren.
  5. Die Gemeinde Alvern kann bis zu den nächsten Kommunalwahlen ein bis zwei Vertreter zu den Ratssitzungen nach Garßen entsenden. Diese Vertreter haben jedoch kein Stimmrecht.

Bereits am 30.8.1967 wurde von der Verwaltung an den Landkreis Celle der Antrag auf Zustimmung der Eingliederung der Gemeinde Alvern in die Gemeinde Garßen gestellt.

Am 11. Oktober 1967 wurde dieser Antrag vom Landkreis Celle an den Herrn Niedersächsischen Minister des Innern über den Herrn Regierungspräsidenten in Lüneburg mit einer eingehenden Stellungnahme und Befürwortung weitergereicht.

Im Nieders. Gesetz- und Verordungsblatt vom 28.3.1968 wurde das Gesetz über die Eingliederung der Gemeinde Alvern in die Gemeinde Garßen zum 1.7.1968 bekanntgegeben.

Bereits am 24. 9. 1967 wurde die Gemeinde Alvern sowie der Ortsteil Ohe in das Verkehrsnetz der Kraftverkehrsgesellschaft Celle aufgenommen.

Am 28. Juni 1968 fand im Rathaus - Sitzungszimmer - noch eine gemeinsame Sitzung beider Räte statt, in der einem Vertrag folgenden Inhalts beiderseits einstimmig zugestimmt wurde:

Der Niedersächsische Landtag hat zum 1. Juli 1968 die Angliederung der Gemeinde Alvern an die Gemeinde Garßen beschlossen. Zwischen beiden Gemeinde wird folgendes vereinbart:

§1
Bis zur Neuwahl des Rates durch die allgemeinen Kommunalwahlen am 29.9.1968 wird der Rat der Gemeinde Garßen auf 13 Mitglieder erweitert. Es kommen somit 2 Ratsherren des Rates der Gemeinde Alvern nach dem Höchstzahlenverfahren in den Rat der Gemeinde Alvern.
§2
Die Kassengeschäfte gehen ab 1. Juli 1868 auf die Gemeinde Garßen über. Die Kasse ist jedoch bis zum 31.12.1968 getrennt zu führen.
§3
Das Ortsrecht (Satzungen und Verordnungen) der Gemeinde Garßen gelten mit folgenden Ausnahmen ab 1 Juli 1968 auch für die Gemeinde Alvern: Die Steuerhebesätze, die Hundesteuerverordnung und die Zugehörigkeit zum Müllabfuhrzweckverband werden für die Gemeinde Alvern erst mit dem 1. Januar 1969 rechtsverbindlich.
§4
Vermögen und Schulden der Gemeinde Alvern gehen mit dem 1. Juli 1968 auf die Gemeinde Garßen über. Die Verwaltungsgeschäfte erledigt ab 1. Juli 1968 die Gemeinde Garßen. Sämtliche Unterlagen, Akten und Büroeinrichtungen sind am 1. Juli 1968 dem Gemeindedirektor der Gemeinde Garßen zu übergeben.
§5
Die bisher mtl. gewährten Aufwandsentschädigungen an den Bürgermeister und Kassenverwalter der Gemeinde Alvern sind bis zum 31.7.1968 zu zahlen.

Garßen und Alvern, den 28. Juni 1968

Für die Gemeinde Garßen Für die Gemeinde Alvern
gez. Sohnemann gez. Basler gez. Fischer gez. Degenhardt

meinde Alvern sind bis zum 31.7.1968 zu zahlen.

Garßen und Alvern, den 28. Juni 1968

Für die Gemeinde Garßen Für die Gemeinde Alvern
gez. Sohnemann gez. Basler gez. Fischer gez. Degenhardt